Taufe – nur Namensgebung?

Predigt am Fest der Taufe Jesu – 13. Januar 2013
Lesungen:  Jes 42,5a.1-4.6-7 / Apg 10,34-38 / Lk 3,15-16.21-22
Alle liturgischen Texte (hier)

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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jesutaufeDie meisten von uns wurden sehr früh nach ihrer Geburt getauft.  Persönlich können wir uns an dieses Geschehen nicht erinnern. Aber vielleicht gibt es noch Fotos oder einen Film von unserer Taufe. An diesem Tag haben wir auch unseren unverwechselbaren Namen erhalten.

Aus Märchen wissen wir, wie wichtig der Name für einen Menschen ist. Die Kenntnis des Namens ermöglicht Begegnung und Kontakt. Als „noname“ kann man untertauchen und sich verbergen: „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß“, wähnt sich der kleine Kobold in Sicherheit.  Mit der Enthüllung des Namens aber wird Rumpelstilzchen ansprechbar – und angreifbar.

Wer das nicht will, verbirgt seinen Namen: „Nie sollst Du mich befragen“, heißt es deshalb in der Oper Lohengrin.  Auch der Reisebegleiter des Tobias, der Engel Raphael, zögert zuerst, dem besorgten Vater Tobit seine Herkunft und seinen Namen zu offenbaren. Ein Namenloser bleibt irgendwie doch für die Mitmenschen unverfügbar.

Nun hatte Jesus bei seiner Taufe im Jordan bereits einen Namen: Jesus, hebräisch Jeschua, d.h. Gott rettet. Aber Lukas erzählt in der Taufszene Jesu von einer Stimme aus dem Himmel, die Jesus mit einem zweiten Namen offenbart: „Geliebter Sohn“.

Jesus ist mit seinem jüdischen Namen  einer von uns, aber in einer geheimnisvollen Verbergung, sodass die Menschen zeit seines Lebens fragen: „Wer ist dieser?“ Er fragt ja selber einmal seine Jünger, für wen ihn die Leute halten – und die Antworten fallen unterschiedlich aus. Die einen halten ihn für Elija, die anderen für Jeremia oder sonst einen der Propheten (vgl. Mk  8,27).

Jesus  bleibt trotz seiner Nähe zu uns immer auch in einer rätselhaften Distanz. Er ist ganz in der Sphäre Gottes zuhause. So hat er viele Namen. Der Prophet Jesaja etwa nennt ihn: Wunderbarer, Ratgeber, Starker Gott, Friedensfürst! Damit wird deutlich: der Mensch kann zwar Gott anrufen und ihm die Ehre erweisen, aber „Einfluß“ nehmen auf seine Entscheidungen kann er nicht, auch nicht durch Steigerung seiner religiösen Praxis wie Beten, Fasten, Almosen geben.

Welche Bedeutung haben solche Überlegungen am heutigen Fest der Taufe Jesu für unseren Alltag?

Jesus Christus hat sich durch die Teilnahme an der Taufe im Jordan ganz auf unsere Seite gestellt, ist einer von uns Sündern geworden. Herabgestiegen ist er in unsere Niedrigkeit. Eine größere Nähe zu uns konnte es nicht geben als die, sich mit uns, den Erlösungsbedürftigen zu solidarisieren.

Durch die Stimme von oben aber wurde erkannt, dass Jesus zugleich in einer besonderen Verbindung zu Gott steht. „Gott hat ihn über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr“, so Paulus an die Philipper (vgl. Phil 2,9).

Wir, die wir mit Christus durch die Taufe verbunden sind, nehmen also teil an seiner Menschennähe und an seiner Gottesnähe. Wir sind ganz in dieser Welt verwurzelt und gleichzeitig im Himmel beheimatet, ins Reich Gottes eingebürgert. Nicht mehr Beitrittskandidaten – wie die EU-Anwärter – sondern vollwertige Mitglieder. Wir heißen Kinder Gottes und sind es (1 Joh 3,1).

Ich denke manchmal, dass wir uns darüber gar nicht so im Klaren sind und deshalb möchte ich an ein Wort erinnern, das Papst Leo dem Großen (400 – 461) zugeschrieben wird.  Er rief seinen Gläubigen zu:  „Christ erkenne deine Würde! Du bist der göttlichen Natur teilhaftig geworden, kehre nicht zu der alten Erbärmlichkeit zurück und lebe nicht unter deiner Würde. Denk an das Haupt und den Leib, dem du als Glied angehörst. Bedenke, daß du der Macht der Finsternis entrissen und in das Licht und das Reich Gottes aufgenommen bist“.

Das Wissen um diese Würde kann unser Herz erfreuen und unseren Blick hell und freundlich machen. Wir wollen ja doch in diesen Tagen des Neuen Jahres auch neue Freude tanken und uns gegenseitig den freundlichen Blick schenken.

Welche Konsequenzen für unser Leben das haben könnte – nicht auszudenken. Wir müssen es aber bedenken: darum kommen wir ja jeden Sonntag zur Gedächtnisfeier zusammen, solange Gott uns die Zeit dafür schenkt, damit uns langsam aufgeht, was Gott an uns getan hat und was er immer wieder tut: Grund genug, in der Haltung der Dankbarkeit, des Friedens und der frohen Zuversicht zu leben.

Das Fest der Taufe Jesu ist in gewisser Weise auch unser Fest. Wir werden – ohne es zu ahnen, an unsere Würde erinnert und eingeladen, dieser Würde entsprechend zu leben.

In den beiden Lesungen wird diese Würde noch einmal verdeutlicht:

Jesus, der von Jesaja vorausverkündete wahre Mensch, tritt bescheiden und demütig auf. Er ist kein Schreier und Lärmer, sondern der stille, der sanfte und hilfreiche Freund. Deshalb kann er den Schwachen aufhelfen, die Mutlosen aufrichten, den Verzagten Hoffnung geben. Er ist ein Mensch nach dem Herzen Gottes. Ist das nicht auch eine bedeutsame Wahrheit für uns?

Petrus hat dies verstanden und in seiner ersten öffentlichen Rede von seinen Erfahrungen im Umgang mit Jesus erzählt: „Jesus von Nazareth, von Gott gesalbt mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, zog umher, tat Gutes und heilte alle“. Das war das  Lebensprogramm Jesu: „Wohltaten spendend einhergehen“. Das ist alles. Mehr hat Jesus zunächst gar nicht getan. Mehr wird auch von uns nicht erwartet: Geh deinen Weg und tu Gutes. Dann stehst Du auf der Seite Jesu und auf Dich treffen die geheimnisvollen Worte Gottes zu – vernommen am Tauftag Jesu: „Auch du bist mein geliebter Sohn“.

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