Johannes von Gott – Glasfenster

Meditation zu einem Glasfenster in der Krankenhauskirche des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg: Leben und Wirken des Hl. Johannes von Gott.

Festpredigt zum Johannes-von-Gott-Fest (hier)

Glasfenster sind durchlässige Grenzen. Das Licht jenseits der Grenze wird durch das farbige Glas gebrochen und verklärt. Das ist die Signatur des Lebens eines Johannes von Gott; und es ist die Signatur jedes Menschenlebens: gebrochen und verklärt.

Menschen in Heils- und Hilfsberufen tragen auch Wunden und sind als Hoffende und Geheilte unterwegs. Gut, wenn sie sich auf einen Stab stützen und auf eine Landkarte berufen können: im oberen Fenster erscheint Johannes von Gott als Pilger, mit dem Stab und der Schriftrolle unterwegs. Der Psalmbeter weiß, dass Gott wie ein Wanderstab Halt gewährt und dass sein Wort wie eine verlässliche Landkarte Orientierung gibt. Am Wegrand blühen Blumen, sozusagen „hinter dem Rücken des Wanderers“ und ohne sein Zutun: wer mit der Vision der Barmherzigkeit unterwegs ist, kann zusehen, wie nebenher Blumen, Früchte wachsen. Der Granatapfel über dem Mann Gottes, Johannes von Gott, ist dafür Symbol.

Zum Unterwegssein gehört auch, sich aufhalten zu lassen – von unvorhersehbaren Nöten. Im mittleren Bild unterbricht der Samariter seinen Weg, steigt ab vom Pferd und neigt sich dem Verletzten zu. Unterbrechungen können unangenehm werden: sie stören meine Pläne. Aber sie können auch unwiederbringliche Chancen bergen; Chancen zu noch größerer Liebe. Liebe ist immer Zuwendung, Dienst und Barmherzigkeit, ist das Herzeigen des Antlitzes, wie im Bild deutlich wird. Er ist der Ineinanderblick, der dem Hilfsbedürftigen und dem Helfer wohl tut. Wie oft suche ich das Antlitz des Anderen? Wohin geht mein Blick: mehr auf den Monitor, den faszinierenden medizinisch-technischen Bildgeber, als in das Antlitz des Kranken?

Es ist nicht zu vermeiden, dass Zuwendung auch offene Hände fordert. Unterwegssein mit verschlossenen Blick und verkrampften Händen führt am Notleidenden vorbei: Aufbrechen mit wachen Augen und geöffneten Händen hingegen macht sogar den Boden unter den Füßen leuchtend rot. Rot und Gold, das sind die Farben des göttlichen Geheimnisses. Johannes von Gott geht auf rotem Grund, auf göttlich gebautem Fundament. Da stören auch die blanken Füße nicht mehr. Es liegt nicht am Schuhwerk, sondern an der Gangart, ob einer in der Liebe vorankommt.

Der Mann, der auch heute noch Vorbild sein kann, war unterwegs mit einer Verheißung: gestützt auf den sicheren Stab der Treue Gottes, unterrichtet durch das Buch des Lebens. Er ließ sich aufhalten von der Not der Menschen und wandte den Menschen sein Gesicht zu. So wurde er zum Nächsten für ihn. Er ging mit offenen Blick und offenen Händen. So wandelte sich unter seinen Füßen der steinige Weg zur göttlichen Straße, die zur Erfüllung menschlicher Sehnsucht führt. Wer im Gedenken an Johannes von Gott feiert, feiert seine eigenen Möglichkeiten und Hoffnungen: seine Möglichkeiten zu noch größerer Liebe und seine Hoffnungen auf Verklärung – trotz aller Gebrochenheit.

Klaus Stock

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