U.A.w.g.

Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis, 09. Oktober  2011

Lesungen: Jes 25,6-10a / Phil 4,12-14-20 / Mt 22,1-10

Alle liturgischen Texte (hier)

Die Predigt hier anhören.

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Kennen Sie diese vier Buchstaben: U.A.w.g.? Ich habe schon öfter eine Einladung erhalten, auf der diese vier Buchstaben zu lesen waren. Langsam habe ich mich daran gewöhnt, dass heute alles abgekürzt wird: um Antwort wird gebeten, soll diese ominöse Abkürzung heißen. Der Absender solcher Einladungskarten möchte mir eine Freude machen und er möchte wissen, ob ich an seinem Fest teilnehmen möchte: Um Antwort wird gebeten.

Meistens erfülle ich diesen Wunsch gleich und schicke die Karte umgehend zurück. Das gebietet schon der Anstand und erleichtert die Vorbereitungen. Ich würde mich auch ärgern, wenn eine Antwort auf sich warten lässt und der Eingeladene in allerletzter Minute dann doch absagt. Deshalb verstehe ich den Zorn des Königs im heutigen Gleichnis. Das Hochzeitsmahl für seinen Sohn ist vorbereitet und manche geladene Gäste wollen nicht  kommen. Die ganze Zeit haben sie rumgedruckst – nach dem Motto: „Eigentlich sollte ich schon hingehen. Aber je näher der Termin rückt, umso mehr Gründe fallen mir ein, dann doch abzusagen“.

Natürlich kann niemand davon ausgehen, dass alle Eingeladenen auch wirklich kommen werden; aber ein klares Ja oder Nein rechtzeitig mitgeteilt, ist das Mindeste, was ein Gastgeber erwarten darf, egal, ob er nun ein König, ein einfacher Mensch oder sogar Gott selber ist. Denn auch Gott ist ein Gastgeber. Das wollte Jesus mit seinem Gleichnis darstellen. Er lädt zu einem Fest des Lebens ein, zu einem ganz großen und immer währenden Fest. Er will uns teilhaben lassen an seiner Lebensfülle. Ausführlich schildert schon der Prophet Jesaja dieses Vorhaben im Bild eines Festmahles – mit feinsten Speisen und mit erlesenen Weinen.

Die Menschen damals waren einfache Kleintierzüchter. Da gab es selten ein opulentes Mahl. Das Wasser wird ihnen beim Hören der Prophetenrede im Mund zusammengelaufen sein bei der Vorstellung solcher Speisenfülle. Ein besseres Bild für die Lebensfülle, die der Gastgeber Gott den Menschen anbietet, gibt es nicht als das Bild eines Festmahles.

Die Einladung also gilt. Und im Gleichnis Jesu verbirgt sich eine unüberhörbare Mahnung. Wir müssen Antwort geben. Gott erwartet schlicht und ergreifend unsere Antwort auf seine Einladung.  Er möchte wissen, ob wir auch tatsächlich wollen, er möchte unser „Ja“ auf sein Angebot!

Viele von uns werden sich jetzt sagen: „Schon längst erledigt! Ich habe Gott schon vor Jahrzehnten meine Antwort gegeben! Ich bin ja getauft und gefirmt worden, war bei der Erstkommunion, habe kirchlich geheiratet, gehe in meine Kirche – was soll ich mehr?“ Die meisten von uns zählen sich also seit eh und je zu den Eingeladenen, die ihre Antwort schon abgegeben haben.

Aber gerade wenn es so ist, sollte man ab und zu darüber nachdenken und vorsichtig mit seinen Antworten sein. Zusagen und Ja-Worte, die man einmal gegeben hat, sollte man ab und zu  gründlich überprüfen. Sonst kann es sein, dass aus einem einmal gegebenen  „Ja“ ganz langsam ein unverbindliches „Ja aber“ wird. Und das könnte der Anfang sein zu einem nichts sagenden „Jein“. Mit einem „Jein“ aber kann kein Gastgeber etwas anfangen.

Wenn jemand klar und entschieden sagt, dass er nicht will, ist es eine andere Sache. Wer aber „Ja“ sagt und „Nein“ meint, oder mal „Ja“ und dann wieder „Nein“ sagt, gehört zu jener Sorte von Gästen, von denen sich ein Gastgeber enttäuscht abwendet: es wäre wohl besser gewesen, solche Leute gar nicht erst einzuladen und sich nach anderen Gästen umzusehen. Die übliche Deutung dieser Passage ist uns bekannt: das auserwählte Volk Israel hat Gottes Einladung nicht ernst genommen. Deshalb erging die Einladung an alle anderen Völker über – an die Heiden, wie man damals gesagt hat.Die meisten von uns haben ihre Antwortkarte also schon zurückgesandt, haben ihr „Ja“ schon  gesprochen. Aber haben sie auch für eine „entsprechende Kleidung“ gesorgt – oder gehen sie einfach mal hin … kostet ja nichts!

Es ist anzuraten, das Ja-Wort gelegentlich  gründlich unter die Lupe zu nehmen. Es kann nicht schaden, dem Gastgeber ab und zu zu versichern, dass es bei diesem Ja-Wort bleibt und dass man sich entsprechend zu benehmen weiß.

Sagen wir es ihm ruhig – heute am Sonntag: denn: Um Antwort wird gebeten!

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