Geborgenheit suchen die Menschen

Predigt am 16. Sonntag im Jahreskreis – 22. Juli 2012
Lesungen: Lesungen: Jer 23,1-6 / Eph 2,13-18 /  Mk 6,30-34
Alle liturgischen Texte (hier)

Zum Anhören der kurzen Predigt bitte auf diese Zeile klicken!

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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Schafherden sind in jüngster Zeit wieder häufiger zu sehen, vor allem in den Juragebieten westlich von Regensburg. Ich kenne keinen Wanderer, der dann nicht einen Moment stehen bleibt, um Hirt und Herde zu beobachten. Zur Zeit Jesu – im Land Israel – gehörten Schafherden zum täglichen Bild. Wer immer nach draußen ging, begegnete fast um jede Ecke einer Herde mit einem Hirten, so selbstverständlich wie wir heute täglich Autos auf der Straße sehen.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn in der hl. Schrift das Bild vom Hirten und seinen Schafen relativ häufig vorkommt. Oft dient es dabei als Gleichnis und Bild für das Verhältnis Gottes zu den Menschen. „Wir sind das Volk seiner Weide, die Herde, von seiner Hand geführt“ singt der Vorbeter im Tempel zu Beginn eines Gottesdienstes im Psalm 95.

Der Prophet Jeremia kritisiert im Namen Gottes die Führer des Volkes: sie sind schlechte und treulose Hirten. Ihnen gegenüber beschreibt er die treue Sorge Gottes um sein Volk im Bild eines guten Hirten, der alles für das Wohlergehen seiner Tiere tut.

Im Psalm 23 finden wir das gleiche Bild. Der Beter nimmt dankbar für sich in Anspruch: „Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen“.

Nichts also wird denen widerfahren, die im Schutz eines solchen Hirten leben. Auch dunkle Wege, steinige Pfade, Bedrohungen durch natürliche Feinde, sind vorübergehend. Es ist ein Durchgang, den der Hirte als Erster durchschreitet an der Spitze seiner Herde, damit sie ohne Angst hinter ihm hergehen und nach der Drangsal aufatmen können. An „Wassern der Ruhe“ und auf gute Weide wird er die Herde führen. Sie sind rundum in guten Händen und gut versorgt.

Jesus deutet seine Sendung zu den Menschen selber im Bild des Hirtenberufes. „Ich bin (wie) ein guter Hirt, ich bin (für Euch) der gute Hirt“.

Eindrucksvoll wird dies vom Evangelisten Markus geschildert. Jesus hatte die Jünger ausgesandt, dem Menschen die gute Nachricht von Gottes neuer Welt zu verkünden. Nach ihrem ersten Einsatz kamen sie wieder zurück, um ihre Erfahrungen auszutauschen. Müde und erschöpft waren sie, heißt es. Und da kümmert sich Jesus um ihr Wohlergehen. Sie sollen mit ihm über den See fahren an das abgelegene Ufer. Dort könnten sie eher unter sich sein. Dort sei es ruhiger.

Wer von uns hat nicht schon einmal erlebt, dass eine Bootsfahrt hinaus auf einen einsamen See an ein einsames Ufer das Gemüt besänftigt. Die Stille tut einfach gut. Es ist friedlich hier, sagen wir. Diesen ersehnten Gemütszustand hat wohl der Apostel Paulus vor Augen, wenn er im Brief an die Epheser über Jesus Christus sagt: „Er ist unser Friede“.

Aber Markus weiß auch zu berichten, dass die Menschen Jesus nachlaufen, weil sie von ihm und seinem Freundeskreis Geborgenheit erhoffen. Nach der kurzen Verschnaufpause ist Jesus wieder für sie da, weil er Mitleid mit den Menschen hat. Denn sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. Jesus will ihnen jetzt wie ein sorgender Hirte gegenübertreten und ihnen Trost und Ermutigung geben – durch ein gutes und frohes Wort, eine gute Nachricht, ein Evangelium.

Die hl. Schrift greift das Bild vom guten Hirten immer wieder auf.  Was die hl. Schrift von Gott sagt, ist zeitlos gültig. Gott ist auch heute der Herr und Hirte unseres Lebens. Er führt uns an Ruheplätze, er sorgt um unser Leben.

Ausruhen und Ruhe finden – sind das nicht die alten Ideale des Sonntags, wie wir sie in unserer Kindheit noch kennen gelernt haben?

Nehmen wir den heutigen Tag einmal so an. Drücken wir die christliche Stopptaste und leben wenigstens ein paar Stunden wie Sonntagskinder. An einem einsamen Ort in der Natur oder in einer Kirche können wir unser Herz sprechen lassen und mit Gott Verbindung aufnehmen. Der meint es gut mit uns.

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