Christi Himmelfahrt – wohin geht die Reise?

Predigt am Fest Christi Himmelfahrt – 17. Mai 2012
Lesungen: Apg 1,1-11 – Eph 1,17-23 – Mk 16,15-20
Alle liturgischen Texte (hier)

Die 5-Minuten-Predigt anhören!

Ein geistlicher Impuls aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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Von Angelus Silesius stammen die Verse „Der Himmel senket sich, er kommt und wird zur Erden; wann steigt die Erd‘ empor und wird zum Himmel werden?“ Wer von „Himmelfahrt“ redet, hat meist das alte Weltbild vor Augen. Er schaut himmelwärts und denkt: es geht nach oben! Jesus geht dorthin, woher er gekommen ist. Das erinnert uns an die Antwort Jesus, die er dem Pilatus gegeben hat. „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“? Wir wüßten aber doch gern Genaueres, wenn wir ihm auch dorthin folgen sollen. Wohin geht die Reise?

Wer betet, wie Jesus es uns gelehrt hat: „Dein Reich komme“, muß doch neugierig darauf werden. Doch zum Thema Himmel und Reich Gottes macht Jesus keine Ortsangaben, sondern spricht nur in Bildern: Bilder von einer Hochzeit, von einem Samenkorn im Acker, vom Sauerteig, von einer schönen Perle. Solche Bilder lassen viele Deutungen zu. Es sind sozusagen Suchbilder. Interessanterweise sind es Bilder von einem Anfang, nicht von einem Ende. Mit den Jüngern starren wir nach oben, wenn wir Gott vermissen. Wir erwarten ja auch den Messias von oben. Schließlich haben die Jünger ihren Herrn dorthin auffahren sehen. Mag diese Welt ein Jammertal sein, die Hoffnung auf ein besseres Jenseits läßt uns viel ertragen.

Doch diese Hoffnung könnte trügerisch sein. Kein abgehobener Messias löst unsere Probleme. Weder unsere Alltagssorgen noch die zahlreichen Krisen rund um den Erdball. Wer auf dem Weg in seine Zukunft nur nach oben blickt, wird bald aus allen Wolken fallen. Die Bibel ist kein Atlas von einem weit entfernten Gottesreich. Im Gegenteil. Sie holt alle, die auf die Frage nach Gott abheben wollen, auf den Boden zurück: „Was steht Ihr da und schaut gen Himmel!“, lesen wir in der Apostelgeschichte. Die Straßenkarten zum Himmel weisen bergab.

Gewiß, Gottes Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn es so wäre, dann wäre es genauso vergänglich wie die Herrschaft der Pharaonen oder anderer großer Reiche. Aber es beginnt in dieser Weit, wie ein Samenkorn im Acker oder ein Sauerteig in der Schüssel. Und Jesu Ortsangabe finden wir in seinen Abschiedsworten „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“ Das ist die Bewegung Gottes, die den eigentlichen Kern der Kirche ausmacht. Die Kirche ist für die Welt da! Hier hat sie den Anfang des Reiches Gottes mitzugestalten. Dann schlägt Jesu Botschaft grenzenlos in allen Kulturen Wurzeln. „Geht“, sagt Jesus. Aber er sagt auch an anderer Stelle: „Ich bleibe bei Euch alle Tage“.

Das ist das Geheimnis, das uns bewegt und uns Mut macht. Er bleibt mitten unter uns und lässt uns in unserem Bemühen um eine bessere Welt nicht allein. Gottes Reich fällt nicht vom Himmel, es wächst auch nicht einfach von unten. Es kommt von innen. „Nicht ich lebe“, sagt Paulus, „sondern Christus lebt in mir“. Gottes Reich beginnt dort, wo wir die Konsequenzen aus solch einer Ortsangabe ziehen. Wo wir an den Bildern weitermalen, die Jesus begonnen hat: Bilder der Hoffnung.

Die sind keineswegs abstrakt. Auch in unseren Tagen gibt es eindrucksvolle Zeugnisse davon. Wenn z.B. Ordensleute in den Krisengebieten Afrikas trotz tödlicher Gefahren aushalten und so zu einem Hoffnungs- und Lebenszeichen für verzweifelte Menschen werden. Wenn sich Menschen unterschiedlicher Konfessionen auch mit Juden und mit Muslimen treffen, um sich gemeinsam daran zu erinnern, daß der eine und wahre Gott ein Gott des Friedens und der Versöhnung ist. Wenn Menschen ihre Grenzen und Türen öffnen wie jüngst die Türkei für ihre geplagten und verfolgten syrischen Nachbarn, dann hat das Reich Gottes schon unter uns begonnen.

Dies sind heute ermutigende Bilder, die uns bewegen, weil sie davon erzählen, daß der Gekreuzigte lebt. In aller Welt begegnen Menschen dem Auferstandenen. Rein zahlenmäßig liegt die Zukunft des Christentums in den jungen Kirchen von Afrika, in Lateinamerika und, wer weiß, in den Millionen von treuen Christen im heutigen China. Die Christenheit umfaßt bereits die unterschiedlichsten Gesellschaften. Lasst uns deshalb selber zu Zeugen dafür werden, weil der Geist Gottes das Antlitz der Erde erneuern will. „Was steht Ihr da und schaut gen Himmel!“ Die Himmelfahrt beginnt damit, daß wir den Abstieg wagen, dorthin, wo die Menschen uns brauchen.

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