Was für ein König!

Predigt zum Christkönigssonntag

Lesungen: Kol 1,12-20 – Lk 23,35-43

Alle liturgischen Texte (hier)

Die Predigt anhören!

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Ein ungewöhnlicher König ist das schon, der “König der Juden”. Die führenden Männer des Volkes Israel verlachten ihn. Die römischen Soldaten verspotteten ihn, ein mitgekreuzigter Verbrecher verhöhnt ihn wegen seiner angeblichen Macht: „Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns“. Und wir Christen widmen ihm ein eigenes Fest. Wer soll das heute noch verstehen?

Vor einigen Tagen ging eine Meldung durch die Presse: ganz England fiebert einem Großereignis entgegen. Der Anwärter auf den Königsthron in England wird im Frühjahr 2011 heiraten. Aus früheren Königshochzeiten wissen wir, mit welchem materiellen Aufwand und mit welch überbordenden Gefühlen auch heute noch Könige und Anwärter auf einen Königsthron gefeiert werden. Da ist Christus König chancenlos.

Warum also dieses Herrenfest? Warum hält die Kirche am Königstitel Jesu fest? Müssen wir nicht heute für Jesus Christus einen besseren Namen finden, einen Namen, der seiner Sendung und Bedeutung besser entspricht!

Es gibt aber gute Gründe, dennoch am Königstitel für Jesus festzuhalten:

1.  weil er ein ganz anderer, ein alternativer König ist

2.  weil er das Heil des Menschen nicht an Bedingungen knüpft

3.  und weil er für uns Christen die wichtigste Bezugsperson ist

Jesus ist ein alternativer König

Wir hören “König” und denken an Macht und Glanz auf der einen – und an gehorsame Unterwerfung auf der an­deren Seite. So wird auch im AT das Königtum Gottes noch dargestellt. Seine geschichtliche Entsprechung findet es im Königtum Davids. Unter dessen glanzvollen Herrschaft erlebte Israel die beste Zeit. Davids Königstum war für die Juden zurzeit Jesu die “gute alte Zeit”, die man wieder herbeisehnte: Friede im Land, Freiheit, Unabhängigkeit, Wohlstand – das sind Erinnerungen, die als Vorahnung der Herrschaft Gottes begriffen werden. – Und mit dem Auftreten Jesu keimt die Hoffnung auf, ER werde diese alte politische Größe Israels wieder herstellen. Man nennt ihn ja schon den Sohn Davids. Stammte er nicht aus Bethlehem, der Geburtsstadt des Hauses und Geschlechtes Davids?

Diese Erwartungen im Volk hat Jesus aber enttäuscht. Er war ein anderer König. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, seine Herrschaft ist eine Herrschaft über die Herzen und nicht über Geld und Waffen, das Prinzip seiner Herrschaft ist der Dienst – wie er bei der Fußwaschung im Abendmahlssaal unmissverständlich bekundet.

Die Liebe, die Hirtensorge, die den Verlorenen nachgeht, ist sein Regierungsprogramm. Der Thron seiner Herrschaft ist nicht ein Sessel, sondern der Opferaltar, das Szepter ist das Kreuz, die Staatskarosse ist ein Esel, seine Diener sind einfache Fischer, sein Ziel ist nicht die weltliche Herrschaft, sondern die Versöhnung und der Friede auf Erden für alle Menschen und der Aufgang des wahren Lichtes: das Reich Gottes, das hier und heute schon beginnt.

Jesus lebt das HEUTE Gottes und bindet das Heil des Menschen nicht an Bedingungen.

Er hebt die in der Welt geltenden Regeln auf, das erbarmungslose Gesetz von WENN und DANN. Dem Schächer neben sich am Kreuz sagt er:  “Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein?”.  Weltliche Könige hätten da schon Bedingungen gestellt: “Erst wenn du für dein Verbrechen gebüßt hast, reden wir nochmals über dein Ansinnen”. Gerechtigkeit muss sein. Wo käme man hin, wenn man Barmherzigkeit walten ließe.

Mit diesem König in Berührung kommen, heißt jederzeit – sogar noch im letzten Augenblick des Lebens – “vom Tod zum Leben” hinübergelangen. Jetzt schon das Angeld, den “Erbschein” für den Himmel zu besitzen.

“Euer Leben”, so sagte doch Paulus, “ist mit Christus in Gott verborgen”, wie das Leben eines Kindes – im Mutterschoß verborgen – schon  da ist und nur noch auf den Tag der Entbindung wartet. “In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir”, und zwar bereits jetzt, im HEUTE, nicht erst im Jenseits.

Und schließlich ist Jesus für uns die wichtigste Bezugsperson

Niemand von uns kann ohne Beziehungen leben. Leben heißt immer “Zusammenleben”. Es ist ein Netz von Beziehungen auf einen Punkt hin geknüpft, der alle Fäden zusammenhält. Dieses geheimnisvolle Webstück aufzudecken, hieße Kirche begreifen, ein Netz erkennen, ausgeworfen ist, um alle Menschen einzuholen und am Strand Gottes zu bergen, heraus aus dem Meer der Verlorenheit. Kirche ist niemals Selbstzweck, sondern immer Werkzeug des Heils für die ganze Welt und für alle Menschen.

Auf Jesus Christus hin wird unser aller Leben bezogen. ER ist die wichtigste, die eigentliche Bezugspunkt.

Wer einem wichtig ist, dem gibt man auch die Ehre, den stattet man aus mit allen Attributen einer hohen und würdigen Person: der Königs-Titel legt sich dann nahe. Deshalb wollten ihn ja seine Anhänger gleich nach der wunderbaren Brotvermehrung zum König machen – und noch beim Einzug in Jerusalem riefen sie ihn zum König aus.

Weil wir aber wissen, dass diese Inszenierungen nur Bilder sind für eine andere, innere Größe, tun wir uns manchmal schwer mit Liedern, in denen Jesus Christus als unser König besungen wird. Was solche Texte aber ausdrücken wollen, ist auch heute noch wahr: es gibt jemanden, der mächtiger ist, als alle Mächtigen dieser Erde. Und das ist der Sohn des lebendigen Gottes, der Christus-König.

Wir geben ihm die Ehre, wenn wir Gottesdienst feiern und wir dürfen darauf vertrauen, dass er uns – die Seinen – nicht aus den Augen lässt. Das ist ja die vornehmste Aufgabe eines Königs, dass er für die Seinen da ist und sie nicht im Stich lässt. Mit dieser gläubigen Zuversicht gehen wir in jeden neuen Lebensabschnitt hinein, auch in die letzte Woche des Kirchenjahres vor dem 1. Advent.

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