Gott suchen und finden …

Predigt am Fest der Erscheinung des Herrn – 06. Januar 2012
Lesungen:  Jes 60,1-6 / Eph 3,2-3a.5-6 / Mt 2,1-12

Alle liturgischen Texte (hier)

Zum Anhören der Predigt auf diese Zeile klicken.

Ein geistlicher Impuls aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)

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Das heutige Fest ist ein schönes und reichhaltiges Fest: gleich drei Namen kennen wir: Dreikönigsfest / Fest der Erscheinung des Herrn / und – im orthodoxen Weihnachtsfestkreis: Taufe Jesu.

Die von Haus zu Haus ziehenden Sternsinger und das Segnen der Wohnungen mit Weihwasser und Weihrauch geben diesem Tag einen besonderen Akzent.

Dass die drei Magier – vermutlich Perser – auf der Suche nach einem neugeborenen König eigentlich Gottsucher waren, könnte uns an drei Haltungen oder Einstellungen erinnern, die wir nötig haben, wenn wir Gott in unserem Lebern suchen und finden wollen.

Das Erste beim Suchen und Finden ist die Achtsamkeit
Die Weisen aus dem Osten (nach Mt 2,1 „Sterndeuter“) waren achtsame Leute. Sie konnten besser als wir die Veränderungen in der Natur wahrnehmen und als Zeichen der Zeit deuten. Sterne dienten  der Orientierung in Raum und Zeit. Sterne sieht man allerdings nur, wenn es draußen dunkel ist. – Ob das nicht ein schönes Symbol ist? Manchmal muss es um uns dunkel werden, damit wir wieder nach den Sternen Ausschau halten. Wer im grellen Licht lebt, kann keine Sterne sehen.

Auch der Prophet Jesaia hat in den dunklen Stunden seines Volkes – in der babylonischen Gefangen­schaft – von den Strahlen eines hellen Lichtes gesprochen. Lichter sieht man eben nur im Dunkeln. Wenn es also dunkel ist in unserem Leben, ist Hoffnung und Zuversicht erst recht angesagt. Nur achtsam muss man sein – und geduldig Ausschau halten.

Zweitens baucht man Mut, um aufzubrechen und in Richtung des Lichtes zu gehen
Man muss einer Leuchtspur nachgehen – dem Lichtzeichen buchstäblich auf der Spur bleiben wie die Weisen aus dem Osten. Sie haben sogar die Grenzen des eigenen Lebensraumes überschritten. Sie suchten den, der jenseits aller menschlichen Grenzen Herr und Herrscher ist: den verheißenen Messias-König aller Welt. Herodes, so schreibt Lukas, erschrak über die Nachricht, dass da ein neuer Herrscher zur Welt gekommen sei, weil er das Gefüge seiner Herrschaft bedroht sah.

Der Herodes in uns wird auch erschrecken, wenn wir uns dem neugeborenen König und Herrn aller Menschen nähern. Es wird Überraschungen geben in unserem Leben und wir werden möglicherweise Wege geführt, die wir uns im eigenen Kopf nie ausgedacht hätten. Wenn Gott Herr unseres Lebens wird, ändern sich die Machtverhältnisse in uns und um uns.

Aber es ist immer noch besser, aufzubrechen und loszugehen, als nur die beschwerlichen Zustände zu beklagen. Veränderungen geschehen nicht von selbst. Mach es wie die drei Weisen: mach dich auf die Suche, tue etwas, um deinen Zustand zu verändern. Brich auf und geh: das ist die bewundernswerte Haltung der Heiligen Drei Könige, wie sie auch genannt werden.

Unverzichtbar ist schließlich die Bereitschaft zur Anbetung
Christliches Leben wird nicht gelingen, wenn einer nicht bereit ist, niederzufallen und anzubeten. Zum Wesen des christlichen Lebens gehört die Anerkennung Gottes als des Herrn und Schöpfers der Welt und des Menschen. Der Mensch verdankt sein Leben nicht sich selbst. Es ist ihm als Geschenk anvertraut. Dem Geber aller Gaben gebührt also Ehrfurcht. – Die drei Weisen jedenfalls huldigten dem göttlichen Kind, fielen nieder und beteten an.

  • Achthaben, also die Zeichen der Zeit und die Lebensspuren beachten und deuten,
  • Aufbrechen, also Handeln mit Mut und Zuversicht und nicht jammern – und
  • Anbeten – als Gegenkraft zum eigensinnigen Stolz.

Diese drei Haltungen und Einstellungen lehren uns die Gottsucher aus dem Osten.

Sie sind Vorbilder für einen christlichen Lebensstil. Ihre Entdeckung, dass das Kind in Bethlehem der verheißene Messias, der Herr aller Mächte und Ge­walten ist, hatte ihren Wissensdurst gestillt, ihr Suchen befriedigt. Auf einem anderen Weg – so erzählt der Evangelist – kehrten sie zurück in ihre Heimat (Mt 2,12). Sie ließen die angebotene weltliche Ehre des Herodes links liegen.

Frei und ohne Rücksicht auf die in der Welt Mächtigen kann der Christ seinen Lebensort suchen und dorthin gehen, wo er sich selbst finden wird, weil er Gott gefunden hat.

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