Streit? Um Gottes willen!

Predigt am 20. Sonntag im Jahreskreis C – am 18. August 2013
Lesungen: Jer 38,4-6.8-10 – Hebr 12,1-4 – Lk 12,48-53
Alle liturgischen Texte (hier)

FeuerwehrWas ein richtiger Hauskrach ist, haben wir  schon erlebt. Meist entzündet er sich an Kleinigkeiten und endet in bösen Worten, Beschimpfungen, Ärger und Trauer. Es dauert dann oft einige Stunden oder auch Tage, bis die vertraute Lebensordnung wieder hergestellt ist.

Die Worte, die wir bei der Beschreibung solcher Streitigkeiten verwenden, sind nicht uninteressant. Sie könnten alle aus der Umgangssprache der Feuerwehr stammen:

  • ein Streit entzündet sich
  • der Wortwechsel ist hitzig
  • der Streit greift über auf die ganze Familie
  • man kann den Ärger nicht mehr eindämmen,
  • die Nachbarn sagen, da drüben brennt es

Streitigkeiten sind nicht schön und niemand wünscht sie. Im Gegenteil: wir sind Menschen, die den Frieden herbei sehnen und gut miteinander auskommen möchten.

Es mag deshalb befremdlich klingen, wenn wir heute im Evangelium Jesus von Entzweiung, Auseinandersetzung und Unfrieden sprechen hören, wo er selbst doch immer wieder den Frieden und die Versöhnung gepredigt hat.

Was ist seine Absicht – mit dem Bildwort vom Feuer, vom Kampf und von der Entzweiung der engsten Hausgenossen?

Streit entzündet sich an Meinungsverschiedenheiten, haben wir gesagt. Und Meinungsverschiedenheiten sind die Folge einer Entscheidung:

Du sieht die Sache anders als ich Ich habe mich so entschieden – du hast dich anders entschieden Das haben wir nicht gern. Wir möchten, dass alle einer Meinung sind – am besten unserer Meinung!

Jesus greift mit seiner Schilderung vom Hauskrach in die Lebenswirklichkeit des Menschen hinein, um eine viel wichtigere und folgenschwerere Entscheidung zu beschreiben – die Entscheidung für oder gegen ihn selbst – für oder gegen Gott.

Dass die Entscheidung für Gott solche Folgen haben kann, schmeckt uns zunächst gar nicht. Uns wäre es lieber, wenn wir mit Gott unsere Ruhe hätten. Wir würden ihn schon nicht vernachlässigen in den frommen Stunden unseres Lebens, wenn er uns ansonsten in Ruhe ließe, wenn er unseren Frieden nicht störte.

Wir möchten ja gerne gute Christen sein und unsere religiösen Pflichten erfüllen, aber Anstoß erregen bei den Mitmenschen und anders sein als die Anderen, das ist zu riskant, das könnte ja zu einem Familienkrach führen.

Ich nehme mich bei diesen ungewöhnlichen Gedanken nicht aus. Auch mir schmeckt das Evangelium manchmal bitter im Mund, wenn ich es in unserer freiheitlich und liberal gesinnten Gesellschaft sagen soll. Auch mir fällt es schwer, gegen den Strom zu schwimmen und gegen den herrschenden Trend zu leben.

Aber täuschen wir uns nicht. Wer sich für Christus und damit für einen neuen Lebensstil entscheidet, gerät in Konflikt mit den herrschenden Lebensgewohnheiten. Auf einmal muss er sich gegen andere verteidigen – wie in einer Kampfzone. Selbst Paulus spricht vom Kampf, vom Wettlauf und von einer dauernden Anstrengung, die das Christenleben mit sich bringt.

Wir haben vermutlich alle den Ernstfall noch nicht erlebt. Unsere Väter und Muter schon im Dritten Reich. Solange die Entscheidung für Christus im privaten Bereich durchgestanden werden muss, lassen sich immer noch Kompromisse finden. Wenn aber das Bekenntnis zu Christus auch gesellschaftliche Folgen hat, wie das zur Zeit unsere koptischem Mitchristen in Ägypten bitter erfahren, dann sehen die Dinge schon anders aus.

Der Hebräerbrief ist an Christen adressiert, die müde geworden sind, denen das Christsein eine Last wurde, die sich daher in der Gefahr der schleichenden Anpassung und des lautlosen Abfalls befinden.

Wir stehen heute in vergleichbaren Situationen. Darum darf an diesem Sonntag auch einmal ein ernstes Wort gesagt werden. Es ist falsch zu glauben, dass die Verheißungen des Evangeliums ohne Anstrengung und Kampf zu erlangen sind. Zwar ist die Gnade immer Geschenk, aber sie fällt nicht einfach in den Schoß, wie nichts auf dieser Welt, die eben kein Schlaraffenland ist.

Wo es um die Treue zu Christus geht, gibt es Entscheidungssituationen und manchmal keine Kompromisse. Wer Christ sein will, weiß, dass er Gott mehr gehorchen muss, als den Menschen und dass er eine ganz andere Lesart der Wirklichkeit einüben muss: nämlich eine von Gott her, nicht von der Welt her. Paulus nennt das ein neues Denken (vgl. Röm 12,2) das uns nicht in den Schoß fällt, sondern ein Leben lang errungen werden muss.

Der Prophet Jeremia handelte nach diesem Wort und die Hofbeamten des Königs brachten es fertig, ihn zu unterdrücken. Beinahe wäre er in der Zisterne zu Tode gekommen.

All das gäbe aber ein düsteres Bild und viel Hoffnungslosigkeit und Trauer für uns, wenn wir in dieser Lage von Gott allein gelassen wären. Dem ist aber nicht so. Gott lässt seine Geschöpfe nicht im Stich. Das hat er uns dadurch gezeigt, dass er seinen Sohn in die Welt gesandt hat. Er ist uns vorausgegangen, damit wir ihm vertrauensvoll folgen. Jesus Christus hat den Lebenskampf bereits gekämpft und ist Sieger geblieben. Wir können uns daran nicht oft genug erinnern.

Tod und Auferstehung – d.h. leidvolle Erfahrungen und Erlösung – das sind die zentralen Worte des Evangeliums. Ostern ist unser Hauptfest und jeden Sonntag erinnern wir an den österlichen Sieg Christi. Nur weil Er uns vorausgegangen ist, können wir ihm zuversichtlich folgen.

Paulus sagt einmal von sich: „Ahmt mich nach. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Glauben bewahrt.“ (vgl. Phil 3,17).

Lassen wir uns wieder ermutigen, für unsere Überzeugung als Christen einzustehen. Missverständnisse, Anstrengung und Kampf sind unvermeidbar, aber der Sieg ist sicher.

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)
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