Ermahnungen – nein danke!

Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis C – am 25. August 2013
Lesungen: Jes 66,16-21 / Hebr 12,5-7.11-13 / Lk 13,22-30
Alle liturgischen Texte (hier)

Ernst des Lebensheute hörten wir im Evangelium ernste und mahnende Worte Jesu. Sie passen so gar nicht in das Wellness-Gefühl, das wir aus dem Urlaub mitbringen wollten als religiöse Verstärkung unseres Hungers nach Leben und Glück. Gönnt uns denn Gott keine Auszeit, keine Erholung? Müssen wir denn ständig auf der Hut sein, um ja keine Fehler zu machen? Wo ist da noch Raum für die unbefangene Freude am Leben?

Wer so denkt, hat das heutige Evangelium aus dem Zusammenhang gerissen und einseitig verstanden. Wir kennen doch auch andere Worte Jesu und wissen, dass auch er sich immer wieder zur Erholung in die Einsamkeit zurückgezogen hat: Kommt her, ruht ein wenig aus“, war z.B. seine Einladung an die Jünger nach anstrengenden Tagen (vgl. Mt 65,31). Und ungemein entlastend ist seine menschenfreundliche Einladung: „Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“ (Mt 6,34).

Es muss also noch andere Gründe geben, warum Jesus auf die Frage nach der Zahl der Geretteten so ernst antwortet: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen“ (Lk 13,24). Sicher wollte er damit nicht Ängste schüren und zu einem gnadenlosen Wettbewerb um das endgültige Ziel des Lebens aufrufen.

Er möchte vielmehr daran erinnern, dass alles seine Zeit hat. Auch unsere Lebenszeit ist eine begrenzte Zeit. Man muss da nicht gleich an das Sterben denken.  Das Leben ist ein Spiel, heißt es in einem Lied; und wer es recht zu spielen weiß, gelangt ans große Ziel. Aber es ist eben auch eine ernste Angelegenheit!

Unser Wissen um unsere Endlichkeit  schläft im Alltag. Wir tun so, als ob es immer so weiterginge wie bisher. Wir wünschen uns, es möge uns immer besser und nicht schlechter gehen.  Hauptsache Gesundheit, ist so ein Allerweltswunsch. Gibt es keine anderen Hauptsachen?

Wer die Mahnrede Jesu ernst nimmt, wird seine Wichtigkeiten neu ordnen. Worauf kommt es an? Darauf, nicht zu vergessen, dass da einer auf uns zukommt, der das letzte Wort über jeden Menschen hat.

Nicht unsere Einteilungen in gut und böse, in gerecht und ungerecht, in zugehörig und nicht zugehörig ist maßgebend, sondern der unerforschliche Ratschluss Gottes. Dass da plötzlich die Letzten die Ersten sein werden und manche von den Ersten die Letzten, ist zu unserer Ernüchterung gesagt und als Mahnung, sich nicht das letzte Wort anzumaßen. Der Papst sagte auf dem Rückflug von Brasilien zum Thema Homosexualität: „Wer bin ich, dass ich über jemanden urteile?“ , ein sehr mutiges Wort.

Unsere Aufgabe ist es, wachsam zu bleiben und das Ziel des Lebens nicht aus dem Blick zu verlieren. Den Alltag glücklich bestehen kann man nur, wenn man weiß, worauf alles hinaus läuft. Und wenn man nicht blind und erlebnissüchtig in den Tag hinein lebt.

Mahnungen sind also nicht dazu da, Ängste zu schüren, sondern zu ernüchtern. So lässt sich auch der Hebräerbrief lesen, in dem das rätselhafte Wort von der Zucht des Herrn steht: „Wen der Herr liebt, den züchtigt er“ (Hebr 12,5). Hier hat sich die Erfahrung der Menschen niedergeschlagen. Wer auf sein eigenes Leben schaut, wird mit einem versöhnlichen Schmunzeln sagen können, dass die eine oder andere  Zurechtweisung, selbst wenn sie – wie früher üblich – handgreiflich war, doch nicht geschadet hat.

Was uns nicht verloren gehen darf, ist das Wissen, dass Gott der eigentliche Herr des Lebens ist. Was wir planen, veranstalten und bewirken, ist nur ein Teil unseres Glücks oder auch Unglücks. Vollkommene Werke können wir nicht hervorbringen. Wir sind keine Engel.

Vielmehr gilt ein weiser Grundsatz: das Machbare ist mit dem Wunderbaren geheimnisvoll verschränkt. Es schadet nicht, gelegentlich den Glauben an die Vorsehung Gottes zu erneuern. Nur der kann gelassen und frohgemut durchs Leben gehen, der an die Gnade, die Kraft und die Liebe Gottes glaubt, auch dann, wenn ihm seine Wege rätselhaft und unverständlich erscheinen. Jesus Christus ist der Garant dafür, dass Gott uns nicht an der Nase herumführt, sondern das Beste für uns im Sinn hat, das endgültige Ziel unserer Lebensreise, die Gemeinschaft mit Ihm und der Friede untereinander. Der Prophet Jesaja kleidet dies in das Bild der großen Völkerwallfahrt. Da ist kein Mensch mehr ausgeschlossen, keine Konfessionen und Religionen, keine Zugehörigkeit zu einer Rasse oder Weltregion wirkt mehr trennend und ausschließend. Allen Menschen ist Heil und Leben von Gott her verheißen. Das irdische Lebensende ist nur eine Atempause in der unendlichen Weite der Zeiten.

Der letzte Satz im Credo – oft beten wir ihn gedankenlos – könnte ein Denkzettel sein, eine Notiz ins Tagebuch oder auf den Schreibtisch: „Wir glauben (nämlich) an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben. Amen.“

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)
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