Zuwendung – ein schillerndes Wort

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Nikodemus 1Es gibt sie: die Zuwendungsbestätigung. Wer spendet, erhält sie automatisch vom Begünstigten zugeschickt. Der Spender kann den Geldbetrag bei der nächsten Steuererklärung geltend machen. Dadurch haben beide etwas davon, der Spender und der Empfänger einer Zuwendung. So funktioniert Ökonomie auch. Wir Deutschen sind Weltmeister der Spendenbereitschaft. Viele sozial-caritative Einrichtungen wären ohne diese Praxis der Zuwendungen nicht in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen.

Aber im Wort Zuwendung ist noch weit mehr enthalten als nur dieser geregelte Umlauf von Geld. Diese fast archaische Fähigkeit der Zuwendung umgreift alle Lebensbereiche, ihre ökonomischen, biologischen, psycho-sozialen und auch ihre spirituellen Dimensionen. Zuwendung ermöglicht erst Begegnung. Und Begegnung ist Voraussetzung für Leben. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ (Martin Buber). Wo Zuwendung ausfällt, erlischt das Leben.

Bereits im Handel und Tausch materieller Güter spielen andere Aspekte eine Rolle. Wer einmal im Orient einen Basar besuchen konnte, hat erlebt, dass es da nicht nur um „Ware gegen Geld“ geht, sondern um ein altes Ritual der Zuwendung und Begegnung. Menschen wollen sich face to face begegnen, sie brauchen einander und entwickeln deshalb die unterschiedlichsten Formen der Zuwendung. Den größten Reichen an Formen finden wir bei den Liebenden.

Wo Leben Leben begegnet, entsteht neues Leben. Diese biologische Tatsache wird schon im Prozess der Lebensweitergabe erkannt. Samenzelle und Eizelle „begegnen“ einander, verschmelzen zu neuem Leben. Sie sind – poetisch gesprochen – füreinander begabt.

Dass wir im psycho-sozialen Miteinander nur dann glücklich werden können, wenn wir wirkliche Zuwendung erfahren, hat Wilhelm Wilms in seinem sehr bekannten Text ausgedrückt:

Wusstest du schon, dass die Nähe eines Menschen gesund machen – krank machen kann?
Wusstest du schon dass die Nähe eines Menschen gut machen – böse machen, traurig und froh machen kann?
Wusstest du schon, dass das Wegbleiben eines Menschen sterben lassen kann, dass das Kommen eines Menschen wieder leben lässt?
Wusstest du schon, dass die Stimme eines Menschen einen anderen Menschen wieder aufhorchen lässt, der für alles taub war?
Wusstest du schon, das das Wort oder Tun eines Menschen wieder sehend machen – einen der für alles blind war – der nichts mehr sah, der keinen Sinn mehr sah in dieser Welt und in seinem Leben?
Wusstest du schon, dass das Zeithaben für einen Menschen mehr ist als Geld – mehr als Medikamente unter Umständen mehr als eine geniale Operation?
Wusstest du schon, dass das Anhören eines Menschen Wunder wirkt. dass das Wohlwollen Zinsen trägt, dass ein Vorschuss an Vertrauen hundertfach auf uns zurückkommt?Wusstest du schon, dass Tun mehr ist als Reden?
Wusstest du das alles schon, wusstest du auch schon, dass der Weg meist vom Wissen über das Reden zum Tun unendlich weit ist

Schließlich hat Zuwendung auch eine spirituelle Dimension. Den Christen ist der Zuwendung Gottes zu den Menschen als Frohbotschaft verkündet worden. In der Kraft des Geistes, der die reine und ungeteilte Zuwendung Gottes ist, können sie ihr Leben bestehen. Die im Lukasevangelium nachzulesende Verkündigungsszene kleidet die Zuwendung Gottes in das Bild von der „Überschattung durch den Hl. Geist“ (vgl. Lk 1,35). Der Geist Gottes ist es schließlich, der lebendig macht (vgl. Joh 6,63).

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