Zeuge der Auferstehung sein – wie geht das?

Predigt am 3. Sonntag der Osterzeit – 22. April 2012
Lesungen: Apg 3,12a.13-15.17-19 – 1 Joh 23,1-5a – Lk 24,35-48
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Ein geistlicher Impuls aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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„Ihr seid Zeugen dafür“. Mit diesem Hinweis endet das heutige Evangelium. Wofür sollen wir Zeugen sein? Dafür, dass Jesus lebt, dass er von den Toten auferstanden ist.

Mit diesem Satz könnten wir alle Diskussionen darüber beenden, was es heißt, ein Christ zu sein. Ein Christ ist eben ein Mensch, der durch sein Leben, durch sein Reden und Handeln, bezeugt, dass Jesus Christus wirklich lebt – und zwar nicht nur in der Erinnerung, sondern heute – auch hier und jetzt – mitten unter uns.

Aber wie sollen wir das erfahren und gar noch andere davon überzeugen? Diese Fragen fangen doch erst an, wenn wir wirklich für bare Münze nehmen, was wir da in manchen Osterliedern so unbedacht singen: zum Beispiel: „Jesus lebt – mit ihm auch ich“ (vgl. GL 929). Soll man sich etwa auf die Straße stellen mit einem Schild, auf dem zu lesen ist: „Jesus lebt“? (Wir kennen solche stummen Zeugen mit einer Schrift namens Wachturm in der Hand – Zeugen Jehovas nennen wir sie) – Sollen wir es auch so machen? Oder sollen wir die Mitmenschen, die Nachbarn und die Kollegen am Arbeitsplatz einfach ansprechen und sie fragen, ob sie schon gehört hätten, dass Jesus, der Mann aus Nazareth, von den Toten auferstanden ist?

Niemand wird sagen, dass das es so einfach geht.

Die vergleichbaren Versuche junger Menschen in den neuen geistlichen Bewegungen haben jedenfalls keinen durchschlagenden Erfolg. Der Auszug aus den Kirchen und der Rückgang geistlicher Berufungen gehen unvermindert weiter. Es muss also noch eine andere, eine eher alltägliche und selbstverständliche Weise geben, die österliche Botschaft den Menschen von heute  zu vermitteln, ein Zeuge der Auferstehung Jesu zu werden.

Ich mache einen Vorschlag in drei Schritten:
1. Der erste Schritt ist, dass wir uns selber wieder bewusst werden, was mit uns in der Taufe geschehen ist: unser Leben ist seither nicht mehr nur in unserer Verfügung. Es hat ein Herrschaftswechsel stattgefunden, wie Paulus von sich sagt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,2o). Mein Leben ist in der Hand Gottes. Er ist der Schöpfer der Welt und des Menschen: Er hat jeden von uns ins Dasein gerufen. Wir verdanken ihm unsere Existenz. In seinen Händen ruht unser Geschick – in der Taufe wurde das feierlich besiegelt.

2. Der zweite Schritt ist, dass wir das Vergehen dieser Weltzeit, das „immer währende“ Sterben und den eigenen Tod als selbstverständliche Tatsache annehmen: wir werden deshalb das Loslassen lernen und Abschiede einüben. Das ist schwer, aber unvermeidlich. Jedes „aus der Hand Geben“, nicht nur von materiellen Werten, sondern auch von Gedanken, Gefühlen, von Stimmungen, von Vorhaben und Wünschen, jedes „aus der Hand Geben“ ist ein kleiner Tod und damit eine Vorbereitung auf den endgültigen Abschied von dieser Welt. Christen sind, wenn man so will, Fachleute des Abschieds und Fachleute des Übergangs in die neue Welt Gottes.

3. Und der dritte Schritt ist eine Verwandlung, weil der Tod nicht Ende, sondern die Vollendung ist. Sterben ist der Aufbruch im Abbruch, der Aufgang im Untergang. Das neue Leben, das von Gott her kommt, ist schon verborgen in uns da, wie die Blüte in der Knospe. Der Hl. Paulus drückt das im Brief an die Kolosser so aus: „.. ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden …“ (Kol 3,1) – Am Tag der Vollendung wird sich zeigen, was Gott  an uns getan hat –  über all die Jahre hin bis zum endgültigen Gestaltwandel im Sterben.

Im Leben Jesu können wir diesen Dreischritt ablesen. Das hat der französische Theologe Henri de Lubac mit folgenden Worten beschrieben:

  • Sich einwurzeln in die Welt – das heißt eben das Dasein als Geschenk annehmen, so wie es ist – aus der Hand Gottes.
  • Sich loslösen von der Welt – das wäre dann  der schmerzhafte Loslassen  und Sterben.
  • Und: der Gestaltwandel – das ist die Auferstehung von den Toten.

Wer Christ sein will und damit ein Zeuge der Auferstehung, muss in seinem Leben diesen dreifachen Rhythmus bejahen und herzeigen:

  • Er wird ein Mensch von Welt sein, mitten in der Welt verwurzelt stehen und nicht in schwärmerischen Höhenflügen weltfremd leben.
  • Er wird Abschiede und Trennungen annehmen, auch wenn sie schwer fallen.
  • Und er wird dadurch das Leben in seiner endgültigen Form und Gestalt aufgehen lassen – wie eine Blüte aus der Knospe.

Jedes Jahr an Ostern versuchen wir, dieses Geheimnis unseres Glaubens besser zu begreifen. Und jeden Sonntag feiern wir Ostern, verkünden wir den Tod des Herrn und preisen seine Auferstehung. Das ist in jeder Messe nach der Wandlung auch unsere Antwort auf das deutende Wort des Priesters:  „Geheimnis des Glaubens“  – leider oft nur gedankenlos gesprochen, obwohl es einen hohen Anspruch enthält.

Damit wir in diesem Bekenntnis nicht müde werden, haben wir gültige Zeichen der Erinnerung an den Auferstandenen Christus in unserer Kirche aufbewahrt – die Eucharistie als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart in Brot und Wein, die Feier der Versöhnung als Zeichen der immerwährenden Versöhnungsbereitschaft Gottes mit uns, wenn wir meinen, wir hätten uns heillos verirrt, und viele andere Gemeinschaftserfahrungen, wie sie die Kirche kennt. Ostern geht weiter. Vergessen wir das nicht!

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