Fronleichnam, verregnet und doch ein starkes Zeichen!

Predigt zum Fronleichnamsfest – 03.06.2010

(Lesungen: 1 Kor 11,23-26 – Lk 9,11b-17)

Alle liturgischen Texte (hier)

Hier können Sie die Predigt auch anhören.

Am Fronleichnamsfest feiert die kath. Kirche das größte Geheimnis des Glaubens, die Eucharistie. Wie man dieses „Sakrament des Altares“ verstehen kann, darüber ist in der Zeit der Reformation heftig gestritten worden.  Einige Theologen sagten:
im eucharistischen Brot ist nur die Erinnerung an das letzte Abendmahl zu sehen, ein Denk-mal, das uns der Herr  hinterlassen hat.

Die anderen hielten daran fest: im Brot ist wirklich und wahrhaftig Jesus Christus zugegen. Die Hostie hat nur noch die Eigenschaften eines Brotes. Ihr inneres Wesen aber ist Christus selbst, auch wenn wir das nicht begreifen können.
Oder auf eine Kurzformel gebracht. Jesus Christus ist uns mit dem Brot geschenkt oder Jesus Christus ist uns im Brot geschenkt.

Wir wollen an diesem Fest heute nicht schwerwiegende theologische Fragen erörtern. Sie sind im Zusammenhang mit der Ämterfrage bis heute nicht ganz geklärt. Wir wollen einfach auf Jesus schauen und von seinem Reden und Tun etwas lernen. Wir wollen unseren Lebensstil und unsere alltäglichen Gewohnheiten kritisch in den Blick nehmen und – wenn nötig – verändern. Die Verse 16 und 17 aus dem Evangelium können uns dabei behilflich sein.

Was erzählt da der Evangelist bei der wunderbaren Brotvermehrung?

– Jesus nahm (das Brot) entgegen
– er blickte zum Himmel auf
– er segnete
– er teilte aus.

und: es war für alle genug da, sogar im „Überfluss“.

Schauen wir diese vier Gesten näher an.

1. Jesus nahm das Brot entgegen. Das ist ein Zeichen dafür, dass wir nichts aus uns selber haben, sondern alles aus der Hand anderer entgegennehmen.

Als wir noch Kinder waren, wurde uns das tägliche Essen einfach gegeben, im Säuglingsalter sogar eingegeben. Wir haben im Lauf des Lebens gelernt, uns das Brot selber zu nehmen und dabei vielleicht vergessen, dass wir es in Wirklichkeit nur entgegen-nehmen können, weil andere es bereitgestellt haben. – Das vergessen wir schnell. Wir tun so, als ob wir uns selbst aus eigener Kraft ernähren könnten. Für Dankbarkeit ist da kein Platz mehr.

Heute erinnern wir daran, dass wir – wie Jesus – die Lebensgrundlagen eigentlich geschenkt erhalten – aus der Hand Gottes selbst – durch unsere Mitmenschen.

2. Jesus blickte zum Himmel auf.
Was tun wir? Im Alltag schauen wir nach unten. Wir haben keine Zeit zum Aufblick, keine Zeit zum dankenden Gedenken an den Geber aller Gaben. Dieser einseitige Blick auf die Erde ist riskant. Denn wer nicht mehr aufschaut zum Himmel, verdirbt am Schluss die Erde.

3. Jesus segnete.
Segnen/benedicere heißt übersetzt: gut-heißen. Sagen, dass es gut so ist, wie es ist. Früher wurde kein Laib Brot angeschnitten ohne dass die Hausfrau ein Kreuzzeichen darüber gemacht hat, ein guter Brauch, der kaum mehr bekannt und nicht mehr praktiziert wird. Alles, was wir in die Hand nehmen, sollen wir also segnen. Wer segnet, weiß, dass er nicht aus sich selbst lebt. Und nur deshalb kann er – wie Jesus …

4. Austeilen.
Das ist das Gegenteil von zusammenraffen, vom Geiz getrieben nicht mehr genug kriegen. Jesus lädt ein, großzügig auszuteilen, die Hände zu öffnen.

Man muss nicht gleich an den Bettler auf der Straße oder an der Haustür denken, sondern auch an die gewöhnliche Habe, den privaten Besitz, der – wie die kath. Soziallehre sagt – sozial verpflichtet. Eigentum ist nicht reines Privateigentum, sondern sozial verpflichtendes Eigentum. Das heißt: an den Gütern, die wir haben, sollen auch meine Mitmenschen Anteil haben. Ich soll teilnehmen lassen an dem, was ich besitze – und nicht ängstlich mit verkrampften Händen alles nur für mich festhalten.

Jesus hat uns ein Beispiel gegeben: das Austeilen. Er behält nichts für sich, auch sich selbst schenkt er weg, sein Leben verschenkt er, wenn er am Kreuz stirbt, damit wir das Leben haben.

Das ist Fronleichnam – das Fest des Brotes, das weggeschenkt wurde für unser Leben. Das Fest des dankbaren Gedenkens, wie Thomas von Aquin in seinem Hymnus dichtete, ein „Denkmal, das uns mahnet an des Herren Tod“.

Und dieser Hinweis darf zum Schluss nicht fehlen: denn im Tod müssen wir alles hergeben – wie Jesus. Da bleibt uns nichts mehr übrig. Das Austeilen ist so wie das Einüben des Sterbens, unverzichtbare Einübung für das Leben bis zuletzt.

Nehmen wir von diesem Fest vier Impluse mit:
– sich an den Geber aller Gaben erinnern: nach oben schauen
– segnen, also gut-heißen
– und teilnehmen lassen, austeilen.

Würden wir darin wachsen, dann geschähe ein Wunder unter uns, dann könnten die Menschen in unserem Verhalten ein Zeichen erkennen für das Reich Gottes.

Wo Menschen so leben wie Jesus gelebt hat, da geschehen Wunder und Zeichen. Da erkennt die Welt, dass Gott lebt und mitten unter uns wirkt.

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