Weihnachten wird in der Krippe entschieden

Predigt am 3. Adventsonntag – 11. Dezember 2011

Lesungen: Jes 61,1-2a.10-11 / 1 Thess 5,16-24 / Joh 1,6-8.19-28

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Je näher wir dem Weihnachtsfest kommen, umso eindringlicher sprechen die biblischen Texte von der Freude und vom Frieden. Der dritte Adventsonntag hat deshalb auch einen eigenen Namen bekommen: „Gaudete“ – das ist der lateinische Aufruf: „Freut euch zu jeder Zeit!“ Im Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher finden wir ihn. Dort ist vom Gott der Freude und des Friedens die Rede.

Freude ist eine belebende Kraft im grauen Alltag. Und Friede erfahren wir als Übereinstimmung mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen. Da ist keine belastende Angst mehr da, man könnte etwas versäumen oder im Vergleich zu anderen Menschen zu kurz kommen.

Optimistische und frohmachende Botschaften finden sich auch in den Verheißungen des Propheten Jesaja und im Evangelium des Johannes. Friede und Freude sind allerdings nicht durch menschliche Anstrengungen allein herzustellen. Sie haben einen Geschenkcharakter. Es ist der Geist Gottes, des Herrn, der sich Boten erwählt, damit sie den Armen eine frohe Nachricht bringen, damit sie Verzweifelte trösten, zerbrochene Herzen heilen, die Fesseln der Gefangenen lösen und die Kerkertüren öffnen.

Mit diesen starken Bildern antwortet der Prophet auf den desolaten Zustand der Menschen damals – und auch heute. Wir erleben doch fast täglich, wie rat- und hilflos die Mächtigen dieser Welt den  Klima- und Finanzkrisen gegenüberstehen! Den sonst so sprachgewandeten Politikern bleiben die Worte im Hals stecken. Alle gut gemeinten Verbesserungsvorschläge werden, kaum bekannt, gleich wieder in Zweifel gezogen.

Und mit wie vielen Fesseln sind wir selbst gebunden! Fesseln der Gewohnheit, der Angst, der Tradition und der Erwartungen an das Leben. Wie wenig sind wir wirklich frei, hängen an unseren Machwerken, als ob wir uns selbst retten und erlösen könnten.

Jesaja hatte wohl eine Ahnung von den Möglichkeiten Gottes, Möglichkeiten, von denen wir nur träumen können. Da werden die Völker nur staunen, wenn sich Gottes Macht und Größe einmal unvermittelt zeigt, wenn die immer wieder bezweifelte Liebe Gottes zu uns Menschen offenbar wird. Gottes ganzes Trachten ist doch das Heil und das Wohl des Menschen. Wann werden wir das endlich begreifen?

Der hl. Paulus jedenfalls war davon überzeugt, sonst hätte er nicht so sicher behauptet: „Gott ist treu. Was er verspricht, das hält er auch“ (vgl. 1 Thess 5,24). Freude, liebe Mitchristen, gründet in der festen Zuversicht, dass ein Versprechen keine Seifenblase ist, sondern Wirklichkeit wird.

Als wir noch Kinder waren, zweifelten wir keinen Augenblick daran, dass das Christkind zu Weihnachten mit einer Bescherung aufwarten würde. Das zeigte sich schon in einer Vorfreude, die uns heute weitgehend verloren gegangen ist. Wir haben das Warten verlernt und sind durch die aggressive Werbung so verwöhnt, dass wir  hemmungslos auf alles zugreifen, was schon Wochen vor dem Fest in den Einkaufszentren liegt. Wer Geld hat, kann sich jederzeit fast alles kaufen.

Vielleicht ist ja die momentane wirtschaftliche Lage eine bittere Schule, den Mammon Geld zu entmachten und das Warten wieder zu lernen. Die verloren gegangene Freude am Leben und den häuslichen und beruflichen Frieden kann man sich sowieso nicht mit Geld erwerben. Der Werbespruch: „Weihnachten wird unter dem Christbaum entschieden“ führt in die Irre. Weihnachten, so bekennen wir Christen, wird an der Krippe entschieden.

Man darf nicht vergessen, dass sich die Welt zur Zeit Jesu in einem Umbruch befand – so ähnlich wie heute. Nicht nur bei den Juden, sondern auch bei den Völkern war die Sehnsucht nach Frieden und Wohlfahrt groß. Die Menschen erwarteten einen Messias, einen neuen guten Herrscher und König. Als dann Gaius Oktavius römischer Kaiser wurde und fortan den Namen Augustus trug,  atmeten alle auf. Es hatte den Anschein, dass die Kriegszeiten nun eingültig vorbei wären. Der Dichter Vergil drückte diese Hoffnung aus, als er den Beginn einer besseren Zeit mit der Geburt eines Kindes verglich, ohne zu ahnen, wer mit diesem Kind wirklich gemeint war.

Dass dann nicht die Welthauptstadt Rom, sondern das Hirtendorf Bethlehem Ausgangspunkt einer neuen Zeit wurde, konnte man erst später erkennen. Was damals geschah, war nichts anderes als die Erfüllung der alten Verheißungen, für die die großen Propheten, besonders Jesaja und zuletzt Johannes der Täufer stehen.

Auch deshalb schickten die führenden Männer der Juden Kundschafter zu Johannes, der abseits des hektischen Treibens in Jerusalem in der Einsamkeit der Wüste predigte. Sie wollten wissen, wer dieser Ansager einer neuen Zeit sei, ob er nicht der Messias sei. Johannes war es nicht. Sein Programm zielte auf einen Kommenden. Und es war einfach. Es lautete: räumt die Hindernisse aus dem Weg, ebnet die Straßen, denn der Herr-Gott selbst will kommen.

Gott ist im Kommen. Und wir können auch heute nichts anderes tun, als die Hindernisse aus dem Weg zu räumen – mehr nicht und nicht weniger.

Zwei Wochen Adventszeit liegen noch vor uns. Es ist nie zu spät, auszuräumen und alles beiseite zu stellen, was den Platz für Gott verstellt, damit Freude und Friede einkehren in unsere Herzen und Häuser. Weihnachten wird nicht unter dem Christbaum entschieden, sondern an der Krippe.

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