Licht im Dunkel

Predigt am 3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Lesungen: Jes 8,23b-9,3 / 1 Kor 1,10-13.17 / Mt 4,12-23.7

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Worüber wir alle leicht ins Gespräch kommen – das ist das Wetter. Schnell sind wir uns einig: ein ungewöhnlicher Winter ist das heuer. Schon sehnen uns nach dem Frühling. Hoffentlich sind die langen kalten Nächte bald wieder vorbei. Im Dunkeln möchte keiner lange leben. Vielleicht zieht es deshalb so viele Menschen in den helleren und wärmeren Süden. Und wer es sich leisten kann, überwintert sogar in südlichen Regionen.

Diese Sehnsucht nach Licht und Wärme gilt auch im übertragenen Sinn und hat sich in den biblischen Verheißungen einen festen Platz gesichert. Der Norden Israel um das Gebiet des Sees Genezareth galt als finsteres Hinterland – so wie wir von der Grenzregion zu Tschechien vom hintersten Bayerischen Wald reden.  In der biblischen Zeit führte zwar eine wichtige Handelsstraße von Osten her zum Mittelmeer. Aber da trieb sich allerlei Gesindel herum. Unterdrückung und Ausbeutung der armen Bauern und Fischer durch die römischen Besatzer war an der Tagesordnung. Diese Heiden hatten zudem keine Ahnung von Jahwe, dem Gott Israels. Sie lebten auch geistig im Finstern. Eine dunkle Gegend war das.

Und ausgerechnet dort – am See Genezareth – hielt sich Jesus die längste Zeit seines Lebens auf. Ausgerechnet dort begann er sein öffentliches Wirken mit einer mutigen Behauptung: „Das Himmelreich ist nahe. Kehrt um!“ Das ist so, wie wenn einer sagt: in der Dunkelheit findest Du das Licht. Wer soll so etwas glauben können?

Aber es wurde immer geglaubt. Schon zu Zeiten des Propheten Jesaja hat man davon gesprochen: schon damals wurde dieses Nordland Sebulon und Naftali an der Straße zum Meer als dunkles Land verachtet. Aber für alle, die in dieser Finsternis lebten, würde es eines Tages hell werden. Freude und Jubel würde aufbrechen. Niemand konnte sich das so recht vorstellen. Es war eine mutige Verheißung – schon in der Frühzeit der Geschichte Israels.

Und mit dem Auftreten Jesu begann es dann doch langsam Tag zu werden. Ausgerechnet in dieser Region, nicht im umtriebigen Zentrum der politischen und religiösen Macht, in Jerusalem, sondern dort, wo die dunkle Nacht am größten war, hat alles neu begonnen mit den Menschen. Von Jesus sagt die Apostelgeschichte, dass er „umherzog, Gutes tat und alle heilte…“ (vgl. Apg 10,38). Ohne Zweifel war die Gegenwart Jesu für viele ein Hoffnungslicht. Sagt nicht ein Sprichwort: „Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages?“

Das sollte uns zu denken geben.

Wir können uns fragen, ob das damals nur ein einmaliges Ereignis war, das man dann zum Trost für die Nachwelt weitererzählte, oder ob sich Vergleichbares nicht auch heute ereignen könnte. Mit der gebotener Zurückhaltung kann man doch heute auch von einer neuen Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft sprechen, z.B. bei den vielen Flutkatastrophen der zurückliegenden Wochen und Monate. War das nicht der Beginn einer neuen weltweiten Solidarität, der Anfang eines neuen Denkens über unser Zusammenleben und damit auch unseres Tuns? Bundespräsident Wulff hat in seiner ersten Weihnachtsansprache die Mitmenschlichkeit geradezu beschworen. Es war eine Einladung zur Umkehr im Denken und Tun. Es war fast eine Predigt – vergleichbar der Einladung Jesu an seine Zeitgenossen: Kehrt um!

Wenn man den griechischen Text der Rede Jesu zugrunde legt, kann man sinngemäß auch übersetzen: Ändert euer Denken! Denkt neu und anders über die Welt, über die Menschen, über euch selbst. Rechnet damit, dass Gott nicht abseits steht, sondern dass er sich im Getriebe des Lebens oft auf unerwartete Weise zu Wort meldet.

Freilich müssen wir vorsichtig sein und dürfen die Katastrophen der Neuzeit nicht für donnernde Moralpredigten missbrauchen. Das können die vom Leid Betroffenen schon gar nicht verstehen, weil man den Sinn von Not und Leid oft lange nicht erkennt. Aber die Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt, auf die Suche nach dem „Guten vom Schlechten“ zu gehen. Erleichtert wird diese Suche, wenn wir wie Jesus an der Seite der Armen und Notleidenden bleiben und mit ihnen Not und Dunkelheit aushalten – in großer Geduld und im Warten auf den verheißenen Tagesanbruch.

Es hat sich ja durchaus einiges getan seit der Zeit Jesu. Vor allem in den ersten Jahrhunderten, als die damalige Welt durch das Entstehen der jungen Christengemeinden ihr Antlitz veränderte. Der hl. Paulus war einer der Architekten einer neuen Welt. In seinem Brief an die Korinther räumt er zwar ein, dass Zank und Streit weiterhin auf der Tagesordnung stehen. Aber geduldig mahnt er zur Einmütigkeit, zum Streben nach Frieden. Vor allem sollen sich die Christen nicht über führende Persönlichkeiten zanken und über die unterschiedlichen Lebensweisen ihrer Gemeindevorsteher streiten. Keiner nämlich hat einen Vorrang vor dem Anderen. Vielmehr sollte jeder auf seine Weise dazu beitragen, dass das Programm eines neuen Denkens und Tuns umgesetzt wird. Deshalb konzentriert sich Paulus auf Jesus Christus. Er hat in allem den Vorrrang. Nur von ihm her erwartet Paulus einen neuen Anfang. Nur Jesus Christus ist für alle Menschen der maßgebliche Mensch.

Wer eine bessere Welt, wer einen besseren Menschen will, kommt an Jesus Christus nicht vorbei. Programme und Pläne, große Reden, wie wir sie bei den anstehenden Wahlen wieder hören werden, verhallen schnell. Das tägliche Tun ist entscheidend. Die tägliche Umkehr. Das Micht-Nachlassen im Gutes tun und denken.

In einem Kirchenlied heißt es: Unser Wissen und Verstand – ist mit Finsternis umhüllet. Es ist die gleiche Not, von der die Hl. Schrift im Bild der Dunkelheit weiß. Aber in Jesus Christus hat die Wende zum Guten schon begonnen: denn – wie es weiter heißt – seines Geistes Hand wird uns mit hellem Licht erfüllen. Und dann folgt ein Satz der uns entlasten und ermutigen kann: „Gutes denken, tun und dichten, musst Du – Gott – selbst in uns verrichten.“

Als Christen vertrauen wir der rettenden und heilenden Macht Gottes und gehen zuversichtlich unsere Wege.

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