Das ganz andere Brot – das ganz andere Leben

Predigt am 18. Sonntag im Jahreskreis – 05. August 2012
Lesungen: Ex 16,2-4 – Eph 4,17.20-24  – Joh 6,24-36
Alle liturgischen Texte (hier)

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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Weltweit hungern etwa 925 Millionen Menschen. In 26 Ländern ist die Hungersituation für die Menschen sehr ernst oder gravierend. Die Region Südasien weist den höchsten Hunger und Unterernährungs-Index. Südlich der Sahara ist die Hungersituation nach wie vor besorgniserregend. In Entwicklungsländern sind 195 Mio. Kinder unter fünf Jahren sind zu klein für ihr Alter und damit unterentwickelt (WHI 2010) Über 90 Prozent der unterentwickelten Kinder leben in Afrika. Jährlich sterben etwa 2,2 Mio. Kinder weltweit an den Folgen von Mangel- und Unterernährung – das sind 6.027 Kinder täglich.

Wenn ich solche Zahl lese – veröffentlicht durch die Welthungerhilfe – vergeht mir jedes Mal der Appetit.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich eine Welt, die an allen Ecken und Enden Mangel leidet. Das sind keine schönen Aussichten. Es hilft mir auch nicht, wahrzunehmen, dass es derzeit auch in den reichen Ländern  fast nur noch düstere Prognosen gibt. Die Euro-Schuldenkrise hat uns fest im Griff , die Fachleute streiten. Es gibt viele kluge Ratschläge. Heilung ist  nicht in Sicht.

Die normale Reaktion ist uns schon aus der Bibel bekannt: in solchen Notzeiten fangen wir an zu murren! Mit Recht. Nicht nur die Verantwortlichen damals, Mose und Aaron, wurden beschimpft, Gott selbst kam auf die Anklagebank. Das ist heute nicht anders.

Und dann hören wir heute Texte aus den Hl. Büchern, die von seltsamen Auswegen erzählen: Gott hört das Murren, wendet das Geschick. Was genau die Not wendet, können die Beschenkten nicht deuten: Sie sagen zueinander: „Was ist das?“ . So übersetzen die Fachleute das Wort Manna. Später wird das sättigende Etwas als ein Bort gedeutet, dass Gott selber zu essen gab.

Im Evangelium eine ähnliche Situation: Jesus redet in rätselhaften Worten von einer Speise, die nicht verdirbt, sondern für das ewige Leben bleibt. Er nennt es „Brot vom Himmel“, also nicht aus Backöfen und Brotfabriken, sondern von anderswoher.

Was sollen wir von alledem halten? Wie kann man das verstehen, ohne die geschilderte katastrophale Hungersnot zu beschönigen?

Vielleicht liegt der Zugang im Verständnis des Wortes Leben. Wer Leben ausschließlich als biologische, soziale und psychologische Tatsache begreift, kann an den Lebensnöten verzweifeln: an Krankheit, Hunger, Krieg und Tod.

Wer – wie Paulus in der zweiten Lesung empfiehlt – dieses nichtige Denken ablegt, seine Sichtweisen ändert, seinen Geist und Sinn erneuert, erfährt im Denken und Werten eine Horizonterweiterung. Er blickt über den Rand der meßbaren und gestaltbaren Welt hinaus. Dann ist Leben mehr als nur die Spanne zwischen Geburt und Tod. Dann öffnet sich der Blick auf den Uranfang und der Ort der Vollendung des Lebens selbst – und das ist Gott.

Woher wissen wir das? Und wie geht eine solche Kehrtwende des Denkens und der Einstellungen? Es kann doch nicht sein, dass wir die aufwändige Bereitstellung von Lebensmitteln abwerten, den Hungernden nicht helfen?

Es gibt nur eine Antwort – und die heißt Jesus Christus. Paulus hat diesen Jesus erkannt – spät, aber doch. Er hat ihn als den authentischen Gottesboten erlebt, dessen Reden und Handeln vordergründig einfach menschlich und damit auch angreifbar und mißverständlich war. Aber die Begegnung mit ihm hinterließ bei Paulus eine rätselhafte neue Hoffnung auf Rettung und Heil – zeichenhaft schon erfahrbar in einzelnen Ereignissen, ein Aufblitzen von etwas ganz anderem:  der noch ausstehenden aber sicher hereinbrechenden neuen Welt Gottes. In den Visionen der Geheimen Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel, wird es sichtbar. Alles ist ein Entwicklungsprozesses zum Guten. Die Hoffnung hat einen Grund, einen Anker in Gott.

Wir werden in einen Trost hineingerettet werden und erfahren, was es heißt, einem Gott zu begegnen, der unendlich mehr als wir selbst wissen wird, was Tränen sind. „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde … Ich hörte eine laute Stimme: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein: und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen. Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu“.  (vgl. Offb. 7,17 und 21,4).

Wer mit einer solchen Verheißung unterwegs ist, lebt anders, ernährt sich gern von dem ganz anderen Brot und ist bestens ausgerüstet für das ganz andere Leben.

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