Urlaub und Ferien von Gott?

Predigt am 19. Sonntag im Jahreskreis C – am 11. August 2013
Lesungen: Hebr 11,1-2.8-19 / Lk 12,32-48
Alle liturgischen Texte (hier)

UrlaubIm Urlaub und in den Ferien, so höre ich immer wieder sagen, gibt es keine Predigt. Da soll auch der Gottesdienst wie Ferien sein, also kurz und ohne anstrengende Gedanken. Andere Christen meinen, es gäbe keine Ferien von Gott. Ferien ohne Gott seien sogar verfehlt, denn der Mensch müsse sich an Leib und Seele erholen,  und zur seelischen Erholung gehöre eben auch, sich Zeit für Gott zu nehmen, zum Gebet, zu guten und hilfreichen Gedanken, zum Lesen in der Hl. Schrift, usw.

Wir wollen jetzt nicht herausfinden, wer recht hat, sondern die  Zeit im Gottesdienst als eine geschenkte Zeit verstehen, in der wir einmal nach Gründen zur Dankbarkeit Ausschau halten. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass wir hier sind, in die Kirche gehen können – viele Kranke würden gerne kommen und schaffen es nicht.

Verschenken wir also die Zeit an Gott und hören wir, was er uns sagen will.

Zwei Sätze aus Lesung und Evangelium sind es wert, in das Album unseres Lebens eingetragen zu werden.

Der 1. Satz: (aus dem Hebräerbrief): „Glaube ist Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“.
Der 2. Satz (aus dem Lukasevangelium): – ein Wort Jesu: – „Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“

Wir alle achten Menschen, die  einen festen Standpunkt vertreten. Keinen festen Stand haben, also schwanken und wanken, ist unangenehm. Alkoholkranke führen es uns vor: im angetrunkenen Zustand drohen sie jeden Moment hinzufallen. Auf ihre Umgebung machen sie einen erbärmlichen Eindruck. Das Wort Schwindel, das uns dazu einfällt, verwenden wir in zweifacher Bedeutung. Wer einen Schwindelanfall hat, ist elend dran und muß sich sofort hinlegen. Schwindel wird aber auch als Vortäuschung von Tatsachen verwendet. Wenn über einen Menschen gesagt wird, er sei ein Schwindler, ist dies ein böses Urteil. Man unterstellt, er stehe nicht fest, sei wie ein schwankendes Rohr im Wind, habe kein Rückgrat, keinen festen Boden unter den Füßen.

Für den sozialen Frieden aber ist es unverzichtbar, zu wissen, wo einer steht, ob man auf ihn bauen kann.

Der Hebräerbrief vergleicht nun den Glauben mit dem Feststehen auf einem unsichtbaren und dennoch tragfähigen Grund, das Feststehen in Gott.

Der Glaubensschritt, den wir als Christen einüben müssen, geht also so: den Boden der eigenen Sicherheit verlassen und sich auf den festen Grund Gott stellen. Es ist wie das Aussteigen des Petrus damals – aus dem Boot im See von Genezareth. Petrus verließ das Boot und ging auf Jesus zu – ohne zu versinken – nicht weil sich das Wasser in festen Boden verwandelt hatte, sondern weil er den Herrn vor Augen hatte und weil dieser ihm in den Sekunden des Zweifels die rettende Hand entgegenstreckte.

Gott als den sicheren Standpunkt wählen, das heißt Glauben. Stimmt es denn nicht, dass schließlich alles in dieser Welt vergeht, wirklich alles – und dass nur Gott allein bleibt? Warum also nicht gleich den sichersten Standpunkt wählen: einen, der ewig bleibt, dem vergänglichen vorziehen?!

Wer das einmal begriffen hat, versteht nun auch den zweiten Satz aus dem Evangelium: Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz.

Wo für mich der wichtigste Ort ist, dorthin kehre ich immer wieder zurück, in Gedanken und in der Tat. Bestimmte Orte suchen wir immer wieder auf, wenn sie mit guten Erinnerungen verbunden sind. Manche Menschen fahren z.B. jedes Jahr in den gleichen Ur­laubsort, weil sie wissen: hier geht es mir gut, hier habe ich mich immer gut erholt, das hilft mir für ein ganzes Jahr. Tage vor dem Urlaub sind sie schon mit ihren Gedanken dort, stellen sich vor, wie alles sein wird, gramen in ihren Erinnerungsfotos und können den Tag der Abreise gar nicht mehr erwarten. Immer drängt es uns dahin, wo wir für uns das Beste erhoffen.

Auf das religiöse Leben übertragen heißt das: wenn Gott für uns das Beste und Wichtigste ist, der Ort unserer letzten Sicherheit und Geborgenheit, dann wird unser Herz ihm auf der Spur bleiben und nach ihm suchen. Dann werden wir „auf dem Weg zu ihm“ bleiben, zu jeder Zeit, ob im grauen Alltag oder an festlichen Tagen.

Nach so viel Theorie nun noch ein paar Anregungen. Ob Gott wirklich trägt, ob er Seine Verheißungen erfüllt, das kann ich nur durch eine Probe aufs Exempel erfahren – und nicht durch den Verstand und die Absicherung in irdische Güter allein. Wir müssen also den scheinbar sicheren Boden unserer selbstgebauten Fundamente wie Geld, öffentliches Ansehen, Begabungen, Wissen, Einfluss, politische Macht, usw., manchmal verlassen und einen Schritt des Glaubens tun, um uns auf Gottes Verheißungen zu stellen.

Alle weltliche Sicherheit ist vergänglich, Gott allein, so glauben wir, hat Bestand. – Machen wir uns frei von unserem Sicherheitsstreben und gehen wir einen Schritt auf Gott zu. Er ist es, der uns trägt. Er hält unser Leben in seiner Hand. Unser Herz soll in Gott verankert bleiben. Dort ist unser verborgener Schatz. Als Glaubende sind wir überzeugt von Dingen, die man nicht sieht, sondern die man durch das Wagnis erproben kann.

An diesem Sonntag und in diesen Ferien wollen wir unseren Glauben erneuern, den Glauben, dass Gott es ist, der unser Leben hält und trägt, und unsere Hoffnung stärken, dass wir immer mehr ihn als unseren verborgenen Schatz erkennen, zu dem unser Herz hinstrebt und unsere Liebe zu dem, was kein Auge geschaut hat, dem unsichtbaren Geheimnis unseres Lebens, zu Gott selbst.

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)
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