Weltuntergang?

Predigt am 33. Sonntag im Jahreskreis – 18. November 2012
Lesungen: Dan 12,1-3 / Hebr 10,11-14.18 / Mt 13,24-32
Alle liturgischen Texte (hier)

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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Was werden sich die Bewohner von New Jersey gedacht haben, als sie Ende Oktober  vom verheerenden Hurrikan Sandy heimgesucht wurden?

Das ist die Sintflut! Das ist der Weltuntergang!

Solche Nachrichten und erschreckenden Bilder kann man nicht einfach abtun. Sie zwingen zum Nachdenken. Was soll das alles.  Was wird uns noch alles bevorstehen? Wie wird es denn überhaupt weitergehen mit dieser Welt voller Katastrophen, Umweltschäden, Terroranschlägen und Kriegen, mit Finanz- und Wirtschaftskrisen, ganz zu schweigen von heimtückischen Krankheiten?

Die Menschen haben sich immer schon Gedanken über eine sog. „Endzeit“ gemacht und in unterschiedlicher Weise einen Weltuntergang prophezeit. Doch niemand hat bisher das Geheimnis der endgültigen Zukunft gelüftet. Was genau kommen wird und vor allem wann sich etwa die starken Bilder der hl. Schrift über die Endzeit erfüllen werden, bleibt bis heute verborgen.

Zwar haben wir das Wort Jesu: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Mk 13,31). Aber Jesus hat auch gesagt: „Jene Stunde kennt niemand, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater“ (vgl. Mk 13,32). Wir tun also gut daran, uns nicht durch allzu laute Prophezeiungen irritieren zu lassen.

Ich erinnere mich noch an die Jahrtausendwende 2000. Damals hatten die Endzeitpropheten Hochkonjunktur. Und sie haben sich alle auf die Bibel berufen und manche Gläubige ganz schön verwirrt. Zukunftsängste wurden bedient und die täglich notwendige Gelassenheit schwand dahin.

Wir Christen aber fragen nicht, was kommt, sondern wer kommt. Und darauf haben wir eine Antwort: „Der Herr wird kommen und euch mit Heil überschütten“ (vgl. Hos 10,12). Das ist das eigentliche Ereignis der Endzeit. Und dieses endgültige Offenbarwerden Gottes hat seine gewaltigen Vorzeichen und Anzeichen, die weit zurückgehen bis ins alte Testament.

Im Buch Daniel, der als Prophet der Endzeit gilt, wird z.B. von einem großen Engelfürsten erzählt, dem hl. Michael. Er erweist sich als Schutzpatron des Gottesvolkes, wenn die Tage der Not kommen. Und er hat eine besondere Aufgabe, die in seinem Namen verschlüsselt ist: Michael heißt „Wer ist wie Gott“.

Das ist die entscheidende Frage. Und auf diese Frage kann es nur eine Antwort geben: Niemand sonst als Gott allein. Mit Staunen höre ich immer, dass unsere muslimischen Brüder dies wider alle Gottvergessenheit jeden Tag bekennen! Es gibt nur einen Gott! Er ist der „Herr aller Mächte und Gewalten“ (vgl. Sanktus).  Neben ihm sind alle Mächte und Gewalten, seien sie Naturgewalten oder von Menschenhand geschaffene ein Nichts. Sie werden vom Thron gestürzt. Das werden die Er­eignisse der Endzeit bestätigen.  Und so etwas geht nicht ohne globale Erschütterungen.

Was sich wie eine Katastrophe anhört, ist nur Begleiterscheinung des mächtigen Kommens Gottes in Herrlichkeit. Not, Elend, Leid und Tod – das ist wie wenn die ganze Welt aufschreit in einer seltsamen Mischung von Schmerz und Freude, weil jetzt alles seiner Vollendung entgegengeht.

Die hl. Schrift will nicht Angst machen mit ihren erschütternden Bildern, sondern sie will zur nüchternen Wachsamkeit einladen. Wir sollen lernen, angesichts der Vergänglichkeit dieser Welt unsere Sorgen hintanzustellen. Wir sollen und dürfen lernen, die Hände zu lösen, da uns zuletzt ja doch alles aus der Hand genommen wird. Selbst das Leben brauchen wir nicht mehr krampfhaft  festzuhalten, sondern können  es loslassen in die Hand Gottes hinein.

Am Ende des Kirchenjahres lernen wir etwas über unsere Vergänglichkeit. Sie ist der Aufgang im Untergang. Sie ist der Vor­gang der Verwandlung in unsere Endgestalt nach dem Bild Jesu Christi. Am Ende wird Gott alles in allem sein – und das wird dann auch die Erfüllung  unserer Sehnsucht sein.

Man sollte, wenn man die Erzählung des Weltuntergangs nach dem Markusevangelium liest, auch einen Blick auf das Lukasevangelum werfen. Dort nämlich steht das ermutigende Wort, mit dem wir unsere Überlegungen zum heutigen Sonntag beschließen: „Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“ (Lk 21,28).

Wir brauchen also nicht der Parole folgen: „Augen zu und durch“, sondern wir können der Einladung des Herrn der ganzen Welt und aller Zeit folgen: „Augen auf und hinaus“ – in die erlöste neue Welt Gottes.

„Weltuntergang“ ist nicht Zerstörung, sondern Verwandlung zu einem neuen Himmel und einer neuen Erde, wie ihn die Geheime Offenbarung des Apostels Johannes beschreibt.

Auch wenn unsere Vorstellungskraft dafür nichts hergibt – eines wird sich als wahr erweisen: Das Vergehen von Himmel und Erde ist nur das Aufgehen Gottes. Wir werden ihn sehen, wie er ist – und das wird unsere Vollendung sein.

Darum endet das Kirchenjahr mit Texten zu diesem Thema und beginnt das neue Kirchenjahr, die Zeit des Advent, mit den gleichen Themen. Es ist ein Übergang: wir erwarten, was wir immer schon ersehnen. Je mehr wir diese ungewöhnlichen Gedanken zulassen, umso weniger bringen uns Katastrophenmeldungen aus der Fassung. Es wird alles so kommen, wie es kommen muß. Gott bleibt und die in seine Nähe Gerufenen bleiben mit ihm – am Leben!

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