Ein frohes Fest in Sicht

Predigt am 3. Adventsonntag – 16. Dezember 2012
Lesungen:  Zef 3,14-17 / Phil 4,4-7 / Lk 3,10-18
Alle liturgischen Texte (hier)

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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Tochter-Zion

Nur noch eine gute Woche trennen uns vom Weihnachtsfest. Und schon jetzt flattern Postkarten, Briefe und E-Mails mit guten Wünschen ins Haus. Wir freuen uns, sind aber auch mit der Frage beschäftigt,  ob und wem wir denn gleich oder später antworten sollten.

Der häufigste Wunsch ist immer noch:  „Frohe Weihnachten“. Man darf vermuten, dass dahinter nicht nur eine schöne Tradition, sondern auch eine Erfahrung steckt: dass nämlich unser Alltag in der Regel recht gewöhnlich und manchmal auch freudlos ist.

Vor diesem Hintergrund mag es den Besucher des Sonntagsgottesdienstes am 3. Adventsonntag nachdenklich stimmen, wenn er in den beiden Lesungen fast nur von der Freude hört. Darf man solchen Verheißungen trauen oder sind sie – wie so oft – wieder nur der Versuch, sich trotz allem etwas mehr Lebensfreude einzureden?

Der Gründer der osteuropäischen jüdischen Frömmigkeitsbewegung Chassidim, Rabbi Baal Shem Tow, hat seinen Leuten in der Ukraine einen wichtigen Hinweis gegeben. Er sagt: „Wenn das Leben (der Juden) ohne Freude ist, wie soll Gott dann bei uns bleiben? Wo nur Trübsal herrscht, zieht Gott aus!“. Wir haben diese  jiddische Kultur mit den lebensfrohen Festen, Tänzen und Klezmermusik kennen und schätzen gelernt. Woher konnten diese – immer auch verfolgten – jüdischen Mitbürger so viel Zuversicht und Freude schöpfen? Sie haben sich an die Weisungen ihres Rabbi gehalten, der sagt: in Mitgefühl, Liebe und Gerechtigkeit leben, das sei ein Zeichen der lebensbejahenden und lebensfrohen Verbindung zu Gott. ER ist der wahre Grund unserer Freude.

Also liegt es doch an unserem Lebensstil, liegt es daran, dass wir nicht vergessen, das Antlitz Gottes zu suchen, auf seine Weisungen in den Hl. Schriften und Gottesdiensten zu hören. Da kann dann schon mal ein Psalmvers wie dieser Wunder wirken: „Befiehl dem Herrn deine Wege und vertraue ihm, er wird es fügen!“ (Psalm 37,5).

Heute jedenfalls, am 3. Adventsonntag, der früher auch den Namen Gaudete („Freut euch“!) hatte und an dem  der Priester statt des violetten ein rosa Meßgewand tragen kann, sind wir aufgerufen, der Freude Raum zu geben.

Freilich werden wir im Evangelium noch einmal mit einem Rippenstoß bedient. Der Bußprediger Johannes der Täufer ist nicht zimperlich. Eine billige Freude, wie sie von der Massenwerbung verheißen wird, gibt es da nicht. Wir sind schon eingeladen, das wichtigste Gebot in die Tat umzusetzen: das Leben und die Güter mit unseren Mitmenschen zu teilen, die Armen nicht zu vergessen und sich nicht auf  Kosten Anderer zu bereichern. Da ist noch viel Bekehrungspotential zu wecken, bei den Mächtigen, Reichen, Managern, aber natürlich auch bei jedem einzelnen von uns.

Wir wissen es doch: die einfachen und bescheidenen Menschen strahlen oft eine größer Freude und Lebenszufriedenheit aus als mancher Erfolgsmensch unserer Gesellschaft.

So gehen wir die letzten Tage auf Weihnachten zu, suchen immer wieder Zeiten der Stille und Besinnung, damit Weihnachten für uns alle ein wirklich frohes Fest wird. Der Grund ist angesagt: „Gott, der Retter, ist im Kommen! Er schenkt uns seine Nähe“.

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