Vom Schatz in Acker

Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis 24. Juli 2011

Lesungen: 1 Kön 3,5.7-12 – Röm 8,28-30 – Mt 13,44-52

Alle liturgischen Texte (hier)

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Die Liturgie des Sonntags hat uns heute aus der Lebensweisheit der Hl. Schrift drei besonders schöne Texte zu Gehör gebracht:

– das Gebet des Salomo um ein hörendes Herz
– die tröstliche Zuversicht des Paulus, dass Gott alles zum Guten führen wird
– und die stille Freude eines Menschen, der einen verborgenen Schatz im Acker gefunden hat und deshalb alles andere dafür dreingibt.

In allen drei Texten geht es um das Glück des Menschen, um sein gelingendes Leben.

Salomo spürt die Last der politischen Verantwortung. Er fühlt sich für das hohe Amt des Königs noch zu jung und weiß nicht so recht, wie er sich verhalten soll. Im Vertrauen auf Gottes Hilfe bittet er um Weisheit und Einsicht und um ein hörendes Herz. Er will nicht eigenmächtig regieren und nur seine eigenen Ideen durchsetzen, sondern das Wohl seines Volkes mehren.

Diese Einstellung setzen wir bei unseren Politikern auch voraus. Bei der Übernahme eines Ministeramtes bekennen sie sich ja öffentlich zu diesem Ziel: das Wohl des Volkes zu mehren. Manchmal aber hat man den Eindruck, dass politische Macht und öffentliches Ansehen dazu benutzt werden, die eigenen Interessen durchzusetzen. Weil ich mit einer Bundesministerin befreundet bin und dadurch etwas Einblick habe in ihre Arbeit, kann ich erahnen, wie schwer ein solches Amt ist und wie schnell man zwischen allen Stühlen sitzt und mißverstanden wird.

So können wir nur hoffen und beten, dass sich die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft, aber auch in unserer Kirche am jungen Salomo ein Beispiel nehmen. Sie sollten mehr zuhören als reden, um zu erspüren, was den einfachen und kleinen Leuten im Land auf den Nägeln brennt. Gott steht immer auf der Seite der Armen – und nur wer sich der Kleinen und Schwachen annimmt, handelt im Sinne Gottes.

Salomon wird von Gott gesegnet und zum Dienst am Volk mit einem weisen und hörenden Herzen begabt. Voraussetzung für diese Begabung war allerdings, dass er Gott den ersten Platz in seinem Leben einräumte. Im Römerbrief des hl. Paulus finden wir die gleiche Auffassung: Vorrang hat die Liebe zu Gott, damit er alles zum Guten führen kann. Jemanden lieben heißt ihm den Vorrang vor allem anderen einzuräumen. Weniger Wichtiges muss also ausgeräumt und verabschiedet werden, um für Wichtiges Platz zu gewinnen.

So räumte der Mann im Evangelium seinen ganzen Besitz aus, um den Acker zu erwerben, in dem ein Schatz vergraben war. Er verkaufte alles, was er besaß und kaufte den Acker, schreibt der Evangelist.

Solche Radikalität hat es immer wieder gegeben. Jesus kannte sie. Er meinte: wer das Himmelreich einmal begriffen hat, handelt wie der Schatzsucher oder wie der Perlenkäufer, der um einer einzigen kostbaren Perle willen sich ebenfalls von seinem ganzen Reichtum trennte.

Wir wissen, dass wir die Rede Jesu als Gleichnis verstehen dürfen. Kaufen hat also hier nicht nur einen materiellen Aspekt, sondern meint im übertragenen Sinn das Sich-Aneignen. Es geht um das Festhalten und das Loslassen.  Das können auch Herzensneigungen sein, Wünsche, Liebhabereien, Sehnsüchte und Träume. Auch ein Vor-haben kann ein Haben und Festhalten sein.

Alle drei Texte laden uns wieder einmal ein, über wichtige Lebensfragen nachzudenken:

  • Was ist mir wirklich wichtig?
    Ansehen und Einfluss – oder ein hörendes Herz?
  • Was ist mir wichtig?
    Die Durchsetzung meiner Vorstellungen vom Leben – oder dass sich alles nach dem ewigen Plan Gottes entfaltet – sich zum Guten vollendet, weil es zuletzt doch in seiner weisen Vorsehung aufgehoben ist.
  • Was ist mir wirklich wichtig?
    Die Mehrung meiner Lebensaussichten in dieser Welt oder das Reich Gottes –  schon hier und dann in der Vollendung?

Nie wird unser suchendes Herz am irdischen Reichtum allein genesen. Gottes unbegrenzte Lebensfülle bleibt das einzig lohnenswerte Ziel all unserer Bemühungen.

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