Urlaub oder Ferien von Gott?

Predigt am 19. Sonntag im Jahreskreis – Lesesjahr C

(Lesungen: Hebr 11,1-2.8-123 / Lk 12,32-39)

Alle liturgischen Texte (hier)

Die Predigt hier anhören

In den Ferien fällt die Predigt aus – so denken viele Christen. Da soll auch der Gottesdienst wie Ferien sein, kurz und ohne anstrengende Gedanken. – Andere meinen: Ferien ohne Gott kann es gar nicht geben; Ferien ohne Gott seien sogar verfehlt. Denn der Mensch müsse sich an Leib und Seele erholen. Und dazu gehöre eben auch, sich mal wieder mehr Zeit zu nehmen, z.B.. zum Gebet, zu guten und hilfreichen Gedanken.

Wer hat recht?

Wir wollen jetzt nicht herausfinden, wer recht hat, sondern die 45 Minuten im Sonntagsgottesdienst einmal als eine geschenkte Zeit begreifen, als eine Chance, zu erfahren, wofür wir danken könnten. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass – bei dem Priestermangel – Gottesdienste gefeiert werden, dass wir in eine Kirche gehen können. Manch ein kranker Mensch würde gerne hier sein. Aber er kann nicht kommen. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass wir trotz mancherlei Beschwerden einigermaßen seelisch gesund sind. Nichts ist selbstverständlich. Wer in der Telefonseelsorge tätig war – ich war fünf Jahre dort – kann hören, welche Probleme die Menschen quälen; für jede Minute des Wohlbefindens und des inneren Friedens könnten wir dankbar sein. Verschenken wir also die Zeit an Gott und hören wir, was er uns im Wort der Hl. Schrift sagen will.

Nur zwei Sätze

Zwei Sätze aus der Lesung und aus dem Evangelium sind es wert, mit großen Buchstaben in das Album unseres Lebens eingetragen zu werden.

Der 1. Satz: (aus dem Hebräerbrief): „Glaube ist Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“ (Hebr 11,1).

Der 2. Satz (ein Wort Jesu aus dem Lukasevangelium): „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz“ (Lk 12,34)

Wir achten Menschen, die einen festen Standpunkt haben. Das Hin und Her Schwanken irritiert. Ein Betrunkener etwa macht auf seine Umgebung einen erbärmlichen Eindruck. Er hat keinen festen Gang, Das Wort „Schwindel“, fällt uns dazu ein. Wir verwenden dieses Wort in doppelter Bedeutung:

Einmal so: wem schwindlich ist, der ist elend dran und sollte sich hinlegen. Aber auch so: Schwindel als Vortäuschung von Tatsachen, die es nicht gibt.

Wenn von einem Menschen gesagt wird, er sei ein Schwindler, ist das ein böses Urteil. Man unterstellt, er stehe nicht fest, sei wie ein schwankendes Schilfrohr im Wind, habe kein Rückgrat, rede mal so, mal so. Für den sozialen Frieden ist es aber unverzichtbar, zu wissen, wo einer steht, ob man auf ihn bauen kann.

Der Hebräerbrief vergleicht nun den Glauben mit dem Feststehen und Gegründetsein auf einem unsichtbaren und dennoch tragfähigen Grund, ein Feststehen in Gott.

Glaube als gut kalkulierter Sprung ins Ungewisse (Karl Rahner SJ)

Der Glaubensschritt geht also so: den Boden der eigenen Sicherheit verlassen und sich auf den festen Grund Gott stellen. Es ist wie das Aussteigen des Petrus aus dem Boot im See Genezareth damals. Petrus verließ das Boot und ging auf Jesus zu – ohne zu versinken – nicht weil sich das Wasser in festen Boden verwandelt hatte, sondern weil er auf den Herrn zuging, weil er ihn vor Augen hatte, und weil dieser ihm in den Sekunden des Zweifels die rettende Hand entgegenstreckte. Auf Gott Zugehen als einem festen Halt, das heißt Glauben.

Stimmt es denn nicht, dass schließlich alles in dieser Welt vergeht, wirklich alles – und dass nur Gott allein bleibt? Warum also nicht gleich den sichersten Standpunkt wählen? Wer das einmal begriffen hat, versteht auch das Wort Jesu: Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.

Wo es mir gut geht

Orte, die für uns mit wichtigen Erfahrungen verbunden sind, besuchen wir immer wieder gern. Manche Menschen fahren z.B. jedes Jahr an den gleichen Urlaubsort, weil sie wissen: hier geht es mir gut, hier habe ich mich immer gut erholt. Schon vor Beginn des Urlaubs sind sie mit ihren Gedanken dort, stellen sich vor, wie alles sein wird, kramen in ihren Erinnerungsfotos und können den Tag der Abreise gar nicht mehr erwarten. Immer drängt es uns dorthin, wo wir für uns das Beste erhoffen.

Auf das religiöse Leben übertragen heißt das: wenn Gott für uns das Beste und Wichtigste ist, der Ort unserer letzten Sicherheit und Geborgenheit, dann wird unser Herz ihm auf der Spur bleiben und nach ihm suchen. Dann werden wir „auf dem Weg zu ihm“ bleiben, zu jeder Zeit, ob im grauen Alltag oder an festlichen Tagen.

Einfach ausprobieren

Nach so viel Theorie nun noch paar praktische Hinweise: wenn im Winter der erste Frost kommt, versuchen Mutige gleich herauszufinden, ob das Eis schon trägt. Dieses „Ausprobieren“ gehört im übertragenen Sinn ganz wesentlich zum Glauben. Ob Gott wirklich trägt, ob er seine Verheißungen erfüllt, das kann ich nur durch eine Probe aufs Exempel erfahren – das lässt sich nicht mathematisch voraus berechnen. Der protestantische Theologe Helmut Thielike hat vorgeschlagen, so zu leben, „wie wenn Gott wäre“.

Wir müssen also den scheinbar sicheren Boden unserer selbstgemachten Fundamente – unser durch Leistung, öffentliches Ansehen, Begabung, Wissen, Einfluss, politische Macht und Geld gestütztes Selbstwertgefühl manchmal verlassen und einen Schritt des Glaubens tun. Denn alle weltliche Sicherheit ist trügerisch und vergänglich, Gott allein hat Bestand. „Soli deo – basta“ – Gott allein genügt, hat Theresia von Avila gesagt.

Machen wir uns also frei von unserem Sicherheitsstreben und gehen wir einen Schritt auf Gott zu. Er ist unser geheimnisvoll verborgener Schatz. Als Glaubende sind wir überzeugt von Dingen, die man nicht sieht, sondern die man nur durch einen gewagten Glaubenssprung erproben kann. Karl Rahner nannte den Glauben einen „gut kalkulierten Sprung ins Ungewisse“.

Urlaub und Ferien als Chance

An diesem Sonntag und in diesen Ferien wollen wir unseren Glauben erneuern, den Glauben, dass Gott es ist, der unser Leben hält und trägt; unsere Hoffnung stärken, dass wir ihn als unseren verborgenen Schatz erkennen, zu dem unser Herz hinstrebt und unsere Liebe zu dem, was kein Auge in dieser Welt geschaut hat, dem unsichtbaren Geheimnis unseres Lebens selbst, zu Gott.

[print_link]

Print Friendly, PDF & Email