Meide den Kummer und meide den Schmerz (!/?)

Predigt am 7.  Sonntag im Jahreskreis – 19. Februar 2012
Lesungen:  Jes 43,18-19.21-22.24b-25 / 2.Kor 1,18-22 /Mk 2,1-12

Alle liturgischen Texte (hier)

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Ein geistlicher Impuls aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)

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„Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten!“ – Diese Einladung des Propheten Jesaja könnte auch in einem Schlagertext stehen. Singen wir uns nicht in diesen närrischen Tagen die unerfreulichen Geschichten von der Seele? Sehnen wir uns nicht danach, vergessen zu können, was an Unschönem hinter uns liegt! Heute gilt es doch, unbekümmert und fröhlich zu sein. Wer weiß, wie lange das Leben noch währt! Genieße den Augenblick! Er kommt nie wieder. „Meide den Kummer und meide den Schmerz, dann ist das Leben ein Scherz“, so schunkeln wir uns durch die närrischen Tage und erhoffen Erleichterung von den Sorgen des grauen Alltags.

Nur gibt es da einen feinen Unterschied, den wir nicht übersehen sollten. Unsere selbst erfundenen Auswege sind anders als die, welche die Hl. Schrift anbietet.

Wir ermutigen einander, zu vergessen und zu verdrängen. Was ich nicht (mehr) weiß, macht mich nicht heiß! Warum alles so ernst nehmen! Auf dem Höhepunkt der närrischen Zeit – am heutigen Faschingssonntag – ist das Wichtigste, abzuschalten und sich ganz einfach des Lebens zu freuen.

Nichts ist dagegen einzuwenden. Nur kennen wir auch den Katzenjammer, der nach dem Kehraus eintritt. Am Aschermittwoch reiben wir uns die Augen und müssen eingestehen: diese Freude und dieses Glück war nicht von Dauer. Es war nur eine vorübergehende Erleichterung. Jetzt beginnt wieder der sog. Ernst des Lebens.

Der Prophet Jesaja zeigt da einen anderen Weg: „Seht her“, sagt er im Auftrag Gottes zu uns: „ich mache nun etwas Neues. Schon kommt es zu Vorschein, merkt ihr es nicht?“

Und dann erläutert er das unerwartete Angebot Gottes. Gott spricht uns frei, löscht unsere Fehler aus. Er will uns das Dunkle in unserem Leben nicht mehr vorhalten, sondern unsere Sünde und Schuld vergeben.

Wo ist da der Zusammenhang, werden Sie jetzt fragen. Was hat Sündenvergebung mit Faschingsfreuden zu tun? – Mehr als wir ahnen.

Wir Menschen wissen um unsere Unzulänglichkeit, wir erfahren uns als Mängelwesen, behaftet mit Schwächen und Fehlern, verhaftet an unser Unvermögen, uns selber helfen zu können. Wir leiden an unserer Unvollkommenheit. Unsere Fehler würden wir am liebsten ungeschehen machen. Aber das gelingt uns nicht. Deshalb verdrängen und vergessen wir sie, überspielen sie mit äußerer Fröhlichkeit. Das aber ist keine Heilung in der Wurzel, sondern nur eine vorübergehende Symptombehandlung. Man darf dies nicht einfach schlecht reden. Christen sind keine Faschingsmuffel. Sie nehmen die Fähigkeit, sich zu entlasten und dem Leben auch einen frohen Sinn abzuringen, gern wahr.

Aber sie wissen auch um die Brüchigkeit solcher Inszenierungen. Sie ersehen und erhoffen eine Heilung in der Wurzel. Und die können wir Menschen uns nicht selber verschaffen, die können wir nur als Geschenk von Gott her annehmen.

Wenn Gott uns durch Paulus sagen lässt: „Jesus Christus ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen, in ihm ist das Ja verwirklicht“, dann heißt das: wir sind trotz allem von Gott bejaht und angenommen. Es wird uns nichts vorgehalten und angerechnet. „In Christus haben wir die Vergebung der Sünden“ heißt: das Vergangene müssen wir nicht verdrängen und vergessen, weil es ist in der Barmherzigkeit Gottes ein für alle Mal aufgehoben ist. Der Schuldschein ist zerrissen und wir sind frei! Gott, so heißt es an einer anderen Stelle: „wirft unsere Sünden hinter seinen Rücken“. Wir sehen sie gar nicht mehr, weil wir in das Antlitz unseres barmherzigen Gottes blicken.

Dies ist für Christen der wahre Grund zur Freude, die Freude der Erlösten, die wir mit unserem Faschingstreiben immer nur vorläufig, nie endgültig zustande bringen.

Es gibt eben doch einen  Zusammenhang zwischen Innen und Außen. Man kann auf Dauer äußerlich nicht fröhlich sein, wenn man innerlich gelähmt und krank ist. Der Gelähmte, den die vier Männer zu Jesus bringen, wird von ihm zunächst innerlich geheilt. Zum besseren Verständnis: in der Bibel ist der Sündenbegriff weiter gefasst als wir ihn kennen. Da zählt auch äußeres Gebrechen und das „sich nicht mehr gut fühlen in der eigenen Haut“ dazu. Heute trennen wir Innen und Außer schärfer.

Wir wissen, dass Menschen innerlich geheilt und von Sünde und Schuld freigesprochen sein können und dennoch äußerlich an Gebrechen leiden. Wie umgekehrt jemand äußerlich fröhlich und gesund sein kann, obwohl er innerlich verletzt und krank ist.

Jesus zeigt mit der Heilung des Gelähmten, dass er die Macht hat, den ganzen Menschen aus seiner leib-seelischen Not zu befreien. Das Ende einer Körperlähmung kann man sehen, das Ende einer Seelenlähmung zunächst nicht.

Der Sohn Gottes kam aber in die Welt, um uns innerlich und äußerlich zu retten. „Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf Erden Sünden zu vergeben“. Und deshalb soll dieser Gelähmte vor eueren Augen wieder gehen können.

Wenn die närrischen Tage wieder vorbei sind, müssen wir nicht mit finsteren Gesichtern in die Fastenzeit gehen. Ganz im Gegenteil. Wir können als Erlöste und von Gott Geliebte auf das Geschenk seiner Gnade antworten, indem wir unser Leben neu ordnen und wieder mehr auf das Wesentliche achten.

Die Freuden dieser Welt werden wir dankbar so annehmen, dass sie uns nicht von den wahren Freuden abhalten. Unser Grundgesetz ist eine Frohe Botschaft. Es hat Geltung in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit und erst recht in Zeiten der Erneuerung in der österlichen Bußzeit.

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