Ostern – Fest des neuen Lebens

Predigt am Ostersonntag, 23. April 2011

Lesungen: Apg 10,34a.37-43 / Kol 3,1-4 / Joh 20,1-9

Alle liturgischen Texte (hier)

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In den Gräbern ist die Verwesung am Werk. Bei dem Grab, von dem das Osterevangelium spricht, ist das anders. Maria Magdalena, ganz in Beschlag genommen von der menschlichen Erfahrung, dass ein Toter tot ist, meint, man habe den Leichnam Jesu weggenommen, als sie das leere Grab entdeckt. Und die beiden Jünger, die zum Grab laufen, werden wohl der gleichen Meinung gewesen sein. Aber als sie dann im Felsengrab stehen, wird von dem einen gesagt, dass er sah und glaubte.

Hier geht von einem Grab nicht Verzweiflung aus, son­dern Glaube, nicht Dunkelheit, sondern Licht. Es ist ein österlicher Glaube, der im Herzen des Jüngers lebendig wird, der in unseren Herzen lebendig werden sollte.

Wie aber kann das geschehen?

Aller österliche Glaube muss durch den Karfreitag hin­durchgegangen sein.  Karfreitag sagt, dass auf Golgatha einer gestorben ist, dass man ihn begraben hat. Und was sagt Ostern? Es sagt, dass es bei diesem Gestorbenen und Begrabenen anders war als bei den anderen. Denn er ist auferstanden. Und zwar nicht so,  dass er wie­der in dieses irdische Leben hereintrat, um später dann doch wieder zu sterben. Nein, Chri­stus ist auferstanden in ein neues Leben hinein, in eine neue Gestalt des Menschseins hinein, die von Gott her kommt. Denn in ihm ist das wahre, das ewige Leben, das mehr ist nur die kleine Spanne zwischen Geburt und  Tod.

Unsere Erfahrung sagt uns zunächst etwas anderes. Wir fühlen und denken wie Maria Magdalena, wenn wir mit dem Sterben eines lieben Menschen konfrontiert werden. Angesichts des Todes stehen wir vor dem größten Rätsel unseres Das­eins – und wir begehren zu Recht auf. Nicht nur der Schmerz und den fortschreitenden Abbau des Leibes, sondern auch, ja noch mehr, die Furcht vor dem immerwährenden Erlö­schen bedrängt un­ser Denken. Und deshalb übergehen und verdrängen wir den Tod, wo immer nur möglich, den eigenen Tod und den Tod unserer Mitmenschen.

Dennoch urteilen wir in unserem Herzen richtig, wenn wir die völ­lige Zerstörung und unseren endgültigen Untergang instinktiv ablehnen. Der Keim der Ewigkeit in uns lässt sich ja nicht auf bloße Mate­rie zu­rückführen und wehrt sich deshalb gegen den Tod. Auf diese Urahnung des Menschen antwortet der Glaube an die Auferstehung der Toten.  Durch Christus und in Christus wird das Rätsel von Schmerz und Tod hell. Er ist auferstanden, hat durch sei­nen Tod den Tod vernichtet und uns das wahre Leben geschenkt.

Wir Christen leben in zwei Welten. Die eine erfahren wir mit unseren Sinnen, die andere ist uns nur im Glauben zugänglich. Aber beide Welten sind wirklich.

Als den Aposteln der Auferstandene erschienen ist, waren sie mit der Welt konfrontiert, welche die Bibel die „neue Schöpfung“ nennt. Petrus kann in seiner Rede im Hause des Kornelius bezeugen: „Gott hat ihn am dritten Tag auferweckt“ (Apg 10,40) – wir haben das in der 1. Lesung gehört. Dieses Zeugnis ist das Zeugnis der Kirche geblieben bis in unsere Tage hinein. Und es sollte wieder ein lebendiges Zeugnis werden! „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne. Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen“, so hat Friedrich Nietzsche gespottet, und er hat mit seinem Spott ins Schwarze getroffen.

Viel zu wenig sind wir österliche Menschen! Wir müssen es wieder werden. Die 2. Lesung gibt eine Ahnung davon, was den österlichen Menschen kennzeichnet: „Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische“ (Kol 3,1-2). Dieses Himmlische ist nicht ein Ort irgendwo weit entfernt in einem kosmischen Himmel, sondern der alles umfassende „Gott-Raum“, der auch unsere irdische Welt einschließt. Deshalb ist der Auferstandene nicht fern von uns, sondern in neuer Weise gegenwärtig.

In der Zeit unserer Pilgerschaft gehen wir manchmal wie im Nebel, wie unter einer verschleiernden Wolke. Wir stehen nicht selten ratlos vor dem Grab unserer enttäuschten Hoffnungen, unserer Pläne und Wünsche.  Der Glaube aber hat am Grab begonnen. Dort zeigte sich der Auferstandene in seiner verklärten Gestalt der Maria Magdalena und den Jüngern. Den irdischen Blicken wurde er ihnen wieder entzogen, aber mit den Augen des Herzens blieb er ihnen nahe. Weil Christus jetzt beim Vater ist, weil er Gott der Sohn ist, ist er immer und überall da – in seiner neuen Gestalt. Denn Gott ist Gegenwart.  Glaubend und vertrauend können wir uns den Plänen und der Vorsehung Gottes überlassen. Er kennt den Weg, den wir gehen. Wie immer er verläuft, es der Weg, der dem ewigen Ostern zustrebt, in dem dann auch unser Leben mit Christus „offenbar werden wird in Herrlichkeit“.

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