Worte des Lebens

Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis – 19. August 2012
Lesungen: Spr 9,1-6 / Eph 5,15-20 / Joh 6,51-58
Alle liturgischen Texte (hier)

Die Fünf-Minuten-Predigt können Sie hier auch anhören!

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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„Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben!“ Wir verstehen die empörte Frage der Juden. Wie kann man das Fleisch eines Menschen essen? Dieser schwierige Text macht vor allem jenen zu schaffen, die unsere Kinder auf die Erstkommunion vorbereiten. Aber auch die anderen beiden Lesungen haben es in sich. Ich glaube aber zu erkennen, dass alle drei Lesungen des heutigen Sonntags ein gemeinsames Thema bedienen. Sie erreichen uns auf der  Suche nach Erfüllung unserer Grundbedürfnisse, auf den Suche nach Leben. Meinungsforschungsinstitute fragen heute immer wieder danach, was den Menschen wichtig ist, was sie ersehnen und erhoffen. Zwei Grundbedürfnisse werden häufig genannt: der Hunger nach Nahrung und der Hunger nach Wissen. Wir können nicht leben ohne Ernährung – und wir können nicht leben in der Nacht der Unwissenheit. Wir suchen Sättigung und Erkenntnis.

Das Buch der Sprichwörter – die erste Lesung – verbindet beides. Da heißt es, man solle den Unwissenden sagen: „Kommt, eßt von meinem Mahl, trinkt vom Wein, den ich mischte. Laßt ab von der Torheit, dann bleibt ihr am Leben“.

Gott lädt die Unwissenden und Unerfahrenen ein, sich an seiner Weisheit zu sättigen, im übertragenden  Sinn Worte zu essen, die von Gott her in den Hl. Schriften aufbewahrt sind – wie in einer reichen Kornkammer. Auch das vor 50 Jahren eröffnete 2. Vatikanische Konzil sprach vom Tisch des Wortes, den die Kirche den Gläubigen aufdecken soll. In Bayern kennen wir die Brotzeit. Sollte man sie nicht mit einer „Wortzeit“ ergänzen?

Paulus erinnert die Epheser an die notwendige  Ordnung und Disziplin im Leben. Wir sollen sorgfältig darauf achten, wie wir unser Leben führen. Nicht töricht, sondern klug. Darin ist auch ein Appell enthalten, der oft überhört wird, nämlich auch gut für sich selber zu sorgen und nicht nur in der Sorge um die Mitmenschen aufzugehen.  Achtsamkeit und Sorgfalt gilt auch im Umgang mit sich selber! Das schulden wir Gott, der uns das Leben geschenkt hat. Im übrigen endet Paulus seine freundliche Ermahnung mit einem Hinweis zur Dankbarkeit: „Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank – für alles!“ Die Übung der Dankbarkeit, so haben Psychologen herausgefunden, sei die beste Medizin gegen übertriebene Sorge und auszehrendes Tätigsein. Wer Dankbarkeit übt, gewinnt eine große Heiterkeit und Gelassenheit im Leben.

In der schwer zu begreifenden Bildrede Jesu vom Himmelsbrot werden wir noch einmal an unsere Grundbedürfnisse nach Nahrung und Wissen erinnert. Gott gibt Brot für das irdische, aber auch für das ewige Leben. Er kann den leiblichen und den seelischen Hunger stillen. Denn er ist der Herr des Lebens.

Wie sollen wir also dann die anstößige Rede Jesu verstehen?
Der menschliche Körper besitzt die wunderbare Fähigkeit, Nahrung aufzunehmen und zu verwandeln. Fremde Stoffe werden dem eigenen Körper anverwandelt. Nach dem Stoffwechsel wird die Verbindung der Nahrung mit dem menschlichen Körper total. Nahrung geht ganz im Körper auf.

Dieses Bild vom Essen benutzt Jesus, um zu zeigen, wie nahe Gott uns sein möchte. Näher, wie es näher nicht mehr geht. Er möchte sich dem Menschen anverwandeln und in ihn eingehen wie die Nahrung in den Körper. Damit kommt er unserer Sehnsucht nach Nahrung und Erleuchtung, nach göttlichem Leben, entgegen. Das, was uns abgeht und wonach wir ein Leben lang suchen – die Fülle des Lebens – kann  nur Gott allein schenken. Wir sind uns selber nie genug!

Man könnte sagen: das eigentliche Grundbedürfnis des Menschen ist Gott selbst. Auf ihn hin ist der Mensch erschaffen. Der Mensch verlangt nach Gott – und Gott beantwortet dieses Verlangen. Er stillt den Hunger und beendet die Unwissenheit.

Wer mit den Worten der hl. Schrift geduldig und länger umgeht, wird erfahren, daß sie keine leeren Worte sind, sondern Worte des Lebens, Nahrung den Hungernden und Weisheit den Unwissenden.

 

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