Das liebe Geld

Predigt am 25. Sonntag im Jahreskreis C – am 22. September 2013
Lesungen: Amos 8,4-7 / Lk 16,1-13
Alle liturgischen Texte (hier)l

Geldbeutel-1Die Worte der Hl. Schrift sind wie ein Spiegel, der uns vorgehalten wird – und wir erkennen darin, wie wir mit den materiellen Gütern, mit Reichtum und Geld umgehen.

Täglich – fast schon stündlich – veröffentlichen die Medien Börsenberichte. Ein einziges unbedachtes Wort eines Finanzfachmanns, Gewinnwarnungen von Unternehmen, angekündigte Firmenzusammenschlüsse oder Ölpreisschwankungen lassen die Börsianer erzittern. Nervös reagieren die Anleger. Die Politik erscheint machtlos gegenüber der Allmacht des Geldes.

Menschen, die vom Geldmarkt leben, ist die eigenartige Unruhe vertraut. Aber sie müssen sich auch die Frage gefallen lassen, warum ihnen das alles so wichtig geworden ist? Warum können sinkende Börsenwerte im Erleben der Menschen wie eine Naturkatastrophe wirken?

Weil Geld immer noch Wohlstand, Sicherheit und Freiheit garantieren. Weil Geld auch Macht ist: der Reiche kann sich nahezu alles leisten. Der Arme ist im wahrsten Sinn des Wortes „arm dran“.

Das ist nichts Neues unter der Sonne. Das war immer schon so, auch vor und nach Christus. So führten etwa die Römer als Besatzungsmacht in Israel ihr Geldsystem ein und beuteten die kleinen Leute durch Wegezölle und den notwendigen Geldwechsel aus. Römische Münzen waren Zeichen der römischen Macht und deshalb stellten die frommen Pharisäer Jesus die Fangfrage, ob es erlaubt sei, dem Kaiser in Rom Steuern zu zahlen. Indirekt, so fürchteten sie, würde damit die Macht Gottes gegenüber der Macht des römischen Kaisers in Frage gestellt.

Der Prophet Amos – er lebte im 8. Jh. vor Chr. – ärgert sich über die sozialen und religiösen Missstände in seinem Land. In seiner Mahnrede, aus der wir einen Abschnitt gehört haben, entrollt er das Bild einer reichen Oberschicht, die in ihrem Reichtum gedankenlos und selbstsicher dahinlebt. Amos prangert diese Haltung an, weil sie direkt dem widerspricht, was Jahwe, der Gott Israels, von seinem Volk erwartet: nämlich soziale Gerechtigkeit und Augenmass, einen Blick für die Armut der Armen und Hilfsbereitschaft – statt bloße Sicherung und Mehrung des eigenen Reichtums. Reichtum und Geld werden zwar von Amos nicht schlecht geredet, aber den gedankenlosen Umgang prangert er an. Gott, so warnt er, wird dieses Tun niemals vergessen.

Die Botschaft der Bibel ist immer aktuell. Wenn unsere Finanzfachleute nicht nur darum besorgt wären, ob der Wert des Geldes schwindet oder wächst, sondern ob das Geld auch gerecht verteilt wird, vielleicht wären sie dann nicht mehr so nervös und ängstlich. Sie könnten sich an ein Wort Jesu aus der Bergpredigt halten. Jesus empfiehlt den Abschied von einer übertriebener Sorge. Wir könnten doch, so meint er, mit all unserer Sorge unserem Leben nicht eine einzige kleine Zeitspanne hinzufügen.

Gelassener könnten wir werden trotz aller Geldsorgen, wenn wir unsere Endlichkeit annähmen, wenn wir uns immer wieder daran erinnerten, dass die Sorgen eines Tages ein Ende haben werden – beim Abschied von dieser Welt. Dann wird nicht mehr wichtig sein, wie reich einer war, welches Bruttosozialprodukt eine Nation erwirtschaftet hat, sondern was einer mit seinem Reichtum angefangen hat, wie sich ein Staat zum Wohl der Armen in der Welt engagiert oder nicht engagiert hat.

Im Gleichnis vom ungerechten Verwalter lobt Jesus nicht dessen Gaunereien, sondern seine Klugheit: weil er – wenigstens am Ende seiner Karriere – den Ernst seiner Lage begriffen und entsprechend gehandelt hat. Klug ist (in diesem Zusammenhang), wer an den Tag der Rechenschaft denkt. Der Reichtum, auf den die Menschen sich oft zu sehr verlassen – in der Bibel wird er auch Mammon genannt – ist unzuverlässig und tendenziös ungerecht, wenn er nicht auch den weniger Bemittelten zugute kommt: Niemand hat ein Recht auf Überfluss, solange es in der Welt Armut gibt – und die ist erschreckend groß geworden.

Dieser einfache Grundsatz ist für uns nicht neu. Aber er muss in die Tat umgesetzt werden. Unseren Umgang mit dem Geld und mit den Sachwerten müssen wir immer wieder überprüfen. Die kath. Soziallehre hat dazu gute Gedankenarbeit geleistet. Sie formulierte den Satz von der „sozialen Verpflichtung des Eigentums“. Alles, was ich habe und besitze, habe und besitze ich nicht ausschließlich für mich und zu meinem Nutzen, sondern auch zu Gunsten meiner Mitmenschen und zu ihrem Nutzen. Das heißt nicht, dass die Besitzenden verarmen sollen oder dass ihr Streben nach Gewinn zu verurteilen wäre. Aber es heißt zu fragen, was sie tun könnten, um mehr Gerechtigkeit zu fördern.

Immer wieder einmal hört man von Verantwortlichen in Kirche und Gesellschaft den Aufruf zum Schulderlass für die Ärmsten der armen Nationen. Leider aber wird diese Idee nur sehr zögerlich umgesetzt.

Von den Verantwortlichen auf den Finanzmärkten unserer Welt erwarten wir mehr Solidarität. Und jeder einzelne von uns sollte ab und zu nicht nur seine Bankauszügen studieren, sondern auch über seinem Umgang mit Eigentum und Geld nachdenken. Wir können vom Evangelium lernen, dass Glück und Zufriedenheit nicht allein am Besitz hängen, sondern vor allem eine Herzenssache sind.

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)
[print_link]

 

Print Friendly, PDF & Email