Kirchweih? Das geht auch mich an!

Predigt am 29. Sonntag im Jahreskreis – Kirchweihfest, 16. Oktober  2011

Lesungen: Jes 45,1.4-6 – 1 Thess 1,1-5b – Mt 22,15-21

Alle liturgischen Texte (hier)

Hier können Sie die Predigt auch anhören.

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Wer Jesus fragt, riskiert, dass ihm mehr gesagt wird, als er wissen wollte. Hat der römische Kaiser das Recht, auch in Israel, in Gottes eigenem Land, eine Kopfsteuer zu erheben? Jesus antwortet auf diese Frage mit einer Aufforderung, wie er es öfter macht: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Das sind nur scheinbar zwei Forderungen. Denn der eigentliche Sinn dieser Antwort liegt darin, in allen Dingen Gott den Vorrang zu geben. Nicht der Kaiser ist wichtig und nicht die Steuer, sondern Gott. Ihm soll der Mensch Ehre erweisen.

Damit sind wir mitten im Thema des heutigen Kirchweihtages. Mit diesem jährlichen Herbstfest verbinden wir ja hauptsächlich Traditionen aus der Volksfrömmigkeit: Anlass war immer der feierliche Abschluss eines Kirchenbaus mit ihrer festlichen Einweihung, die Kirchweihgans als Festessen und das frohe Zusammensein beim Kirchweihtanz. Nichts gegen diese Traditionen. Unsere Welt wäre viel ärmer, hätten wir nicht die vielen aus der Religion hervorgegangenen festlichen Feiertage.

Aber als Gottesdienstgemeinde, versammelt hier in einer Kirche, dürfen wir auch noch danach fragen, was der tiefere Sinn dieses Tages ist – und dieser wird uns in den Lesungen erschlossen. Die Einladung im Evangelium haben wir schon erwähnt. Wir sollen nicht vergessen, wer eigentlich der Herr im Haus der Welt ist – nicht der Kaiser und der Papst, wie wir es aus der Geschichte des MA gelernt haten – und auch nicht die Präsidenten, Staatenlenker und Wirtschaftsführer, nicht Bankvorstände und hochrangige Wissenschaftler, die unser Zusammenleben mitgestalten, sondern ein ganz anderer, der Herr des Himmels und der Erde.

Jesaia erinnert daran, wenn er über den mächtigen König Kyros in Mesopotamien berichtet: dieser ist nämlich in der Hand Gottes nur ein willkommenes Werkzeug. Er hat – ohne es zu wissen – den unbegreiflichen Willen Gottes zu vollbringen: die Freilassung der Gefangenen Israels und ihre Rückkehr in ihr Heimatland. Jesaja sieht in dieser überraschenden Wende die Hand Gottes im Spiel. „Ich bin der Herr, sonst niemand, außer mir gibt es keinen Gott“. Das ist eine der großen Selbstoffenbarungen Gottes durch den Mund der Propheten in der Geschichte Israels.

Eine ähnliche Großtat kann der Hl. Paulus berichten. Nur kurze Zeit verbrachte er – von Kleinasien kommend – in Thessalien in Nordgriechenland, zuerst in Philippi, wo er die Purpurhändlerin Lydia taufen konnte und dann in Thessaloniki. Die kleine Gemeinde, die er dort aufbauen konnte, ist ihm ans Herz gewachsen. Sein erster Brief – bereits 20 Jahre nach Christus geschrieben (es ist das erste Dokument des NT überhaupt) – verrät uns, wie sehr Paulus die junge Christengemeinde dort schätzte. „Wir wissen, von Gott geliebte Brüder, dass ihr erwählt seid“, schreibt er ihnen – ein mutiges und aufmunterndes Wort, das sicher auch uns angeht. Sind wir doch auch hineingewachsen in die Gemeinschaft mit Jesus Christus durch Taufe und Glaubensunterweisung und befähigt zur Liebe und Standhaftigkeit in der Hoffnung.

Am Kirchweihtag weiten wir unseren Blick. Wir schauen nicht nur auf die vielen kunstvollen Kirchenbauten unserer christlichen Kultur, sondern auch auf die Kirche aus lebendigen Steinen, die wir selber sind. In unserer Mitte will Jesus Christus wohnen und uns mit allem beschenken, was wir zum Leben brauchen.

Im einem Kirchenlied kommt das sehr schön zum Ausdruck: „Ich bin getauft und Gott geweiht durch Christi Kraft und Zeichen. Das Siegel der Dreieinigkeit wird niemals von mir weichen. Gott hat mir seinen Geist geschenkt. Ich bin in Christus eingesenkt, und in sein Reich erhoben, um ewig ihn zu loben“.

Deshalb feiern wir Eucharistie, Danksagung, und halten daran fest, dass Gott in allem den Vorrang hat.

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