Esel oder Mercedes

Meditation zum Palmsonntag C – 24. März 2013
Evangelium: Lk 19,28-40

Geistliche  Gedanken aus St. Bonifaz  (hier)
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Immer, wenneinzug ich über den Einzug Jesu in die hl. Stadt Jerusalem nachdenke, kommt mir ein kritischer Kommentar über die Kirche in den Sinn: „Damals war es ein Esel, auf dem der Herr Jesus Christus in Jerusalem einzog. Heute ist es ein Mercedes, in dem die Herren der Kirche bei ihren Versammlungen und Gottesdiensten vorfahren“.

Gegenüber solchen Vergleichen bin ich sprachlos. Zumal gerade vor kurzem der neue Papst Franziskus I. einen anderen Stil gezeigt hat.  Die Menschen erwarten ja zurecht, dass sich die Kirche als eine arme Kirche für die Armen darstellt. Wie aber soll es gehen? Die Statussymbole der Macht allein sind noch kein Beweis für die wahre Gesinnung. Mujammar al-Gaddafi, der grausame Despot in Libyen bis 2011,  zeigte sich gern in einem Zelt, das er demonstrativ als Regierungssitz wählte.  Ein papamobil ist allein schon aus Sicherheitsgründen sinnvoll, wenn sich mehr als 200.000 Menschen auf dem Petersplatz in Rom versammeln. Feierliche Einzüge und öffentliche Auftritte wichtiger Persönlichkeiten werden immer missverstanden.

Es bleibt die bange Frage: Wie geht es nun richtig und angemessen zu, wenn Gott zu den Menschen kommt – denn daran sollen doch solche Einzugsrituale erinnern. Oder: wie können Menschen das Kommen Gottes glaubhaft darstellen? Wie sollen seine Diener zu den Menschen kommen? Und wie werden sie von den Menschen aufgenommen?

Nach wir vor gibt der Einzug Jesu in Jerusalem den Maßstab. Wenn Gott zu den Menschen kommt, kommt er in Armut und Demut, machtlos und wehrlos. Das zeigte sich schon in seiner Menschwerdung in Bethlehem.  So also sollten seine Zeugen zu den Menschen kommen: in demütiger Haltung, machtlos und wehrlos. Franziskus I. hat gerade versucht, dies darzustellen.

Esel oder Mercedes; das ist erst in zweiter Linie eine Frage.

Jesus, der erste und getreue Zeuge Gottes, zieht im Wissen um seine göttliche Sendung und Macht in Jerusalem ein und riskiert ein Missverständnis! Er weiß, dass das Volk ihm zwar zujubelt, aber wenig später – umgestimmt durch seine Führer – von Pilatus seine Verurteilung und seinen Tod am Kreuz verlangt.

Wer Zeuge Gottes in dieser Welt sein will,  muss wie Jesus in Demut zu den Menschen kommen. Er muss das Risiko des Missverständnisses wagen und darf sich nicht wundern, wenn die Stimmung des Volkes tatsächlich gegen ihn umschlägt.

Am Palmsonntag beginnt die Hl. Woche, die uns in den gottesdienstlichen Feiern näher an Jesus Christus heranführt.

Der Evangelist Lukuas schließt seine Darstellung vom Einzug Jesu in Jerusalem mit einem Wort an die verärgerten Pharisäer: „Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien“. Der Jubel des Volkes war den Pharisäern nicht geheuer. Sie konnten damit nichts anfangen. Jesus läßt es geschehen. Er weiß, dass die ganze Schöpfung – selbst die leblose – Grund zum Jubel hat, weil er von Gott her gekommen ist in diese verlorene Welt, um ihr den Frieden und die Versöhnung zu bringen.

Die Karwoche ist die dramatische Inszenierung des größten und wichtigsten historischen Ereignisses der ganzen Weltgeschichte:  „Gott hat gesprochen: Ich will unter ihnen wohnen und mit ihnen gehen. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein“ (2 Kor 6,16). Dies ist nun wirklich ein Grund zum Jubel.

 

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