Ein Hoffnungslicht – für uns erschienen

Predigt am Fest der Erscheinung des Herrn

Lesungen. Jes 60,1-6 / Eph 3,2-3a.5-6 / Mt 2,1-12

Alle liturgischen Texte (hier)

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War er nicht ein großer Prophet, dieser Jesaja?! Oder hat er sich das, was wir in der ersten Lesung gehört haben, doch nur alles eingebildet?

War das große Licht im Dunkel der Völker nur eine Selbsttäuschung, eine Fata Morgana nur, um überleben zu können mitten im Elend? Es war ja Kriegszeit. Die Menschen hatten alles verloren, waren aus ihrer Heimat vertrieben und nach Babylon verschleppt worden.

Alles verlieren, vor dem Nichts stehen – diese unbeschreibliche Not wird uns im Fernsehen immer wieder gezeigt. Hautnah war sie uns in den Nachkriegsjahren. Die Verschleppten und Heimatvertriebenen erinnern uns heute noch daran. Wehmut erfasst sie, wenn sie in ihre alte Heimat nach Schlesien oder ins Sudetenland reisen, um die Orte ihrer Kindheit noch einmal zu sehen. Die Sehnsucht nach der alten Heimat erlischt nie.

War dann Jesajas Vision von der Rückkehr in die alte Heimat und von der großen Völkerwanderung zur heiligen Stadt Jerusalem, auch nur sein persönlicher Wunschtraum?

Jesaja stammte aus einer vornehmen Familie in Juda und genoss eine gute Ausbildung. Er war verheiratet und hatte zwei Söhne. In seiner Lebenszeit verbündeten sich Syrien und das Nordreich Israel gegen das Südreich Juda mit seiner Hauptstadt Jerusalem. Jesaja prophezeite die Niederlage dieser Gegner, aber auch das schnelle Vordringen der Großmacht Assyrien, die dann schließlich beide Reiche, den Norden und den Süden eroberte.

In dieser unruhigen Zeit begann Jesaja von einem großen zu erwartenden Heil zu reden: es werde eine neue Weltordnung kommen, von der alle Menschen nur in rühmenden Worten sprechen können – eine bislang noch nie da gewesene neue Zeit. Auch die Heidenvölker werden sich mit all ihrem Reichtum aufmachen und in das Reich des Lichtes pilgern. Das wird eine Sternstunde der Menschheit sein!

Diese Vision Jesajas verzweigt sich in vielen biblischen Erzählungen in ein feines unübersehbares Geflecht – bis hin zur Verkündigung eines neuen Messiaskönigs und seiner Geburt in Bethlehem. Diese Vision macht den Menschen Beine. Sie schöpfen Hoffnung und halten Ausschau. Sie gehen auf die Suche.

Drei Könige brechen auf. Sie kommen aus dem Osten – aus jenem Gebiet, aus dem auch die Assyrer und andere mächtige Staaten aufbrachen und ihre politischen Interessen in Kriegszügen bis zum Mittelmeer hin anmeldeten. Diese drei aber kamen nicht mit einem Kriegszug. Sie suchten einen Garanten und Herrscher des Friedens. Wir verstehen die Symbolik der Erzählung, wenn wir diese drei Gestalten als Vertreter aller suchenden Menschen begreifen. Denen nämlich gilt das Wort Jesu: „Wer sucht, der findet“ (Lk 11,10). Das helle Licht eines Sterns über Bethlehem ist den drei Königen Wegweiser und Ziel zugleich. Angekommen in Bethlehem, geht ihnen ein Licht auf. Sie erkennen in dem Neugeborenen den lange verheißenen König und Retter Israels. Die Himmelserscheinung des Sterns gibt ihnen die Bestätigung für das Besondere an diesem neugeborenen Kind.

Jesaja hat Recht bekommen. Alles hat sich erfüllt. Sogar die undenkbare Weissagung, dass auch die Heidenvölker aus dem Osten eines Tages den einzigen und wahren Gott anerkennen werden.

Suchende und fragende Menschen können einem manchmal auf die Nerven gehen, vor allem wenn sie das Gewohnte und Vertraute in Frage stellen und von etwas Neuem reden.

So muss es dem despotischen Herodes ergangen sein. Er hatte sich mit den religiösen Führern von damals so recht und schlecht arrangiert, damit er unbehelligt seine Macht ausüben konnte und sie ihrerseits in Ruhe ihren religiösen Aufgaben nachgehen konnten. Religionsausübung braucht staatlichen Schutz. Angesichts der jüngsten Terrorangriffe auf Christen wird uns das schmerzlich bewusst.

Herodes fühlte sich so mächtig und stark genug. Aber er hatte auch Angst, wie so oft die Mächtigen dieser Welt: Angst vor dem Tag, an dem ihm die Macht genommen werden könnte.

Deshalb ist die naive Frage der drei Weisen aus dem fernen Osten für Herodes ein Schock: einen neugeborenen König der Juden soll es geben? Das könnte ja meinen Thron kosten!? – Von einem Messias ist schon seit langem im Volk die Rede, einem ganz anderen König, der nach Recht und Gerechtigkeit regieren werde und nicht nach Lust und Laune – und der sich vor allem der Armen annehmen und nicht mit herrschaftlichem Reichtum protzen werde.

In den hl. Büchern steht es längst geschrieben: eines Tages wird er kommen und der unheilen Welt den Anfang des Heils schenken. Die Fachleute der Hl. Schriften – Herodes kennt sich aus – sollten Bescheid wissen. So lädt er sie zu einem theologischen Gespräch ein. Sie sollen ihm erklären, was es mit dieser seltsamen Frage: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ (Mt 2,2) auf sich hat.

Die Schriftgelehrten finden in den hl. Büchern den Hinweis auf einen Messias-König, der in Bethlehem im Land Juda geboren werden soll. – Also sollte man dorthin gehen, um Näheres zu erfahren.

Die Suchenden kommen in Bethlehem an – bei einem Kind im Stall, bei Maria und Josef. Dort verstehen sie die Welt nicht mehr: dieses neugeborene Kind soll ein König sein? Wenn überhaupt, dann gewiss ein König ganz anderer Art, einer, dessen „Reich nicht von dieser Welt“ ist, wie er später selber vor Pilatus sagen wird (vgl. Joh 18,36).

So etwas gibt es, das ahnen die drei und behalten ihre Ahnung für sich. Denn jetzt wissen sie: weltliche Macht allein kann die Seele nicht befrieden. Da muss es noch etwas anderes geben, eine andere Macht – von Gott her, von einem Gott, der sich der Menschen erbarmt und deshalb selber Mensch wird, um seinen Geschöpfen nahe zu sein.

Wenn Gott ein Kind wird, dann hat er eine neue Art des Regierens vor. Dann braucht man die weltlichen Herrscher nicht mehr wie Halbgötter verehren, sondern kann sich vor dem einen großen Gott verneigen und ihn allein anbeten.

In diesen Tagen werden die Sternsinger wieder an die Wohnungstüren klopfen und mit Weihrauch, Kreide und Weihwasser zum Segensgebet für das Neue Jahr einladen. Die Erinnerung an den großen Propheten Jesaja könnte dazukommen – als Stütze für unser schwaches Vertrauen: Christus, das Licht, ist erschienen, allen Menschen – mitten im Dunkel der Zeit. Dem Geduldigen wird es aufgehen – zuerst im eigenen Herzen als Trost, Zuversicht und Friede, dann auch in den mitmenschlichen Beziehungen, im freundlichen Umgang miteinander bis hin zu einer neuen Weltordnung, in der sich alle Völker unter dem einen Gott des Himmels und der Erde versammelt und geeint wissen. Von dieser großen Hoffnung leben wir Christen. Und wir werden sie uns von niemandem nehmen lassen.

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