Was für ein König!

Predigt am Christkönigssonntag  – 25. November 2012
Lesungen: Dan 7,2a.13b-14 / Offb 1,5b-8 / Joh 18,33b-37
Alle liturgischen Texte (hier)

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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„Seht, welch ein Mensch!“ Dieser Spottkönig soll ein König sein?
Jedes Jahr feiern wir am letzten Sonntag im Kirchenjahr Jesus Christus als König. In einem Hymnus über ihn heißt es:  „Er ist der Zeiten Lot und Wende“! Er ist das A und das O, der Anfang und das Ende aller Zeiten. Jetzt, wo sich das Kirchenjahr wieder dem Ende zuneigt, erinnern wir an die große Zeitenwende, die durch das Kommen Christi in die Welt eingetreten ist. Mit seiner Botschaft vom Reich Gottes hat Jesus ein neues „Königtum“ ausgerufen. Er wollte herrschen, indem er diente.

Politische Macht, schalten und walten können – oder wie man früher sagte wie ein König herrschen können, das hat sich zwar in demokratischen Gesellschaften verändert. Aber eine Schlüsselstellung einnehmen und Macht ausüben können, fasziniert auch heute noch die politische Klasse.

Früher fragte man vielleicht: Wer wird König? Heute: Wer wird Präsident oder Regierungschef?

Nicht nur in den weltlichen Angelegenheit,  auch in der Welt des Glaubens hat diese Frage eine große Bedeutung. Mit den weltlichen Vorstellungen im Hinterkopf fragen wir als Christen auch: wer hat eigentlich das letzte Wort? Wer ist der Herr der Zeit, der Höchste und Mächtigste? Wer regiert die Welt? Wer ist Gott?

Manche von uns werden sich noch an die Zeit erinnern, als der Christkönigstag ein besonderer Tag der Jugend war. Große Jugendtreffen und Kundgebungen mit Fahnen und flammenden Reden haben sie erlebt. Man ging begeistert zu den Versammlungen und Aufmärschen und glaubte danach, etwas mehr zu verstehen vom Christsein und seinen Auswirkungen im Alltag. Es war eine Aufbruchsstimmung unter der Jugend nach dem Ende der Nazi-Herrschaft und ein neuer Anfang unter einem ganz anderen königlichen Herrscher, der nicht von dieser Welt war. Alles in Christus erneuern!, war einer der Leitgedanken der Nachkriegsgeneration.

Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Der heutige Christkönigstag wird, was die Jugend betrifft, wie ein gewöhnlicher Sonntag verlaufen. Jesus Christus ist für viele junge Menschen nicht mehr die erste Wahl, wenn es um Vorbilder für ihr Leben geht. Andere Gestalten – von den Medien präsentiert – stellen sich auf der Bühne des Lebens vor und binden das Interesse junger Menschen: erfolgreiche Sportler, Popstars, Menschen, die sich in der Öffentlichkeit gut verkaufen können.

Diese veränderte gesellschaftliche Situation macht es auch schwer, am heutigen Sonntag von Jesus Christus als einem König zu sprechen. Wenn wir jedoch den Worten der Hl. Schrift folgen, entdecken wir eine Spur, die auch heute noch Aufmerksamkeit verdient. Die Bibel spricht nämlich von einem ganz anderen Königtum, als wir es uns so vorstellen. Triumphalismus ist nicht Gottes Sache.

Die geheime Offenbarung nennt zwar Jesus Christus den „Herrscher über die Könige der Erde“ und „über die ganze Schöpfung“. Aber beim Prozess vor Pilatus beantwortet Jesus die Frage, ob er ein König sei, mit Ja, schränkt aber gleichzeitig ein: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“. Sein „Regierungsprogramm“ hört sich deshalb ganz anders an. Nicht um ihn selbst werden die Jünger kämpfen, wie man als Untertan für einen weltlichen König in den Kampf geht, sondern sie werden für die Wahrheit kämpfen, dass Gott allein alles in allem ist.

Das Königtum Christi ist nicht Herrschen über Untertanen, sondern, wie wir aus dem Lebenszeugnis Jesu gelernt haben, Dienst an den Menschen. Wir sind in den Augen Gottes aufgewertet worden. Wenn Christus König ist, dann sind wir gleichsam die Königskinder.

Wir könnten also den Blick einmal umkehren und das Christkönigsfest als unser Fest begreifen. Indem wir Jesus Christus als unseren König und Herrn anerkennen, betrachten wir uns in einem anderen Licht – wie von Gott her. Und diese Betrachtungsweise erlaubt uns, ohne Angst positiv von uns zu denken – nicht wegen unserer Verdienste, sondern wegen der Liebe, mit der wir immer schon von Gott geliebt worden sind.

Wir feiern am Christkönigsfest unsere Würde als Kinder Gottes, als Schwestern und Brüder Jesu Christi, der diese Welt besiegt und unsere Vollendung vorbereitet hat.

Ein immer wiederkehrender Aufruf in der Hl. Schrift ist der Aufruf zur Umkehr – zu einem neuen Denken. „Wandelt euch durch ein neues Denken“, sagt der hl. Paulus.

Dieses Umdenken geht aber nicht von heute auf morgen vonstatten. Und wenn es überhaupt in Gang kommt, verläuft es nicht ohne schmerzliche Umbrüche. Wir haben seit dem 2. Vatkanischen Konzil immer wieder um ein neues Pfingsten in der Kirche gebetet und hatten dabei das Pfingstwunder als ideales Bild des Aufbruchs und der Erneuerung des Lebens vor Augen. Damals waren die verängstigen Jünger in Jerusalem wie umgewandelt und erzählten ohne Angst und voller Lebensfreude ihre Erfahrungen mit Jesus von Nazareth, dass er getötet wurde und zum Leben auferstanden sei. Im Bild von Feuer und Sturm schildert die Bibel diese Auswirkungen der Geistsendung. Aber – und das haben wir oft überlesen – im Vers 12 steht so ganz nebenbei der Satz: Sie waren alle ratlos! Könnte das nicht bedeuten, dass dort, wo die Ratlosigkeit zunimmt,  der Geist Gottes erst recht am Werk ist!?

Wenn wir heute keine triumphalistischen Kirchenfeste mehr feiern können, weil sich viele Menschen vom kirchlichen Lebens verabschiedet haben, wenn wir immer ratloser werden in den brennenden Fragen unserer Zeit, dann ist das nicht nur negativ, sondern möglicherweise ein Zeichen für das Wirken des Hl. Geistes, der ein neues Königtum Christi vorbereitet: Christus erscheint als der gute Gott unter uns, der nicht gekommen ist, zu herrschen, sondern zu dienen.

Ein solches Christkönigsfest müssen wir heute feiern.

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