Reiseempfehlungen

Predigt am 31. Sonntag im Jahreskreis – 04. November 2012
Lesungen: Dtn 6,2-6 / Hebr 7,23-28 / Mk 12,28b-34
Alle liturgischen Texte (hier)

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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Bevor ich eine Reise in unbekanntes Gebiet antrete, kaufe ich mir in einem guten Buchladen einen Reiseführer, suche nach einer geeigneten Straßen- und Landkarte oder ich frage bei Einheimischen nach dem richtigen Weg – wie hier in der Wüste Sinai. Einfach auf´s geratewohl loszuziehen, habe ich schon manchmal bereut.

Was wir eben gehört haben, ist einer  gute Reiseempfehlung vergleichbar. Sie kommt aus dem Mund eines erfahrenen Wüstenbewohners, des Hirten Mose, der lange Jahre mit der Herde seines Schwiegervaters in dieser weglosen Gegend unterwegs war und sich gut auskannte. Er gibt als erster den Auswanderern aus Ägypten Ratschlage für unterwegs. Später hat Jesus die Schriftgelehrten daran erinnert.

Alles begann mit einer seltsamen Erfahrung. In der Wüste, am brennenden Dornbusch, hörte Mose die Stimme: „Führe mein Volk aus Ägypten heraus“. Wegführer sollte er sein beim Auszug aus dem Land der Sklaverei. Ein langer Weg mit vielen Gefährdungen stand bevor – 40 Jahre durch die Wüste.

Dieses Geschehen hat sich eingeprägt in die Erinnerung Israels – immer wieder hat man in späteren Generationen davon erzählt. Höhepunkt des Weges war die Rast am Fuß des Berges Sinai. Dort nahm Mose 10 Weisungen entgegen – Regeln für unterwegs – Regeln, wie es in schwierigen Zeiten im Zusammenleben gut gehen kann. Die Hauptsache  oder – wie wir sagen könnten – das erste Gebot sei, daß die Menschen treu zu ihrem Gott Jahwe stünden. Denn ER habe sie ja schließlich durch die Hand des Mose herausgeführt. ER biete sich als Wegführer durch die weglose Wüste an. Warum sollte der Mensch dieses Angebot ausschlagen und sich fremden Göttern überlassen? Jahwe Gott sei der Garant des Überlebens.

In einer gefährlichen Krise kann immer nur einer das Sagen haben, nur einer kann Befehle erteilen, sonst läuft alles durcheinander und das Chaos ist perfekt. Nur einer, der den Weg kennt, der sich auskennt, kann ein Volk führen. Das war Jahwe Gott für Israel unterwegs. Auch deshalb läßt er durch seinen Diener Mose dem Volk eindringlich sagen: Höre, Israel. Deinen Gott allein sollst du lieben, d.h. ihm zugetan bleiben. Das ist die Hauptsache, dann wirst du überleben und die Gefahren des Wüstenzuges bestehen.

Halten wir hier einen Moment an und fragen wir, was diese alte Wahrheit für uns heute bedeuten könnte.

Wir kennen viele Hauptsachen in unserem Leben:
z.B. daß wir gesund bleiben, daß die politische Lage stabil bleibt, daß das Geld reicht, daß wir von Unwettern und Katastrophen verschont bleiben, usw.

Manchmal frage ich mich, ob diese Hauptsachen angesichts der wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben nicht doch nebensächlich sind.

In der Hl. Schrift ist von einer Hauptsache des Lebens, einem Hauptgebot, die Rede: und das ist die Liebe.

Jesus hat dem Schriftgelehrten, der nach dem Hauptgebot gefragt hat, geantwortet: Du bist nicht fern vom Reich Gottes, weil du dich an die Hauptsache erinnert hast – nämlich daran, daß man Gott und den Nächsten lieben soll.

Ich wünsche uns, daß Gott das auch uns sagen könnte: Ihr seid nicht fern vom Reich Gottes, weil ihr euch an die Hauptsache erinnert habt – an die Liebe. Wer der Liebe folgt, ist Gott auf der Spur. Er ist gut unterwegs – mit den besten Reiseempfehlungen.

 

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