Wie im Himmel so auf Erden

Predigt am Fest Christi Himmelfahrt C – 09.05.2013
(Lesungen: Apg 1,1-11 / Eph 1,17-23 / Lk 24,46-53)
Alle liturgischen Texte (hier)

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)
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himmelfahrtWer heute von der Himmelfahrt Christi redet, muss mit vielen Missverständnissen rechnen. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Wir finden sie in der Vergangenheit, wir erleben sie heute und wir sehen sie auch künftig noch lange nicht ausgeräumt.

„Vor ihren Augen wurde er emporgehoben“, schreibt die Apostelgeschichte – und die fromme Volkskunst hat dieses Wort einfach inszeniert, wie man noch heute im Kloster Neustift bei Brixen erleben kann. Da wird in der Kirche die Figur des Auferstandenen mit einem Seil in die Höhe gezogen und verschwindet schließlich in einer Öffnung im Deckengewölbe.

 

Längst wissen wir, dass sich diese Vorstellung dem antiken Weltbild verdankt. Der Kosmos, so dachte man, habe drei Stockwerke: die Unterwelt wie ein Keller mit Säulen, die Erde wie einen Scheibe von diesen Säulen getragen und der Himmel wie ein Gewölbe oben. Man glaubte damals, genau zu wissen, in welchen Regionen wer beheimatet ist. In der Unterwelt hausen Tod und Teufel, im Himmel thront Gott und auf der Erde leben Menschen und Tiere. So einfach war das. Selbstverständlich müsse also ein Gott im Himmel wohnen. Die Menschen aber haben dort seit ihrer Vertreibung aus dem Paradies nichts zu suchen. Im Gegenteil. Wer sich anschickt, eigenmächtig den Himmel zu erobern, bekommt es mit dem unberechenbaren Gott zu tun. Er betritt einen für ihn verbotenen Raum. In religiösen Ritualen wird dieses Denken heute noch erkennbar. Es gibt so etwas wie einen „heiligen Raum“, den nur geweihte Menschen betreten dürfen (bis vor dem Konzil war das z.B. der Altarraum einer Kirche).

Mose  darf nicht bis zum Gipfel des Sinai hinaufsteigen.  Denn Blitz, Donner und Wolken umhüllen ihn. Er würde dem lebendigen Gott in die Hände fallen. Kein Mensch darf so nahe an den heiligen Gott herantreten, sonst muss er sterben.

Nur Gott allein also bewohnt den Himmel. Dagegen kann man nichts haben. Aber genau das ist nun der Anstoß und das Missverständnis schon für die Zeitgenossen der Apostel. Sie behaupten nämlich, Jesus, der in den Augen der Menschen eben nur ein Mensch war – noch dazu einer, der wegen Gotteslästerung zum Tod verurteilt worden war – dieser Jesus sei in die Sphäre Gottes, in den Himmel eingetreten. Das ist ungeheuerlich und nicht zu glauben.

Für uns Christen aber heißt das: dieser Jesus von Nazareth ist wirklich Gott – nicht nur ein Mensch. Er hat, wie es der Epheserbrief ausdrückt, zur Rechten Gottes Platz genommen und ist damit ein für alle mal von Gott selbst beglaubigt worden – vor den Augen der Apostel. Die Wahrheit der Stimme aus der Wolke, wie sie bei der Taufe Jesu zu hören war und auch auf dem Berg Tabor: „Dies ist mein geliebter Sohn“, diese Wahrheit wurde am Tag Christi Himmelfahrt ein für allemal bezeugt. Das ist das unerhört Neue am Evangelium: ein Mensch – ganz Gott.

Ein weiteres Missverständnis beobachten wir in unseren Tagen. Es hält sich hartnäckig. Denn wir haben den Himmel entzaubert. Er ist nicht mehr der unnahbare Bereich eines unnahbaren Gottes, sondern schlicht und ei