Salz der Erde? Licht der Welt?

Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A

Lesungen: Jes 58,7-10 – 1 Kor 2,1-5 – Mt 5,13-16 – Alle liturgischen Texte (hier)

Die Predigt hier anhören.

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Ich habe mir beim Lesen des Evangeliums eben vorgestellt, ich würde einmal mitten unter den Gottesdienstbesuchern in der Kirchenbank sitzen und das Evangelium anhören, nicht hier vom Ambo aus vorlesen. Wie, so fragte ich mich, würden dann die Worte Jesu auf mich wirken: „Ihr seid das Licht der Welt – Ihr seid das Salz der Erde“!

Bin ich Licht – Salz?
Licht der Welt – Salz der Erde?

Ich hätte da meine Zweifel. Denn es stimmt so einfach nicht, dass ich Licht der Welt bin und Salz der Erde. Vielleicht bin ich für den einen oder anderen Mitmenschen mal ein kleiner Lichtblick, ein Hoffnungsschimmer, ein Anlass zur Freude; vielleicht bin ich für irgendjemanden mal so etwas wie das Salz in der Suppe, die Würze, die dem Leben Geschmack gibt.
Aber: Licht der Welt – Salz der Erde!

Hat da nicht Jesus maßlos übertrieben? Ist das nicht zu viel des Guten, was er uns da zuspricht und zumutet?

Wenn wir ehrlich Bilanz ziehen, unser Leben ungeschminkt anschauen, müssen wir einräumen: wir sind keine großen Leuchten und keine besonders würzig anregende Menschen. Eher sind wir schon ein Irrlicht oder gar eine traurige Dunkelheit. Wir sind oft schal und fad und ohne besonderen Geschmack – mehr oder weniger durchschnittlich.

Was fangen wir also mit den Worten Jesu an? Sollen wir sie einfach zurückgeben wie eine unbestellte Post – mit dem Vermerk: zurück an den Absender? Oder sollen wir uns nicht doch fragen, warum das nicht zutrifft, was Jesus uns zusagt? Ich glaube, dass wir deshalb nicht Licht der Welt sind, weil wir meinen, wir müssten das Licht aus uns selbst heraus sein – und das ist falsch. Und wir sind deshalb nicht Salz der Erde, weil wir vergessen haben, wie man das Leben würzen könnte.

Nehmen wir einen Vergleich aus der Weltraumfahrt. Die Astronauten sehen unsere Erde im Weltall wie einen riesigen leuchtenden Stern im Dunkel des Alls. Aber sie wissen, dass das Licht dieser leuchtenden Erdkugel nicht von ihr selbst kommt, sondern dass es das von der Sonne aufgenommene und wieder abgestrahlte Licht ist.

So wäre das auch bei uns Christen. Wir haben das Licht nicht aus uns selbst, sondern Christus ist das Licht, das wir empfangen, um es wieder abzustrahlen – wie die Erde das Licht von der Sonne empfängt und wieder abstrahlt. Je mehr wir uns von Christus erleuchten lassen, je mehr wir sein Licht in uns aufnehmen, desto mehr können wir es auf die Welt und die Mitmenschen abstrahlen. Also könnte es daran liegen, dass wir zu wenig unter der Sonne Gottes stehen, zu selten das Licht Christi in uns aufnehmen.

Zum Zweiten: Wir sind vergesslich. Wir verlernen schnell, wie man das Leben würzt. Deshalb brauchen wir die ständige Erinnerung und Ermahnung, die in den Lesungen der hl. Schrift enthalten ist. Wie man das Leben würzt – und wie wir dann selber zu einer Würze werden für unsere Welt, Salz der Erde, das ist eigentlich ganz einfach. Die Bedienungsanleitung, wenn man so sagen darf, findet sich beim Propheten in der ersten Lesung. Man sollte einfach tun, was da steht: „Brich dem Hungrigen dein Brot. Kümmere dich um Obdachlose, entziehe dich deinen Verwandten nicht (d.h. heißt einfach auch: sei kein Eigenbrötler!), verleumde niemanden. Zeig nicht mit dem Finger auf deine Mitmenschen – kurz gesagt: sei einfach gut! So ist das. Damit wir nicht vor diesem hohen Anspruch erschrecken, darf z.B. der Appell „Kümmere dich um Obdachlose“ auch weiter gefasst werden. Er schließt unsere Bereitschaft für einen guten Zweck zu spenden ein.

Dann, so die Verheißung des Propheten: dann wird dein Licht hereinbrechen. Dann wird Dein Leben leuchtende Farbe bekommen, Würze und Geschmack und die Mitmenschen werden es spüren.

Von Christus, der Sonne, kommt uns das Licht von ihm der gute Geschmack für ein gelingendes Leben. Suchen wir ihn und machen wir es ihm nach. Dann stimmt es vielleicht doch.  Dann sind wir Licht der Welt – und Salz der Erde.

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