Das Brot des Lebens teilen

Predigt am Fronleichnamsfest –  30. Mai 2013
Lesungen:  1 Kor 11,23-26 – Lk 9,11b-17

MonstranzDie Eucharistie ist ein Geheimnis des Glaubens. Heftig wurde in der Zeit der Reformation um das richtige Verständnis gerungen.

Einige Theologen sagten, im eucharistischen Brot sei nur die Erinnerung an das Abendmahl zu sehen, ein Denkmal, das uns der Herr an sein Leiden uns Sterben hinterlassen hat. Die anderen hielten daran fest: in diesem Brot ist wirklich und wahrhaftig Jesus Christus zugegen. Die Hostie hat nur die Eigenschaften eines Brotes. Ihr inneres Wesen aber ist Christus selbst, auch wenn wir das nicht begreifen können. Auf eine Kurzformel gebracht: Jesus Christus ist uns mit dem Brot geschenkt oder Jesus Christus ist uns im Brot geschenkt.

Wir wollen heute an Fronleichnam nicht schwerwiegende theologische Fragen erörtern. Sie sind im Zusammenhang mit der Ämterfrage bis heute ein Thema in den ökumenischen Gesprächen. Wir wollen einfach auf Jesus schauen und von ihm lernen. So können wir unseren Lebensstil und unsere Gewohnheiten kritisch in den Blick nehmen und – wenn nötig – verändern. Die Verse 16 und 17 aus dem Evangelium werden uns dabei helfen.

Lukas schreibt über die wunderbare Brotvermehrung, dass für die Vielen nicht genügend Nahrungsmittel vorhanden waren. Die Aufforderung Jesu an seine Jünger: „Gebt ihr ihnen zu essen“ können diese nur resigniert beantworten: „Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische“. „Doch was ist das für so viele?“ – ergänzt der Evangelist Johannes in seinem Bericht (vgl. Joh 6,9).

Was dann folgt, stellen wir uns jetzt einmal in Zeitlupe vor:

  • Jesus nahm (die fünf Brote und die zwei Fische) entgegen
  • er blickte zum Himmel auf
  • er segnete die Brote und brach sie
  • er gab sie zum Austeilen

Schauen wir diese vier Gesten näher an.

Jesus nahm das Brot entgegen
Das ist ein Zeichen dafür, dass wir nichts aus uns selber haben, sondern alles aus der Hand anderer entgegennehmen.

Als wir noch Kinder waren, wurde uns das tägliche Brot einfach gegeben, im Säuglingsalter sogar eingegeben. Dann haben wir gelernt, uns das Brot selber zu besorgen, ohne daran zu denken, dass wir es in Wirklichkeit doch nur entgegen-nehmen können, weil andere es bereitgestellt haben. Das vergessen wir schnell. Wir tun so, als ob wir uns selbst aus eigener Kraft ernähren könnten. Für Dankbarkeit ist da kein Platz mehr. Heute könnten wir uns daran erinnern, dass wir alles, was wir zum Leben brauchen, eigentlich geschenkt erhalten – aus der Hand Gottes selbst – durch unsere Mitmenschen.

Jesus blickte zum Himmel auf
Was tun wir? Im Alltag schauen wir nach unten. Wir nehmen uns keine Zeit zum Aufblick, keine Zeit zum dankenden Gedenken an den Geber aller Gaben. Dieser einseitige Blick auf die Erde ist riskant. Wer nicht mehr zum Himmel aufblickt, verdirbt am Schluss die Erde. Beten ist kein Luxus, sondern eine der kostbarsten Begabungen des Menschen, die nicht verloren gehen darf.

Jesus segnete
Segnen (benedicere) heißt übersetzt: gut-heißen. Sagen, dass es gut so ist, wie es ist. Früher wurde kein Laib Brot angeschnitten ohne dass die Hausfrau ein Kreuzzeichen darüber gemacht hat, ein guter Brauch, der kaum mehr bekannt und nur mehr ganz selten praktiziert wird. Alles, was wir in die Hand nehmen, sollen wir also segnen. Wer segnet, weiß, dass er nicht aus sich selbst lebt. Und nur deshalb kann er – wie Jesus …

… austeilen
Das ist das Gegenteil von zusammenraffen, vom Geiz getrieben nicht mehr genug kriegen. Jesus lädt ein, großzügig auszuteilen, die Hände zu öffnen. Man muss nicht gleich an die Spende für den Bettler auf der Straße oder an der Haustür denken. Die gewöhnliche Habe, der private Besitz, ist  – wie die kath. Soziallehre sagt – sozial verpflichtend. Eigentum ist nicht reines Privateigentum. Das heißt: an den Gütern, die wir haben, sollen auch meine Mitmenschen Anteil erhalten. Ich soll teilnehmen lassen an dem, was ich besitze – und nicht ängstlich mit verkrampften Händen alles nur für mich festhalten. Jesus hat uns ein Beispiel gegeben: das Austeilen. Er behält nichts für sich, auch sich selbst schenkt er weg, sein Leben verschenkt er, wenn er am Kreuz stirbt, damit wir das Leben haben.

Das ist Fronleichnam – das Fest des Brotes, das weggeschenkt wurde für unser Leben. Das Fest des dankbaren Gedenkens, wie Thomas von Aquin in seinem Hymnus dichtete, ein „Denkmal, das uns mahnet an des Herren Tod“.

Und dieser Hinweis darf zum Schluss nicht fehlen: denn im Tod müssen wir alles hergeben – wie Jesus. Da bleibt uns nichts mehr übrig. Das Austeilen ist so wie das Einüben des Sterbens, unverzichtbar für das Leben bis zuletzt.

Vier Impluse könnten wir vom heutigen Fest in den Alltag mitnehmen:

  • alles dankbar entgegennehmen, was uns geschenkt wird
  • nach oben schauen, sich also an den Geber aller Gaben erinnern
  • segnen, also gut-heißen
  • und teilnehmen lassen, austeilen

Würden wir darin wachsen, dann geschähe ein Wunder unter uns, dann könnten die Menschen in unserem Verhalten ein Zeichen erkennen für das Reich Gottes.

Wo Menschen so leben wie Jesus gelebt hat, da geschehen Wunder und Zeichen. Da erkennt die Welt, dass Gott lebt und mitten unter uns wirkt. Die Monstranz, die wir durch die Straßen tragen mit dem Hl. Brot ist nur die kostbare Fassung eines unendlich kostbaren Geschenks: Jesus Christus selbst in diesem Brot will unter uns sein und uns zur ständigen Erinnerung an sein Lebensprogramm werden: das Lebensbrot mit anderen zu teilen.

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