Suchen und finden – lernen von weisen Menschen

Predigt am Fest der Erscheinung des Herrn
Hl. Drei Könige  – 06. Januar 2013

Lesungen:  Jes 60,1.6 – Eph 3,2-3a.5-6 – Mt 2,1-12
Alle liturgischen Texte (hier)

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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magierWer zuhause eine Krippe hat, wird heute die Figuren umstellen und Platz machen für drei neue: für die Magier. Von ihnen haben wir gehört, dass sie ihre Heimat verlassen haben und einem Stern gefolgt sind. Nach ihren Berechnungen war das ein Zeichen für die Geburt eines neuen Gott-Königs, der in Palästina zur Welt kommen sollte. Im Kind von Bethlehem erkannten sie dann den Mensch gewordenen Retter-Gott.

Was könnte diese Geschichte uns heute sagen?

Astronomen haben nachgewiesen, dass in jenen Tagen eine auffallend helle Sternenkonstellation – Saturn und Jupiter nähern sich an – am Himmel zu sehen war. Aber diese Geschichte mit dem Stern und den drei Magiern steht nur in der Bibel und ist historisch nicht nachweisbar.

Bekannt ist, dass es im Volk der Parther im Gebiet des heutigen Iran Priester und Sternkundige mit einem Wissen auf hohem Niveau gab. Die Parther verehrten den Lichtgott Mithras, der in einem ständigen Kampf gegen den Gott der Finsternis am Ende als Sieger hervorgehen würde. Er war der Herrscher über den Kosmos und gab ihm sichere Ordnung. Auch wußte man, dass der Stern Jupiter das Symbol des Lichtgottes war, hingegen Saturn das Symbol für die Region in Palästina. Wenn sich nun beide Sterne am Himmel begegnen, und das war im Jahr 7 vor Christus der Fall, konnte diese Himmelserscheinung für die sternkundigen Priestergestalten damals Anlass gewesen sein, nach dem neuen Lichtgott im Westen zu suchen.

Wie dem auch sei. Die Geschichte hat wegen ihrer starken Symbolkraft in jedem Fall Bedeutung für uns, weil wir ein ganzes Leben lang Suchende sind und Ausschau halten nach einer göttlichen Macht, die die Welt im Innersten zusammenhält und unserem Leben Sinn gibt. Unzufrieden und unruhig sind wir mit den bloßen Tatsachen. Wir ahnen, dass es noch mehr geben muss, als das Vorhandene, das Messbare und Sichtbare. Und als Suchende könnten wir von den Hl. Drei Königen einiges lernen.

Das erste ist die Achtsamkeit und das Staunen gegenüber allem, was ist.
„Habt Acht!“ Dieser Appell stammt aus der militärischen Sprache. Die Mitmenschen in Dienst der Sicherheit müssen aufmerksam und konzentriert bei der Sache sein. Sie sind immer „auf dem Sprung“ in der Erwartung einer zu erledigenden Aufgabe.

Die Hl. Drei Könige – heute weiß man, dass es Priestergestalten, Magier und sternkundige Wissenschaftler waren – waren achtsame Leute. Sie beobachteten die Zeichen der Zeit. Sterne dienten immer schon der Orientierung in Raum und Zeit. Sterne sieht man aber nur, wenn es draußen dunkel ist. – Ob das nicht ein schönes Symbol ist? Manchmal muss es um uns dunkel werden, auch wenn das Angst macht, damit wir wieder nach den Sternen Ausschau halten. Wenn es zu hell ist, müssen wir sogar die Dunkelheit freiwillig aufsuchen.

Das scheint ein Lebensgesetz zu sein. Auch der Prophet Jesaja hat in den dunklen Stunden seines Volkes von den Strahlen eines hellen Lichtes gesprochen. Lichtzeichen erkennt man nur im Dunkeln. Wenn es also dunkel wird in unserem Leben, ist Hoffnung und Zuversicht erst recht angesagt. Nur achtsam muss man sein – und geduldig Ausschau halten.

Das zweite ist der Mut, aufzubrechen und loszugehen in Richtung des Lichtes
Man muss einer Leuchtspur nachgehen. Das heißt: aufbrechen wie die Weisen aus dem Osten. Sogar die Grenzen des eigenen Lebensraumes haben sie überschritten. Sie suchten den, der jenseits aller menschlichen Grenzen Herr und Herrscher ist: den verheißenen Messias-König.  Herodes, so schreibt Lukas, erschrak über die Nachricht, dass da ein neuer Herrscher zur Welt gekommen sei, weil er das Gefüge seiner Herrschaft bedroht sah.

Der Herodes in uns wird auch erschrecken, wenn wir uns dem neugeborenen König und Herrn suchend nähern. Es wird Über­raschungen geben in unserem Leben und wir werden möglicherweise Wege geführt, die wir uns im eigenen Kopf  nie ausgedacht hätten. Wenn Gott Herr unseres Lebens wird, ändern sich die Machtverhältnisse in uns und um uns.

Aber es ist besser, aufzubrechen und loszugehen, als immer nur die beschwerlichen Zustände zu beklagen. Veränderungen geschehen nicht von selbst. Mach es wie die drei Weisen: mach dich auf die Suche, tue etwas, um deinen Zustand zu verändern. Brich auf und geh: das ist die bewundernswerte Haltung der Hl. Drei Könige.

Das dritte ist die Bereitschaft zu Anbetung.
Christliches Leben wird nicht gelingen, wenn einer nicht bereit ist, niederzufallen und anzubeten. Zum Wesen des christlichen Lebens gehört die Anerkennung Gottes als des Schöpfers und Herrn der ganzen Welt und aller Menschen, gehört die Haltung des Staunens und der ehrfürchtigen Anbetung. Sie entspricht einfach der Wahrheit des Menschen, der sein Leben nicht sich selbst verdankt, sondern als Geschenk begreifen soll. Dem gegenüber, dem wir das Leben verdanken, müssen wir also Ehrfurcht zeigen.

Die drei Magier huldigten dem göttlichen Kind, fielen nieder und beteten an. Von ihnen lassen sich diese Haltung lernen:

  • Das Achthaben, also die Zeichen der Zeit beachten und lesen
  • Das Aufbrechen, also Handeln mit Mut und Zuversicht und nicht nur jammern  – und
  • Das Anbeten als Gegenkraft zum eigensinnigen Stolz

Die hl. Drei Könige sind Vorbilder für einen christlichen Lebensstil. Ihre große Entdeckung, dass das Kind in Bethlehem der Herr aller Mächte und Gewalten ist, hatte ihren Wissensdurst gestillt, ihr Suchen befriedigt. Auf einem anderen Weg – so erzählt der Evangelist – kehrten sie zurück in ihre Heimat. Sie ließen die angebotene weltliche Ehre des Herodes links liegen.

Frei und ohne Rücksicht auf die in der Welt Mächtigen kann der Christ seinen Lebensort suchen und heimkehren, wo er sich selbst und zuletzt Gott finden wird.

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