Zeitweiliger Abschied von facebook

Warum ich facebook den Rücken gekehrt habe.

Ich habe facebook zwei Jahre lang getestet, ca. 70 Personen zum „Freundeskreis“ eingeladen.

Meine Eintragungen beschränkten sich – meist wöchentlich – auf  den Hinweis auf diesen Blog: Seelsorge-Beratung-Bildung und die darin veröffentlichten Texte (Aufsätze, Predigten). Diesen Blog werde ich weiterhin betreuen. Und wer nach mir „googelt“, findet ohnehin noch genug Spuren im www. Wir Internetnutzer sind schon mehr als wir ahnen Gefangene im Netz.

Aus dem Kreis der facebook-Freunde erhielt ich unterschiedliche „Was-machts-Du-gerade-Informationen“, auch Nachrichten (Wozu haben wir eigentlich eine E-Mail-Adresse?), persönliche Mitteilungen, Hinweise auf interessante Websites und Veranstaltungen, Einladungen usw. Auch manche überflüssige Nachricht drängte sich auf. Schön fand ich die Erinnerung an Geburtstage (falls ein User sein Geburtsdatum in sein Profil eingetragen hatte). Das werde ich vermissen.

Meine „Beziehungskultur“ hat sich jedoch durch facebook nicht wesentlich verbessert. Immer wichtiger wird mir die Begegnung „face to face“ anstelle einer „technisch-künstlichen Nähe“. Da spielt wohl auch meine fünfjährige Erfahrung in der Telefonseelsorge eine Rolle. Da gab es immer eine gefühlte „Nähe“ (vermittelt über einen Kupferdraht!), aber „auf Distanz“ (Anonymität).

Ein anderer Grund für das Verlassen des „Netzknotens Facebook“ ist auch die immer weiter wachsende „Vernetzung“. Auch die Sozialen Netzwerke (Facebook, twitter, neuerdings auch google+ und andere) sind keine sichere Plattform des Austausches mehr.  Jeder Eintrag wird – mit der IP-Adresse Deines PC  – gespeichert. Google geht noch weiter. Das neue „Google+“ – Angebot (scharfer Konkurrent zu Facebook) speichert auch alle Angaben zur Person. Jede (!) Suchanfrage über Google wird ohnehin schon gespeichert. Eine riesige Datenmenge über uns ist bereits im Netz. Die Betreiber der Netzwerke können durch Datenabgleich jeden durchleuchten und Profile für Werbezwecke erstellen. Damit verdienen sie ungeheure Summen Geld.

Das www ist nicht mehr kontrollierbar. Wir sind alle bereits versklavt und gefangen wie in einem Spinnennetz – nicht mehr frei. Ein Beispiel: eine gute Bekannte von mir, Ärztin für Jugend- und Kinderpsychiatrie, ist vor drei Jahren bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommen. Ihre Praxisdaten (Adresse, Telefon, Sprechzeiten, etc.) sind immer noch im Netz, als ob sie noch leben würde. Schöne neue Cyberwelt! Ich kenne ein besseres „Netzwerk“, in dem ich mich freier fühle: das „Netzwerk des Glauben“.

Natürlich weiß ich auch, daß mein Austritt aus der facebook-community das bedrohliche Wachstum der Netze nicht bremsen wird. Aber kleiner ein Versuch ist es doch, mich aus der Sklaverei der Netzwerke zu befreien. Immerhin habe ich ab 01.01.2012 einen „Zeitfresser“ weniger und gewinne ein Quäntchen Freiheit dazu.

Nachtrag am 01.08.2012
Nach der erstaunlichen Feststellung, dass alle meine eingetragenen „Freunde“ – trotz endgültigem Löschungsversuch (!)  noch in facebook vorhanden waren, habe ich mich wieder angemeldet – mit größerer Distanz als zuvor.

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