Unangenehme Einreden im Urlaub?

Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr C

(Lesungen: Jes 66,16-21 / Hebr 12,5-7.11-13 / Lk 13,22-30)

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Mitten in den Sommerferien hören wir heute ernste und mahnende Worte Jesu. Das passt so gar nicht in das von allen ersehnte Wellness-Gefühl, das wir mit Freizeit und Urlaub verbinden. Gönnt uns denn Gott keine Auszeit, keine Erholung? Müssen wir denn ständig und ängstlich auf der Hut sein, um ja keine Fehler zu machen? Wo ist da noch Raum für die unbefangene Freude am Leben?

Wer so denkt, hat das heutige Evangelium aus dem Zusammenhang gerissen und einseitig verstanden. Wir kennen doch auch andere Worte Jesu und wissen, dass auch er sich immer wieder zur Erholung in die Einsamkeit zurückgezogen hat: „Kommt her, ruht ein wenig aus“, war z.B. seine Einladung an die Jünger nach anstrengenden Tagen (vgl. Mt 65,31).

Es muss also andere Gründe geben, warum Jesus auf die Frage nach der Zahl der Geretteten so ernst antwortet: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen“. (Lk 13,24). Sicher wollte er damit nicht Ängste schüren und zu einem gnadenlosen Wettbewerb um das endgültige Ziel des Lebens aufrufen.

Er möchte vielmehr daran erinnern, dass alles seine Zeit hat. Auch die Lebenszeit ist eine begrenzte Zeit. Man muss da nicht gleich an das Sterben denken.  Das Leben ist ein Spiel, heißt es in einem Lied. Aber es ist auch eine ernste Angelegenheit!

Unser Wissen um unsere Sterblichkeit schläft im Alltag. Wir tun so, als ob es immer so weiterginge wie bisher, allerdings mit dem Wunsch, es möge immer besser gehen und nicht schlechter. Hauptsache Gesundheit, ist so ein verständlicher Wunsch.

Gibt es denn keine anderen Hauptsachen? Wer die Mahnrede Jesu ernst nimmt, wird seine Wichtigkeiten neu ordnen. Worauf kommt es an? Darauf, nicht zu vergessen, dass da einer auf uns zukommt, der das Sagen hat und das letzte Wort über jeden Menschen.

Nicht unsere Einteilungen in gut und böse, in gerecht und ungerecht, in zugehörig und nicht zugehörig ist maßgebend, sondern der unerforschliche Ratschluss Gottes. Dass da plötzlich die Letzten die Ersten sein werden und manche von den Ersten die Letzten, ist zu unserer Ernüchterung gesagt und als Mahnung, sich nicht das letzte Wort anzumaßen.

Unsere Aufgabe ist es, wachsam zu bleiben und das Ziel nicht aus dem Blick zu verlieren. Wer ein Ziel hat, erträgt auch jedes Wie. Den Alltag glücklich bestehen kann man nur, wenn man weiß, worauf alles hinaus läuft. Und wenn man nicht blind und erlebnissüchtig in den Tag hinein lebt.

Mahnungen sind also nicht dazu da, Ängste zu schüren, sondern zu ernüchtern. So lässt sich auch der Hebräerbrief lesen, in dem das rätselhafte Wort von der Zucht des Herrn steht: „Wen der Herr liebt, den züchtigt er“ (Hebr 12,5). Hier hat sich die Erfahrung der Menschen niedergeschlagen. Wer auf sein eigenes Leben schaut, wird mit einem versöhnlichen Schmunzeln sagen können, dass die eine oder andere  Zurechtweisung, selbst wenn sie – wie früher üblich – handgreiflich war, doch nicht geschadet hat.

Was uns nicht verloren gehen darf, ist das Wissen, dass Gott der eigentliche Herr des Lebens ist. Was wir planen, veranstalten und bewirken, ist nur ein Teil unseres Glücks oder auch Unglücks. Vollkommene Werke können wir nicht hervorbringen.

Vielmehr gilt ein weiser Grundsatz: das Machbare ist mit dem Wunderbaren geheimnisvoll verschränkt. Es schadet nicht, gelegentlich den Glauben an die Vorsehung Gottes zu erneuern. Nur der kann gelassen und frohgemut durchs Leben gehen, der an die Gnade, die Kraft und die Liebe Gottes glaubt, auch dann, wenn ihm seine Wege rätselhaft und unverständlich erscheinen. Jesus Christus ist der Garant dafür, dass Gott uns nicht an der Nase herumführt, sondern das Beste für uns im Sinn hat: das endgültige Ziel unserer Lebensreise, die Gemeinschaft mit Ihm und der Friede untereinander.

Der letzte Satz im Credo – oft beten wir ihn gedankenlos – könnte ein Denkzettel für die Urlaubs- und Ferienzeit sein, eine Notiz ins Tagebuch oder auf den Schreibtisch: „Wir glauben (nämlich) an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben. Amen“

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