So kann es nicht weitergehen ..

Fremde Welten, fremde Sprache
Wie aus einer fernen und fremden Welt kommen manche Texte der Bibel auf uns zu. Wer kann z.B. mit den seltsamen Empfehlungen des hl. Paulus etwas anfangen: besitzen, als besäße man nicht, sich freuen, als freue man sich nicht, weinen, als weine man nicht, sich die Welt zunutze machen als nutze man sie nicht? (vgl. 1 Kor 7,29-31). Und wem erscheint die Geschichte, die sich am See Genezareth zugetragen hat, nicht doch etwas weltfremd: da kommt ein noch wenig bekannter Wanderprediger daher und bringt es fertig, dass einige Fischer alles liegen und stehen lassen und mit ihm in eine ungewisse Zukunft gehen (vgl. Mk 1,14-20).

Viele Fragen
Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium, hat Jesus damals seinen Zuhörern in Galiläa gesagt. Wenn er heute auftreten würde, was würde er sagen? Neue Übersetzungsversuche notieren: “Jetzt ist die Zeit gekommen, in der Gottes neue Welt beginnt. Kehrt um zu Gott und glaubt an die rettende Botschaft“.  Das verstehen wir etwas besser. Für Reich Gottes steht übrigens in wörtlicher Übersetzung aus dem Griechischen „Königsherrschaft Gottes“ und in einer neuzeitlichen Übersetzung steht dafür: „Gottes neue Welt“. Aber was ist da genau gemeint – und was soll man von der angekündigten neuen Zeit halten?

Kommt wirklich etwas Neues auf uns zu?
Oder müssen wir das „Alte“ nur in eine neue Sprache übersetzen? Wer dem Volk auf Maul schaut, könnte dann vielleicht übersetzen: „Jetzt reichts! So wie bisher, kann es nicht weitergehen. Es muss anders werden, besser, als bisher. Die Zeit für einen Wechsel ist gekommen“. Solche Töne kennen wir – aus der politischen Alltagsdiskussion, aber auch aus dem Ringen um ein neues Gesicht der Kirche.  Jedenfalls hat das Evangelium (die rettende Frohbotschaft) einen Herrschaftswechsel zum Inhalt. Ab jetzt ist Gottes Regierungszeit da. Ab jetzt hat Gott das Sagen. Wer das anerkennt und sich ernsthaft danach richtet, wird auch tun, was Jesus noch dazugesagt hat. Er wird seinen Lebensstil ändern. Er wird in sich gehen und darüber nachdenken, was ihm jetzt wichtig und was ihm weniger wichtig ist – und dann wird er sagen: Gott ist für mich jetzt das Wichtigste.

Wenn Gott das Wichtigste im Leben wird …
Was diese Botschaft von der Vorherrschaft Gottes im Leben eines Menschen mit ihm anrichten kann, erzählt der Evangelist Markus. Da waren Fischer am See. Und die hörten diese Neuigkeit von Gott: Gott ist am Wichtigsten. Jetzt ist die Zeit dafür da, sich darauf einzustellen. Und sie machten einen Schritt von großer Tragweite, einen ganz konkreten. Sie ließen alles liegen und stehen und gingen hinter Jesus her. Von jetzt an blieben sie in seiner Nähe, um mit ihm gemeinsam das neue Leben der neuen Wichtigkeiten einzuüben:

Die Frage, der wir nicht ausweichen können
Was geht das mich an? Was soll ich denn tun? Ich bin kein Zeitgenosse Jesu, kein Fischer am See von Galiläa. Ich kann nicht damit rechnen, dass mir eines Tages der Herr so direkt begegnet, wie damals den Jüngern. Und überhaupt: alles liegen und stehen lassen – das geht ja doch gar nicht. Und dennoch müssen wir hier verweilen und nachdenken. Denn Gott hat viele Möglichkeiten, einen jeden von uns dort, wo er gerade steht, anzusprechen und ihn einzuladen, den neuen Herrschaftsverhältnissen zu trauen und sein eigenes Leben womöglich anders zu gestalten. Für den hl. Paulus war dieser Einstellungswandel selbstverständlich. Für ihn stand fest, dass „die Gestalt dieser Welt vergeht!“ Basta. Und deshalb konnte er zu allen menschlichen Erfahrungen und Erlebnissen, zu Freude oder Trauer, zu Armut oder Besitz, zu Ansehen oder Vergessenwerden auf Distanz gehen und den Stachel ins Fleisch setzen, den wir alle immer irgendwie verspüren: „Besitzen als besäße man nicht, usw.“ Diese Dialektik in den Alltag einzubauen, ist und bleibt eine lebenslange Aufgabe.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .