Hochzeit – ein Fest der Lebensfülle

Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis  – 20. Januar 2013
Lesungen:  Jes 62,1-5 / 1 Kor 12,4-11 / Joh 2,1-11
Alle liturgischen Texte (hier)

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz Regensburg (hier)
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hochzeit-kana„Des war net des beschte Stückle von unserm Herrn“. Mit diesen Worten soll ein schwäbischer Pfarrer einmal die Predigt zum heutigen Evangelium begonnen haben. Man kannte ihn als leidenschaftlichen Kämpfer gegen übermäßigen Alkoholkonsum.

In Kana ging es in der Tat um eine beachtliche Weinmenge, die durch Jesus bereit gestellt wurde. Jeder der sechs Krüge fasste ungefähr 100 Liter. Auch wenn man von einer große Schar von Gästen ausgeht und weiß, dass eine jüdische Hochzeitfeier eine Woche dauern kann, drängt sich schon die Frage auf,  ob das nicht doch des Guten zu viel war.

Beim Wunder von Kana geht es allerdings nicht darum, übermäßigen Weingenuss zu fördern und die Brautleute vor einer peinlichen Blamage zu bewahren. Der Evangelist Johannes deutet das Geschehen vielmehr als erstes Zeichen der Macht Jesu und als Offenbarung seiner Herrlichkeit (Joh 2,11). In diesem Wunder soll die lebensfrohe Wirklichkeit Gottes mitten in der Welt aufleuchten.

In der Liturgie steht deshalb der heutige Sonntag in einem engen Zusammenhang mit dem Fest der Erscheinung des Herrn und dem Fest der Taufe Jesu, das wir am vergangenen Sonntag gefeiert haben. Die Hochzeit zu Kana gehört noch zur Atmosphäre des Anfangs im Johannesevangelium. Zeichenhaft wird kundgetan, dass mit dem öffentlichen Auftreten Jesu ein neue Zeit angebrochen ist.

Die Propheten des Alten Testamentes haben diese  neue Zeit gerne im Bild eines festlichen Mahles geschildert. „Da triefen die Berge von Wein, alle Hügel sind von Wein überschwemmt!“ So beschreibt etwa der Prophet Amos das Kommen des messianischen Königs (vgl. Am 9,13).  Der Wein steht für Freude und Fülle. Der Überfluss an Wein, den Jesus bereitet, ist ein Zeichen für die Fülle des Heiles, das uns in Jesus geschenkt worden ist.

Vor dieser Fülle verblasst alles Bisherige. Sogar alle religiösen Leistungen nehmen sich dagegen klein aus. Die Kirchenväter haben deshalb die Verwendung der Wasserkrüge, die sonst für die vorgeschriebenen rituellen Waschungen der Juden dienten, als einen Hinweis gedeutet, dass mit dem Kommen Jesu das jüdische Gesetz aufgehoben wird. Seit Jesus steht nicht mehr die Befolgung der Gesetzesvorschriften im Vordergrund, sondern die Fülle des Lebens und der Freude, die mit dem Kommen Jesu anbricht! Fülle, Leben, Freude – das sind Worte, die im Johannesevangelium eine zentrale Rolle spielen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“, sagt Jesus an anderer Stelle (Joh 10,10).

Übrigens, jener skeptische Einwand des schwäbischen Pfarrers ist nicht ganz neu. Bereits der Kirchenlehrer Hieronymus (347-420) wurde einst gefragt, wie denn die Hochzeitsgesellschaft von Kana eine solche Weinmenge überhaupt vertilgen konnte. Hieronymus antwortete darauf: „Von diesem Wein trinken wir noch heute!“ Hier wird die symbolische Bedeutung des Weinwunders  über Kana hinaus deutlich.

Dieses Evangelium wird manchmal auch bei Hochzeiten vorgetragen. Manche Prediger weisen dann darauf hin, dass in jeder Ehe gelegentlich der „Wein der Freude“ ausgeht und durch die „Wasser der Trübsal“ ersetzt werden. Dann ist es gut zu wissen, dass der „Dritte im Bunde“ immer noch einen Weg aus der Not kennt. Er kann Wasser in Wein verwandeln.

Wie kann man so etwas behaupten, fragen wir mit Recht. In den beiden Lesungen lassen sich Spuren einer Antwort finden. Das eine ist die  prophetische Tradition im Volk Gottes. Bei Jesaja bricht sie immer wieder durch – eine Hoffnung wider alle Hoffnung, eine Zuversicht, obwohl es anscheinend keinen Grund dafür gibt. Wäre das alles nur ein Schönreden und eine Lüge, dann hätten sich solche Verheißungen längst aus der Sprachwelt der Menschen verabschiedet. Gott ist eben doch der, der sein Volk nicht im Stich lässt, der mit Eifer das Heil und die Rettung voranbringt. „Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich dein Gott über dich.“

Sicher hat Jesus diese Worte des Propheten gekannt und ist deshalb gern mit seiner Mutter zum Hochzeitsfest nach Kana gegangen. Von Nazareth nach Kana ist kein weiter Weg. Eine Hochzeit ist immer ein starkes Symbol für die Fülle des Lebens.

Einen zweiten Hinweis finden wir bei Paulus. Er will seiner Gemeinde die Augen öffnen für die vielfältigen Begabungen und Fähigkeiten, die – sieht man nur etwas genauer hin – in Korinth anzutreffen sind. Alles bewirkt ein und derselbe Geist: einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.

Drei Gedanken könnten wir für die kommende Woche aus diesem Gottesdienst mitnehmen:

  • Gott ist ein Gott des Lebens und der Lebensfülle. Christen sind keine Spielverderber und traurige Gestalten. Sie lassen sich von Gottes guten Gaben beschenken und trauen ihm zu, dass er ihnen die Lust am Leben gönnt.
  • Gegen allen Anschein – d.h. auch in bösen Tagen – sollen wir die Zuversicht auf den guten Ausgang nicht verlieren. Die Erinnerung an alles, was uns bereits an Gutem im Leben geschenkt worden ist, kann uns dabei helfen.
  • Keiner ist vollkommen. Jeder hat seine je eigene Begabung und Aufgabe. Sich mit anderen zu vergleichen, verstört nur das seelische Gleichgewicht. Sobald wir mit Dankbarkeit die guten Seiten unserer Mitmenschen anerkennen und würdigen, entdecken wir auch unsere guten Seiten. Und wir können einander dienlich sein für ein gelingendes Leben.
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