Fasten mit Leib und Seele

Überlegungen zu einem alten Menschheitsthema

  1. Ein Hymnus zur Fastenzeit
  2. Biblische Wurzeln des Fastens
  3. Fasten in jüngster Zeit
  4. Angebote von Fastenwochen – Versuch einer Bewertung

1) Ein Hymnus aus dem Stundenbuch zur Einführung

Hört die Mahnung der Schrift:
Jetzt ist die Zeit der Gnade da.
Paulus sagt uns das Wort:
Jetzt ist die Stunde unsres Heils;
empfangt nicht vergeblich die göttliche Gabe

Maßvoll lebe der Leib,
wachsam und lauter sei der Geist,
dass der Weg dieser Zeit
Durchgang zur Auferstehung sei.
Die Erde zu heilen, schuf Gott diese Tage.

Zeichen schauen wir nun,
Irdisches wird zum Bilde hier;
denn das kreisende Jahr
lässt nach des Winters Frost und Nacht
den Frühling die Erde für Ostern bereiten.

Lasst uns loben den Herrn,
lieben die Werke, die er schuf,
froh erwarten den Tag,
der die Verheißung uns erfüllt!
Dem Vater, dem Sohne, dem Geist sei die Ehre!
Amen.

 

2) Zu den biblischen Wurzeln des Fastens

Fasten ist nach biblischem Befund unverzichtbarer Bestandteil religiöser Lebensäußerungen. Zum Fasten wird immer dann aufgerufen, wenn kritische Lebenssituationen den Menschen in Not, Krankheit und Krieg bringen, wenn er mit den bisherigen Überlebensstrategien nicht mehr weiterkommt.

Fasten steht in der Regel nicht isoliert da, sondern immer im Kontext von Beten und Almosengeben. Die Übung zählt zu dem allgemeinen Bemühen um Änderung der Gesinnung, der Einstellung oder des ganzen Lebenswandels. Sie ist in allen Kulturen und Religionen anzutreffen.

Der Mensch erhofft sich durch Fasten Rettung aus allen möglichen Nöten, einen neuen Zugang zu Gott und die Abwendung drohender Gefahren oder Strafen. Fasten wird auch als „Mittel“ gegenüber Gott eingesetzt, um ihn gnädig zu stimmen.

Allgemein gilt Fasten als Weg für eine ganzheitliche Erneuerung. Der Kern des Fastens ist Abbruch an Nahrung, also der Verzicht auf Essen und Trinken – für eine bestimmte Zeit.

Dass Fasten auch ganz offiziell wieder beendet wird, gehört ebenso zum biblischen Befund. Ein ungewöhnliches Beispiel dafür ist David, der nach dem Tod seines Kindes mit dem Fasten aufhört.
Seine Hofleute sagten zu ihm: „Was ist das für ein Gebaren, das du bekundest? Als das Kind noch am Leben war, hast du gefastet und geweint. Nun, da das Kind gestorben ist, erhebst du dich und nimmst Speise zu dir!“ – Er antwortete: „Als das Kind noch lebte, habe ich gefastet und geweint, weil ich dachte: Wer weiß, ob Jahwe sich nicht meiner erbarmt, so dass das Kind am Leben bleibt“. Da es nun aber gestorben ist, was soll ich da noch fasten? Kann ich es etwa wieder zurückholen? Ich werde zu ihm gehen, aber es kehrt nicht zu mir zurück?“ (2 Sam, 12,21-23)

Weitere Beispiele aus dem Alten Testament:

  1.  Im Buch Joel findet sich ein Appell zur Umkehr, die sich u.a. durch Fasten ausdrückt:
    „Spruch des Herrn: Kehrt um zu mir mit ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen!“ (Joel 2,12)
  2. Im Buch Judit stehen die Bewohner Betuels vor einem als aussichtslos geltenden Kampf gegen die Belagerung durch den Feldherrn Holofernes. Sie greifen zum letzten Mittel und unterstützen den mutigen Gang einer Frau ins feindliche Lager:
    „Das Volk fastete mehrere Tage in ganz Judäa und Jerusalem vor dem Heiligtum des allmächtigen Herrn.“ Judit überwindet bekanntlich durch eine List den Feind und rettet Betula vor dem Untergang. (Judit 4,13b ff)
  3. Ester, eine jüdische junge Frau am Hof des persischen Großkönigs im Exil, ruft ihre Landsleute zum Fasten auf. Die in Persien lebenden Juden sind durch einen Verrat in Bedrängnis. Ester soll es richten. Obwohl sie die Geliebte des Königs ist, darf sie ihm – so ist es Sitte – nicht ohne seine Erlaubnis unter die Augen treten. Sie will aber für ihr bedrohtes Volk diesen gefährlichen Gang unternehmen und versichert sich der Hilfe durch einen Aufruf zum Fasten:
    “Wohlan, versammle alle Juden, die in Susa leben. Haltet ein Fasten meinetwegen! Esst und trinkt drei Tage und Nächte lang nichts.  Auch ich und meine Dienerinnen wollen ebenso fasten. Dann will ich zum König gehen, obwohl es gegen das Gesetz verstößt! Wenn ich umkomme, komme ich eben um“. (Ester, 4,16)
  4. Der alte Tobit gibt seinem Sohn Ratschläge für sein Leben und sagt ihm u.a.:
    “Tu Gutes und das Böse wird dich nicht treffen. Besser ist Gebet mit Fasten und Almosen mit Gerechtigkeit – als Reichtum mit Unrecht“. (Tobit 12,7b-8)
  5. Auch der heidnische König von Ninive ruft nach der Predigt des Jona zu einem allgemeinen Fasten auf, an dem sich kurioserweise sogar die Tiere beteiligen sollen:
    “Die Männer von Ninive glaubten Gott und riefen ein Fasten aus und zogen Bußgewänder an, groß und klein. Und die Kunde davon drang bis zum König von Ninive, und er erhob sich von seinem Thron, legte seinen Mantel ab, hüllte sich in den Sack und setzte sich in die Asche. Und er ließ in Ninive ausrufen und gebot: Auf Befehl des Königs und seiner Großen. Menschen und Tiere, Rinder und Schafe sollen nicht das Geringste genießen, nicht auf die Weide gehen und kein Wasser trinken“. (Jona 3,5-7)
  6. Eine ausführliche Kurskorrektur im Verständnis des Fastens findet sich bei Jesaja:
    „Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem Herrn gefällt? Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.
    Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach. Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Der Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer Quelle, deren Wasser niemals versiegt“. (Jesaja 58,1-14)

Bei all diesen Texten wird deutlich: Fasten im biblischen Sinn ist niemals primär eine Abmagerungskur, sondern immer ein Vorgang, der Leib und Seele betrifft, dessen Grundmotiv in der seelischen und geistigen Erneuerung liegt. Fasten geschieht mit Kopf und Herz und nicht allein mit dem Bauch!

 

Das NT kennt das Fasten auch, aber es wird seltener davon gesprochen. Fasten wird als religiöser Akt sogar relativiert. 

  1. Bekannt ist die Geschichte der Versuchung Jesu in der Wüste. Vierzig Tage – eine heilige Zeit – so berichten die Evangelisten, zog sich Jesus in die Einsamkeit zurück, bevor er öffentlich auftrat. Und während er fastete, führte ihn der Teufel in Versuchung. Eine Versuchung betraf das Essen. Jesus steht hier stellvertretend für den Menschen, dem „Kostgänger Gottes“, der sich von dieser Abhängigkeit gerne frei machen würde, indem er sich die Macht über die Lebens-Mittel, damit über das Leben selbst, aneignet:
    „Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird“. (Mt 4,3)
  2. Im Matthäus-Evangelium wird Jesus mit folgenden Worten zitiert:
    „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
    Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten“. (Mt 6,16-18)
  3. Interessanterweise kommt das Wort Fasten in der Apostelgeschichte nur zweimal und auch in den Briefen nur zweimal vor und zwar immer nur in der Form eines Berichtes, dass gefastet wurde, niemals als Aufruf oder Appell zum Fasten.
    (vgl. Apg 14,23 und Apg 27,9 / 2 Kor. 6,5 und 2 Kor 11,27)

Könnte das ein Hinweis darauf sein, dass man das Fasten im Vergleich zu anderen religiösen Akten nicht allzu wichtig nehmen soll?

 

3) Fasten in jüngster Zeit

Spätestens seit den sechziger Jahren galten die Kirchengebote als „Herrschaftsinstrumente“, um die Gläubigen zu kontrollieren und abhängig zu halten. Mit der gesellschaftlichen Emanzipationsbewegung befreiten sich viele Christen auch von Fasten- und Abstinenz-Traditionen.

Im weltlichen Bereich haben neue Autoritäten die alten Weisheiten beerbt. So finden sich z.B. in Frauenzeitschriften ständig neue Diätpläne. Aus der Fastenzeit wurde die Frühjahrskur.  Auch diese Programme sollen Körper und Seele fit halten, fit for fun… – zum Spaß eben, zum Wohlfühlen. Doch schon wächst auch da Unbehagen, ob nicht unsere Freiheit durch die Hintertür gegen eine neue „Sklaverei des Diätwahns“ vertauscht wird.

Unverkennbar ist im Umfeld säkularen Verzichtens wieder ein Sinn dafür, dass solches Üben den Einzelnen tatsächlich innerlich frei machen kann, freier als viele Rituale in der Routine des Tages, der Wochen und Monate. Plötzlich entdecken Menschen eine verschüttete tiefere Weisheit im Fasten: Das Unterbrechen von Gewohnheiten kann nicht nur den Leib, sondern mit ihm die Seele, den Geist befreien. Es kann eine erste Stufe sein, eine Revision des Lebens zu versuchen, bisherige Abhängigkeiten infrage zu stellen, die Existenz neu auszurichten, materiell wie spirituell, im Haben und im Sein.

Die Praxis des Fastens ist also kein christliches Sondergut. Andere Religionen kennen sogar noch strengere und für alle verbindliche Fastenregeln. Am bekanntesten ist der Fastenmonat der Muslime, der Ramadan. In dieser Zeit ist vorgesehen, dass man vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang nichts zu sich nimmt – auch keine Flüssigkeit. Flüssigkeit soll aber vor dem Fasten in erhöhten Mengen aufgenommen werden.

Dass sich ein solches Gebot natürlich in keiner Religion konsequent einhalten lässt, zeigt die geschichtliche Entwicklung und Erfahrung: Muslime feiern nach Sonnenuntergang richtige Essgelage, sodass der zeitweilige Verzicht unter den Verdacht gerät, lediglich eine Verzögerung der Nahrungsaufnahme zu bedeuten und kein wirkliches Fasten. Diese Kritik ist unberechtigt. Denn Völlerei ist nicht im Sinne des Islam, da Fasten auch als sozialer Akt der Solidarität mit Bedürftigen verstanden wird. Das festliche Essen im Kreis der Familie und Freunde und die Sättigung der Armen ist der eigentliche Hintergrund solcher Mähler im Anschluss an das Fasten der Muslime.

Die christliche Tradition der sog. Fast- und Abstinenztage und die jährlichen Fastenzeit vor Ostern ist aus dem Bewusstsein und der Praxis vieler ganz verschwunden. Die Gründe dafür habe ich bereits angesprochen. Heute reden wir lieber von der österlichen Vorbereitungszeit als von der Fastenzeit. Auch christliche Fastenpraxis war genau geregelt. Es gab Ausnahmen von der Regel, die Lebensalter betreffend, die Lebenssituation berücksichtigend. Und man konnte, wenn es nicht möglich war, ein alternatives Werk der Barmherzigkeit als Ersatz für das Fasten wählen.

Zur Weisheit des Fastens gehört, dass man es nicht übertreibt. So gab es immer einfache Vorschläge, z.B.: auf Fleisch zu verzichten, keinen Alkohol zu trinken, den Genuss von Kaffee und Tabak einzuschränken. Und: an besonderen Tagen nur eine sättigende Mahlzeit zu sich zu nehmen. Fasten soll keine sportliche Höchstleistung sein, auf die man stolz verweisen kann,  kein Selbstzweck, um schlanker zu werden. Vielmehr geht es darum, eine absichtslose Haltung der Innerlichkeit zu erleben, ohne Blockaden, um einmal abseits des Üblichen Dinge und Menschen, die Erde und den Himmel staunende wahrzunehmen. In allen Religionen steht Fasten nie isoliert da, sondern immer in einem psychologisch weisen Dreiklang mit Beten und Almosengeben: Ich – Gott – der Nächste.

Diese spirituelle Dimension erschließt sich auch aus dem Wort „fasten“ und seiner Herkunft selbst.  Es geht zurück auf das mhd. Vasten, im got. Fastan (im engl. to fast) und bedeutet „festhalten, beobachten, bewachen“. In der Sprache der Kirche versteht man darunter, sich  an den Weisungen und Geboten „fest zu halten“. Die Aufforderung „Fasten seat belt“ kennen wir aus dem Flugzeug: den Sitzgurt festmachen! Diese Wortbedeutung könnte zu einen ganz neuen Inhalt des Fastens führen, nämlich zu der Frage, wo einer seinen Halt hat, wo einer sich „fest“ gemacht hat? Für den Christen ist das zweifelsfrei Gott. In ihm sucht und findet der Christ seinen eigentlichen Halt. Dann wäre die Fastenzeit christlich gesprochen eine Zeit der Wieder-Befestigung des Lebens im Halt gebenden und schützenden Gott, eine durchaus erwägenswerte Alternative zum verkürzten Verständnis von „Abspecken“.

Viele Lehrer des Lebens haben sich Gedanken über das Fasten gemacht. Zwei seien hier zitiert.

Mahatma Gandhi: „Fasten betrifft nicht nur den Gaumen, sondern alle Sinne und Organe. Darum ist Fasten, wenn es spiritueller Natur ist, ein intensives Gebet oder die Vorbereitung dazu“.

Romano Guardini: „Beim Fasten geht etwas Innerliches vor sich. Der Körper wird gleichsam aufgelockert. Der Geist wird freier, der Raum des Möglichen wird weiter. Das Gewissen wird hellhöriger, feiner, mächtiger. Das Gefühl für geistige Entscheidungen wächst.“

Es ist unbestritten, dass das Fasten den Blick für die Zusammenhänge des Lebens öffnet. Ein neuer Zugang zur  Schöpfung wird möglich, ein neuer Respekt vor den Gaben des Lebens: dem Wasser, der Luft, der Nahrung, der Wärme ect.
Es macht den Wert gesunder Nahrung bewusst und damit sensibel für einen vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln. Der Körper verlangt nach dem Fasten nach verträglichen Speisen und will gar keine übermäßige Mengen an Nahrung mehr zu sich nehmen.

 

4) Wie sieht eine Fastenwoche aus …

In einem Werbefaltblatt für eine Fastenkur kann man lesen:

Wer fastet, bleibt wach.
Wer fastet, wird frei.
Wer fastet, erlebt Freude.
Wer fastet, ent-sorgt sich.
Wer fastet, gibt dem Geist Raum.

Wer fastet, wird sensibel für seinen Leib.
Wer fastet, erfährt, dass der Mensch nicht allein vom Brot lebt.
Wer fastet, wird wieder dankbar für das tägliche Brot.
Wer fastet, erfährt neu das Geschenk des gemeinsamen Mahlhaltens.‘
Wer fastet, ist besonders mit denen verbunden, die hungern müssen.
Wer fastet, erfährt die Freude eines Wanderers in der Wüste angesichts einer Oase.

Warum überhaupt fasten?
Wegen meiner Linie? Damit ich fit bleibe? Das mag oft Grund für so manche Frühjahrskur sein. Mit Fasten im ursprünglichen Sinn hat das weniger zu tun, höchstens als Nebenwirkung. Der christliche Weg des Fastens dient einem vertieften Leben mit Gott und einem solidarischen Leben mit unseren Geschwistern in aller Welt, die Hunger leiden.

Wer kann fasten?
Eine Fastenkur kann jeder mitmachen, der sich gesund fühlt und keine Medikamente einnehmen muss. wer erstmals eine Fastenwoche mitmacht, sollte vorher seinen Hausarzt nach seiner Meinung fragen.
Eine brutale Abmagerungskur ist eine Fastenwoche nicht. Diese wird in Fachklinken unter ärztlicher Kontrolle mehrere Wochen lang durchgeführt.

Wie verläuft eine Fastenwoche?
Was die stark reduzierte Nahrungsaufnahme betrifft, so gibt es verschiedene Schulen und Methoden, die ich nicht bewerten kann. Von Kuren nur mit Mineralwasser bis zu ausgefeilten Rationierungen und Einschränkungen der Nahrungsvielfalt – z.B. nur Obst, bis zur totalen Abmagerungskur ist fast alles möglich. Aus eigener Erfahrung kenne ich die sog. Meier-Kurs (Milch-Semmel-Kur) oder die Fastenmethode nach Dr. Buchinger. Seine Methode ist in dem Buch „Wie neugeboren durch Fasten“ von Dr. Lützner eingehend beschrieben.
Tee, Obstsaft und Gemüsebrühe bilden die Nahrungsmittel nach Buchinger. Auf feste Nahrung wird ganz verzichtet.

Voraus geht immer eine Darmentleerung, die man entweder mit Sauerkrautsaft oder radikaler mit Klaubersalz einleiten kann. In den ersten Tagen und Stunden können bislang nicht bekannte körperliche Beschwerden auftreten, die verunsichern: z.B. Rücken- und Kopfschmerzen, Übelkeit. Man erklärt sich diese Symptome damit, dass der Körper seine Versorgung umstellt auf Selbstversorgung. Da von außen keine Kalorien mehr zugeführt werden, greift er auf die eigenen Reserven zurück. Wir tragen alle ein großes Reservelager (in Fett eingebettet) herum, das dann benutzt wird. Deshalb nimmt man nebenbei beim Fasten auch ab.
Erfahrungsgemäß geht das Fasten in Gemeinschaft besser. Es hat sich bewährt, in Gesprächen über Gott und die Welt und in der gegenseitigen Unterstützung eine ganz neue Erfahrung von Lebendigkeit zu finden. Außerdem ist es leichter, wenn man eine Fastenkur nicht zu Hause, sondern fern vom häuslichen oder beruflichen Milieu durchführt.
Ein weiteres wesentliches Element ist Bewegung in frischer Lust und Entspannungsübungen.

 

Teilnehmer von solchen Fastenkursen berichten übereinstimmend:

  1. Das Essen schmeckt einem nachher viel besser – die Geschmacksnerven werden durch diese vorordnete Ruhepause sensibler.
  2. Man isst fast automatisch weniger. Der Körper hat sich so umgestellt, dass er aus Weniger mehr Stoffe entnimmt – nach dem Motto: WENIGER IST MEHR.
  3. Irgendwie fühlt man sich leichter, freier, auch geistig frischer und erholter – wie nach einem gelungenen Urlaub.

Auf eine Erfahrung muss man noch hinweisen. Zu häufige Fastenkuren machen keinen Sinn. Leute, die das praktiziert haben, berichten, dass sie umso schneller nachher wieder zugenommen haben. Die Zeiten zwischen Abnehmen und Zunehmen wurden immer kürzer. Hier wurde wahrscheinlich das gesunde Maß überschritten.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Fasten ist eine von vielen Möglichkeiten, wachsamer und achtsamer zu leben, besser Herr zu sein über seine körperlichen Bedürfnisse, einfach Herr im eigenen Hause zu sein, ohne sich selber zum Sklaven zu machen. Der Impuls zu einer gesunden Selbstliebe wird dabei nicht verstummen: „Gönne Dich dir selbst“ ist vielleicht der beste Impuls für einen gesunden Lebensstil.

Klaus Stock

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