Auf das Tun kommt es an, nicht auf schöne Worte

Predigt am 9. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A

Lesungen: Dtn 11,18.26-28.32 / Röm 3,21-25a.28 / Mt 7,21-27)

Alle liturgischen Texte (hier)

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Jesus hat mit dieser Mahnrede den Finger auf eine offene Wunde gelegt. Reden und Handeln sollten übereinstimmen. Dass ihm die Sache ernst ist, unterstreicht er mit dem Hinweis auf den klugen und den unvernünftigen Mann. Der eine hat sein Haus auf Fels gebaut, der andere auf Sand.

Wem fallen da nicht die Bilder ein, die uns in letzter Zeit immer häufiger erreichen – vom Erdbeben in Christchurch/Neuseeland, von den verheerenden Überschwemmungen in Australien. Ein leicht gebautes Haus ohne festen Grund hat keine Chance. Es stürzt ein oder wird weggeschwemmt.

Jesus kommt es auf das Tun an und nicht auf das Reden. Leider ist das nur selten der Fall. „Wir haben zu viele „Mundwerker“ und zu wenige „Handwerker“, hat der verstorbene frühere Bundespräsident Johannes Rau einmal gesagt.

Jesus hat das Verhalten der Menschen im Blick: Nur „Herr, Herr“ sagen – also viele Gebete sprechen – das allein ist keine Garantie für den Eintritt ins Himmelreich.

Auf das Tun des Willens Gottes kommt es an. Selbst denen, die mit auffallenden Zeichen wie prophetisches Reden oder Dämonenaustreibung punkten können, wird der Herr sagen: „Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes. Ich kenne euch nicht.“

Das sind harte Worte. Wer sie ernst nimmt, wird betroffen fragen: ja, was soll ich denn dann genau tun? Welche Tat ist in den Augen Gottes richtig, welche Rede falsch? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Denn das Auseinanderklaffen von Reden und Tun, diese offene Wunde, finden wir in allen Lebensbereichen – aktuell in der Person zurückgetretenen Verteidiungsministers. Schöne Worte und geschriebene Texte werden als Täuschung und Lüge enttarnt. Und in der großen Politik erscheinen plötzlich Daten mit zugesicherter Vertraulichkeit auf der Internetplattform wikileaks . Die Verantwortlichen – leider auch in der Kirche – erleben einen bisher nicht gekannten Vertrauensverlust. Die Menschen sind zu Recht misstrauisch geworden.

Glaubwürdigkeit wächst aber immer nur langsam – durch positive Erfahrungen. Erst wenn jemand frühere Versprechungen eingehalten hat, wird man darauf vertrauen, dass er dies auch in Zukunft tut.

Uns wurde in der reichen biblischen Tradition gesagt, wem wir wirklich vertrauen dürfen. Wenn überhaupt jemand, dann ist es Gott allein, der unser Vertrauen verdient. Auf Menschen ist kein Verlass, auf Gott immer. So heißt es im Psalm 146: „Verlasst euch nicht auf Fürsten, auf Menschen, bei denen es doch keine Hilfe gibt.“ (Psalm 146,3). Und im Psalm 116 steht der erschreckende Satz: „Die Menschen lügen – alle“ (Psalm 116,11)

Der Prophet Jesaja ermutigt die Menschen mit den Worten: „Verlasst euch stets auf den Herrn; denn der Herr ist ein ewiger Fels.“ (Jes 26,4). Der andere große Prophet Jeremia wird noch deutlicher: „Gesegnet der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt. Er hat nichts zu fürchten, wenn die Hitze kommt: seine Blätter bleiben grün. Auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte hervor“ (Jer 17,7-8)

Deshalb dürfen wir Gottes Weisungen trauen. Seine Gebote schränken unsere Freiheit nicht ein, sondern sie ermöglichen uns erst ein Leben in Freiheit, weil sie der Ordnung der Liebe dienen. So wundert es uns nicht, dass das erste und wichtigste Gebot auf diese Grundordnung hinweist. Schon unsere Väter im Glauben, die Juden, sprechen es jeden Tag zur Erinnerung auswendig: „Höre, Israel! Jahwe ist unser Gott, Jahwe allein. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (Dtn 6,4). Diese meine Worte sollt ihr auf euer Herz und auf euere Seele schreiben.

Jesus hat nichts anderes gelehrt. Als es ein Gesetzeslehrer genau wissen wollte und ihn fragte: „Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste?“, antwortete er ihm: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.“

Wie aber sollen wir jemanden lieben, der für uns unbegreiflich und unberührbar im Geheimnis bleibt? Wie kann man Gott lieben, den man nicht sieht?

Die Antwort schließt Jesus gleich an: „Ebenso wichtig ist das zweite Gebot: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten“.

Wir wissen es: in der Liebe kommt es nicht auf schöne Worte an, sondern auf das Tun, auf die Tat, die in der Regel ganz einfach und direkt ist.

In einem neuzeitlichen Kirchenlied wird sie so besungen:

„Brich dem Hungrigen dein Brot. Die im Elend wandern, führe in dein Haus hinein, trag die Last der andern.“  (GL 618)

Wir sollen also einander dienlich sein und darauf achten, dass der Nächste die gleichen Lebensmöglichkeiten hat wie wir sie haben: Nahrung, Kleidung, und wenn er eine schwere Last zu tragen hat, sollen wir ihm tragen helfen.

Oft sind es die kleinen Handreichungen, auf die es ankommt: jemanden höflich zuvorkommen, jemanden „zur Hand gehen“. Das verlangt Aufmerksamkeit und eine ständige Übung der Selbstlosigkeit. Man muss lernen, immer wieder einmal von sich selbst abzusehen. Freilich dann auch wieder zu sich zurückzukehren, um auch gut für sich selber zu sorgen. Das setzt Jesus voraus. Man soll, wie er sagt, den Nächsten lieben wie sich selbst. Wie kann ich einem Anderen Gutes tun, wenn ich mir selber nichts gönne?

Es gibt einen Brief aus dem 12. Jhd., den der Hl. Bernhard von Clairvaux seinem Ordensbruder und späteren Papst Eugen III. geschrieben hat. Darin heißt es:

„Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer, ich sage nicht: Tu das oft, aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“

Wer die Balance zwischen Nächstenliebe und Selbstliebe findet, wird auch zur rechten Zeit zur rechten Tat befreit sein. Er braucht nicht viele Worte zu machen, sondern wird hellsichtig werden für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen – und er wird einfach zupacken, wo es Not tut.

Das Evangelium ist keine schöngeistige Lehre, sondern eine Anleitung zur Praxis. Der Wille Gottes ist nicht in Worten, sondern in Taten zu erfüllen.

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