Achthaben – Aufbrechen- Anbeten

Predigt zum Fest der Erscheinung des Herrn – Dreikönig
(Lesungen: Jes 60,1-6 / Eph 3,2-3a.5-6 / Mt 2,1-12)

Das heutige Fest ist ein schönes und reichhaltiges Fest: gleich drei Namen hat es vorzuweisen: Dreikönigsfest, Fest der Erscheinung des Herrn und – für die Kirchen des Ostens, die einen anderen liturgischen Kalender haben, das Fest der Menschwerdung Gottes, ihr eigentliches Weihnachtsfest.

Die von Haus zu Haus ziehenden Sternsinger und das Segnen der Wohnungen mit Weihwasser und Weihrauch geben diesem Tag einen besonderen Akzent.

Dass es drei Gott suchende Menschen waren, die heute im Mittelpunkt des Evangeliums stehen, erinnert mich an drei Haltungen oder Eigenschaften, die jeder Mensch braucht, wenn er Gott in seinem Leben suchen will.

Das erste ist die Achtsamkeit gegenüber allem, was ist.

„Habt Acht!“ Dieser Appell kommt eigentlich aus der militärischen Sprache. Die Bürger in Uniform müssen aufmerksam und konzentriert bei der Sache sein, immer bereit, im Ernstfall aufzubrechen und auszurücken. Sie sind immer „auf dem Sprung“, in der Erwartung einer zu erledigenden Aufgabe.

Die Weisen aus dem Morgenland waren achtsame Leute. Sie beobachteten die Zeichen der Zeit. Sterne waren damals Zeit- und Raumzeichen. Sie dienten der Orientierung auf Reisen. Sterne sieht man aber nur, wenn es draußen dunkel ist. – Ob das nicht ein schönes Symbol ist? Manchmal muss es um uns dunkel werden, selbst wenn uns das Angst macht, damit wir wieder nach den Sternen Ausschau halten.

Das scheint ein Lebensgesetz zu sein. Auch der Prophet Jesaja hat in den dunklen Stunden seines Volkes – in der babylonischen Gefangenschaft – von den Strahlen eines hellen Lichtes gesprochen. Lichtzeichen erkennt man nur im Dunkeln. Wenn es also dunkel ist in unserem Leben, ist Hoffnung und Zuversicht erst recht angesagt. Nur achtsam muss man sein – und geduldig Ausschau halten nach Hoffnungzeichen.

Das zweite ist der Mut, aufzubrechen und loszugehen in Richtung des Lichtes, die der Stern weist.

 

Man muss einer Leuchtspur nachgehen – dem Lichtzeichen buchstäblich auf der Spur bleiben. Das heißt: aufbrechen wie die Weisen aus dem Osten. Sogar die Grenzen des eigenen Lebensraumes haben sie überschritten. Sie suchten den, der jenseits aller menschlichen Grenzen Herr und Herrscher ist: den verheißenen Messias-König der Welt. Herodes, so schreibt Lukas, erschrak über die Nachricht, dass da ein neuer Herrscher zur Welt gekommen sei, weil er das Gefüge seiner Herrschaft bedroht sah.

Der Herodes in uns wird auch erschrecken, wenn wir uns dem neugebornen König und Herrn aller Menschen suchend nähern. Es kann Überraschungen geben in unserem Leben und wir werden möglicherweise Wege geführt, die wir uns im eigenen Kopf nie ausgedacht hätten. Wenn Gott Herr unseres Lebens wird, ändern sich mit Sicherheit die Machtverhältnisse in uns und um uns.

Aber es ist besser, aufzubrechen und loszugehen, als immer nur beschwerliche Zustände zu bejammern. Veränderungen geschehen nicht von selbst. Mach es wie die drei Weisen: mach dich auf die Suche, tue etwas, um deinen Zustand zu verändern. Brich auf und geh. Das war die bewundernswerte Haltung der Heiligen Drei Könige.

Das dritte ist die Bereitschaft zu Anbetung.

 

Christliches Leben wird nicht gelingen, wenn einer nicht bereit ist, niederzufallen und anzubeten. Zum Wesen des christlichen Lebens gehört die Anerkennung Gottes als des Schöpfers und Herrn der ganzen Welt und aller Menschen, gehört die Haltung der ehrfürchtigen Anbetung. Sie entspricht einfach der Wahrheit des Menschen, der sein Leben nicht sich selbst verdankt, sondern als Geschenk begreifen soll. Dem gegenüber, dem wir das Leben verdanken, müssen wir also Ehrfurcht zeigen.

Die drei Magier huldigten dem göttlichen Kind, fielen nieder und beteten an. Von ihnen lässt sich diese Haltung lernen.

Achthaben, also die Zeichen der Zeit und Spuren des Lebens beachten und lesen,

Aufbrechen, also Handeln mit Mut und Zuversicht und nicht nur jammern und

Anbeten, als Gegenkraft zum eigensinnigen Stolz.

Die heiligen drei Könige sind Vorbilder für einen christlichen Lebensstil. Ihre große Entdeckungwar, dass das Kind in Bethlehem der Herr aller Mächte und Gewalten ist. In der Begegnung mit ihm wurde ihr Wissensdurst gestillt, ihr Suchen befriedigt. Auf einem anderen Weg – so erzählt der Evangelist – kehrten sie zurück in ihre Heimat. Sie ließen die angebotene „weltliche Ehre“ des Herodes links liegen.

Frei und ohne Rücksicht auf die in der Welt Mächtigen kann der Christ seinen Lebensort suchen und eine innere Mitte, eine Heimat für sich finden, wenn er Gott gefunden hat.

 

 

 

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