Leben aus der Kraft des Hl. Geistes

Predigt am Pfingstmontag – 28. Mai 2012
Lesungen aus der Vorabendmesse zum Pfingstfest:
Joel 3,1-5 / Röm 8,22-27 / Joh 7,37-39

Eine Kurzversion der Predigt hier anhören.

Ein geistlicher Impuls aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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Lange haben sie gebraucht, die Jünger, – vielleicht sogar ihr Leben lang – bis die begriffen haben, was es um die Auferstehung Jesu war. Sie erlebten ja seine Hinrichtung, wussten von seinem Grab und erfuhren dann seine rätselhafte Nähe. Eine Gegenwart, die wirklich war und doch ganz anders als vor seinem Tod.

50 Tage nach dem Osterfest ging den Jüngern erstmals ein Licht auf. Wie ein Sturmwind kam der Geist, den Jesus verheißen hatte, auf sie herab und ermächtigte sie, von der Auferstehung Jesu so sprechen, dass es alle verstanden. Das ist die Wirklichkeit der Kirche – bis heute, auch wenn der kirchliche Alltag oft mühsam und belastend ist. An jedem Sonntag feiern wir seinen Tod, wir glauben, dass er lebt, wir hoffen, dass er kommt, zum Heil der Welt, damit wir nicht aufgehen in den Sorgen dieser Zeit und müde werden, sondern in der Kraft des Hl. Geistes unseren Alltag bestehen.

 

Wenn es nach der liturgischen Ordnung ginge, dann wäre heute eigentlich kein Pfingstfest mehr, sondern der Anfang der gewöhnlichen Sonntage im Jahreskreis. Nicht in allen Ländern ist der Montag nach Pfingsten noch ein Feiertag. Dabei ist die Auswahl der biblischen Lesungen rund um das Pfingstfest so groß, dass man Mühe hat zu entscheiden, welche Texte man denn zu Gehör bringen soll. In der Bibel geht es ja immer wieder um die Wirkungen des Hl. Geistes und darüber kann man nicht oft genug nachdenken. Wir haben uns heute für die Lesungen aus der Vorabendmesse des Pfingstfestes entschieden. Von unterschiedlichen Wirkungen des hl. Geistes ist da die Rede.

Ein anglikanischer Bischof hat sie einmal so zusammengefasst:
der Hl. Geist ist die wirksame Gegenwart und die gegenwärtige Wirksamkeit Gottes mitten in der Welt.

Wie aber kann man diese Wirkungen spüren, wie sie erfahren? Sicher nicht nur in gescheiten dogmatischen Abhandlungen, sondern vor allem in einer neuen Lebensfreude, die sich mitten in den täglichen Mühsalen einstellen kann. Paulus spricht vom Seufzen der ganzen Schöpfung und gebraucht dabei das Bild von den Geburtswehen. Die Hoffnung, dass doch alles gut hinausgeht mit der Welt und mit uns, sollen wir also niemals aufgeben.

Sehr schön beschreibt er diese Hoffnung als ein Ausgerichtet sein auf etwas, was noch nicht da ist – sonst wäre es ja keine Hoffnung. Schwangere sind guter Hoffnung. Und sie brauchen viel Geduld bis zum Tag der Entbindung. Paulus entlastet uns auch mit dem Hinweis, dass wir gar nicht wissen können, was wir wirklich brauchen und wann dafür die richtige Zeit ist. So bleibt uns nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass uns Gottes Geist selbst die Worte eingibt, mit denen wir um Gnade und Hilfe, um Rettung und Heil bitten können. Wir wissen eben nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen.

Jesus vergleicht sich im Johannesevangelium mit einer Leben spendenden Wasserquelle, die kostenlos allen zur Verfügung steht. Wer seinen Lebensdurst an dieser Quelle stillt, wird selber für die anderen wie eine erfrischende Quelle zum Leben. Wieder ist es der Hl. Geist, der Gemeinschaft zwischen Jesus Christus und uns stiftet. Es käme also darauf an, diese geschenkte Beziehung zu pflegen. Das kann natürlich nicht heißen, den ganzen Tag nur zum Himmel hinauf zu starren und zu meinen, man müsste nur ununterbrochen beten. Diese Art von Frömmigkeit erinnert mich manchmal an den „Hans guck in die Luft“ im Struwelpeter. Wie Sie wissen, ist der – weil er gar nicht mehr auf den Weg vor sich geschaut hat – ins Wasser gefallen. Das andere Extrem wäre, nur noch auf das vor einem Liegende, nur noch auf den Boden zu blicken. Da bestünde umgekehrt die Gefahr, mit dem Kopf an die nächste Wand zu rennen, die man nicht mehr sieht.

Das vom Hl. Geist geschenkte Leben sieht anders aus. Es ist ein Unterwegssein mit dem Blick nach vorne. Vorne nämlich – am Horizont – berühren sich Himmel und Erde. Der Horizont entwindet sich zwar immer wieder, je weiter wir gehen. Er bleibt uns immer voraus. Aber am Ende unseres irdischen Lebensweges wird sich das Tor zum ewigen Leben wirklich öffnen.

Vom Pfingstfest können wir den vertrauenden Glauben mitnehmen, dass wir nicht ohne Hilfe unterwegs sind. Unterwegs sind wir mit einer sicheren Verheißung. Denn es ist wahr, was der anglikanische Bischof gesagt hat. Der Hl. Geist ist die wirksame Gegenwart Gottes mitten unter uns – und er bleibt die gegenwärtige Wirksamkeit für unser Leben – sogar über unseren Tod hinaus. Deshalb feiern wir die Eucharistie – die Danksagung, wie es uns geziemt.

 

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