Kleines Senfkorn Hoffnung

Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis – 05. Februar 2012
Lesungen:  Ijob 7,1-4.6-7 / 1 Kor 9,16-23 / Mk 1, 29-39

Alle liturgischen Texte (hier)

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Ein geistlicher Impuls aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)

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Heute haben wir einen Abschnitt aus der Geschichte des Ijob gehört. Die Bibel berichtet ausführlich über sein Schicksal. Er zählt zu den angesehenen und reichen Großgrundbesitzern. Es fehlt ihm nichts. Alle, die ihn kennen, haben Respekt vor seinem Erfolg und seiner Lebensleistung. Er ist übrigens kein Angehöriger des Volkes Israel. Dass seine Geschichte dann doch in die biblischen Bücher aufgenommen wurde, ist bemerkenswert.

Ijob steckt in einer Lebenskrise und fragt sich: was soll das Ganze? Gibt es überhaupt so etwas wie Glück? Oder ist nicht das fröhliche Treiben der Menschen, wie wir es im Fasching wieder erleben, nur eine vorübergehende Entlastung des schwer belastenden Gemüts? Ist Glück vielleicht nur eine Täuschung? „Nie mehr schaut mein Auge Glück“, meint Ijob im Blick auf seine momentane Lage. Und diese ist wirklich furchtbar. Sein ganzer Besitz war durch einfallende Krieger vernichtet, seine Angehörigen umgebracht worden, er selber schwer erkrankt. Alles kam über ihn, was man sich an Unheil nur ausdenken kann –  eines nach dem anderen. Hiobsbotschaften nennen wir heute noch solche  Schicksalsnachrichten.

Mit einem Blick auf den Zustand unserer Welt heute könnten wir ähnlich ins Grübeln kommen. Was ist das für ein Leben, was für eine Welt? Ein recht bunter Erdball, eine oft rätselhafte Mischung von Freud und Leid.

Was uns dabei am meisten bedrückt ist die Erfahrung, dass wir gegen das Dunkle und Schwermütige kaum etwas ausrichten können. Es bleibt uns oft nur die Hoffnung auf Veränderung, die Sehnsucht nach Heilung und Heil, nach einer besseren Welt.

Solange diese Welt steht, solange es Menschen gibt auf diesem Erdball, ist diese Hoffnung unterwegs. Es ist also selbstverständlich, dass wir nach Hilfe und Rettung Ausschau halten. Paulus hat in seinem Brief an die Römer diese Hoffnung folgendermaßen beschrieben: „Hoffnung bedeutet: noch nicht haben. Denn was einer schon hat und sieht, darauf braucht er nicht mehr zu hoffen. Hoffen wir aber auf etwas, das wir noch nicht sehen können, dann warten wir zuversichtlich darauf“ (Röm 8,24-25 – Übersetzung: HOFFNUNG FÜR ALLE).

Hoffnung muss man also einüben – d.h. gegen allen Anschein an einen Ausweg aus  Krisen glauben. Daran festhalten, dass alles zu einem guten Ende kommt.

So hoffen auch die Freunde des Petrus für seine kranke Schwiegermutter. Sie sprechen Jesus an und erwarten Hilfe von ihm. Und er gewährt sie – wie nebenbei. Markus erzählt von Jesus: „Er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr, – und sie sorgte für sie“. Das war es auch schon. Und gleich fügt der Evangelist weitere Hoffnungsbilder an.  Die ganze Stadt drängte in die Nähe des Hoffnungsträgers Jesus, weil eben alle Menschen heilsbedürftig waren – und auch heute noch sind.

Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann, ist, dass er seine Hoffnung verliert und dem Heil nicht mehr nachläuft. Dass er im Erleben des Unheils erstarrt.

Man muss das kleine Senfkorn Hoffnung, wie es in einem neuzeitlichen Leid heißt, hegen und pflegen. Man darf nicht aufhören, an einen guten Ausgang zu glauben.

Für uns kann das auch bedeuten, dass wir in unseren Hoffnungen Jesus nachlaufen, ihn suchen, wie es von den Menschen damals berichtet wurde: „Alle suchen dich“, sagten die Jünger zu Jesus, als sie ihn nach seiner Atempause auf dem Berg wieder sahen.

Der Evangelist verbindet mit diesem Hinweis wohl eine Einladung an uns, auf der Suche nach Jesus auch einmal in die Einsamkeit zu gehen. Die Zeit stehen zu lassen, um recht-zeitig dem Heil zu begegnen, das uns in Jesus Christus von Gott her geschenkt wurde.Es läuft uns keine Zeit davon. Sie ist sowieso geschenkte Zeit. Suchend nach Jesus Christus, dem Herrn und Heiland Ausschau halten, ist keine verlorene Zeit.

Wir haben auch nichts versäumt, da wir in dieser Stunde ausgestiegen sind aus dem Alltag und uns zum Beten versammelt haben. Nach dem Gottesdienst werden wir uns dem Sonntag und seinen Möglichkeiten umso mehr öffnen, weil wir mit dem Psalmbeter sagen können: „Herr, mein Gott, du bist ja meine Zuversicht, meine Hoffnung von Jugend auf“ (Psalm 71,5).  Und: „Alle meine Hoffnung setze ich auf Gott. Ich werde nicht enttäuscht sein“ (Psalm 146,6)

 

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