Drei Suchende

Fest der Erscheinung des Herrn – Dreikönig  06. Januar 2014
Lesungen: Jes 60,1-6 / Eph 3,2-3a.5-6 / Mt 2,1-12
Liturgie  (hier)
Am Ende des Textes besteht die Möglichkeit, die Predigt anzuhören – durch Klicken auf das kleine Dreieck links im schwarzen Balken
Das Fest Erscheinung des Herrn, auch als Dreikönigsfest bekannt, ist eigentlich ein zweites Weihnachtsfest. Was der Evangelist Matthäus in seinem Evangelium berichtet, ist die notwendige Fortsetzung des Geschehens, das Lukas überliefert hat: das Ereignis im unbedeutenden Bethlehem galt nämlich der ganzen Welt, und nicht nur den Hirten.  Und darum mußte sich „die ganze Welt“ für Bethlehem interessieren, mußte aufbrechen und nach Bethlehem gehen, um zu sehen, was da geschehen war.

Drei Repräsentanten der damaligen Welt machen sich auf den Weg. Sie kommen aus dem Osten, jener Gegend, in der immer wieder mächtige Staaten ihre politischen Interessen bis zum Mittel­meer hin anmeldeten. Oft genug hatte Israel unter den Großmächten des Ostens zu lei­den. Diese Drei aber kommen nicht mit einem Kriegszug, son­dern als Suchende.

Wir verstehen die Symbolik der Erzählung besser, wenn wir diese drei Gestalten ein­mal als Vertreter aller suchenden Menschen begrei­fen. Wer die Wahrheit sucht, kommt ans Licht. Genau das kann man am Lebensschicksal der Drei ablesen: das helle Licht eines Sterns über Bethle­hem ist ih­nen Wegweiser und Zielpunkt zugleich. Angekommen in Bethle­hem, geht ihnen ein Licht auf. Sie erkennen in dem Neugebore­nen den Retter Israels und der ganzen Welt. Die Himmelser­scheinung des Sterns gibt ihnen die Bestätigung für das Besondere an diesem neugeborenen Kind.

 

Ich werde am Schluß nocheinmal zurückkommen zu den drei Königen, jetzt aber einen Blick auf die anderen Personen werfen, die Matthäus noch in sei­ner Erzählung erwähnt: die Schrift­gelehrten und Hohenpriester in Jerusalem und den König He­rodes.

Suchende und fragende Menschen können einem auf den Geist gehen. Sie stö­ren, vor allem, wenn sie das Gewohnte und Ver­traute immer wieder mit ihren bohrenden Worten in Frage stellen. Da herrscht in Jerusalem der Despot Herodes. Die religiösen Führer versuchen, sich so recht und schlecht mit ihm zu arrangieren, um ihre amtlichen Aufgaben er­füllen zu können. Religionsausübung sucht immer auch staatlichen Schutz. Herodes fühlt sich mächtig  genug, um eine gewis­se Religionsfreiheit zu gewäh­ren. Aber er hat Angst, wie so oft die Mächtigen dieser Welt: Angst vor dem Tag, an dem ihm die Macht genommen werden könnte.

Deshalb ist die Frage der drei Weisen aus dem fernen Osten für ihn ein Schock: einen neugeborenen König der Juden soll es geben? Das könnte ja meinen Thron kosten!? – Vom Mes­sias ist schon seit langem im Volk die Rede, von einem ganz anderen König, der nach Recht und Gerechtigkeit regiert und nicht nach Lust und Laune – und der sich vor allem der Ar­men an­nimmt und nicht mit herrschaftlichem Reichtum protzt.

In den Hl. Büchern steht es geschrieben. Eines Tages wird er kommen und der unheilen Welt den Anfang des Heils schen­ken. Also müssen doch die Fachleute der Hl. Schriften Bescheid wissen. Herodes lädt sie zu einem theo­logischen Gespräch ein. Sie sollen ihm erklären, was es mit dieser seltsamen Frage der drei Fremden auf sich hat: „Wo ist der neugeborene König der Ju­den?“ (Mt 2,2) Und die Schriftgelehrten finden tatsächlich in den Hl. Büchern den Hinweis auf einen Messias-König, der in Bethlehem im Lande Juda gebo­ren werden soll.  Also muß man dorthin gehen und dort nachforschen.

Die Suchenden machen sich also auf nach Bethlehem und kommen an – bei einem Kind, bei Maria und Josef. Dort verstehen sie die Welt nicht mehr. Dieses neugeborene Kind soll ein König sein? Wenn überhaupt, dann gewiß ein König von ganz anderer Art, ei­ner, dessen „Reich nicht von dieser Welt“ ist. So etwas gibt es, das erahnen die Drei und behalten ihre Ahnung für sich. In ihrem Herzen nämlich klärt sich der Widerspruch. Sie wissen jetzt, weltliche Macht allein kann den Menschen niemals befrieden. Da muß es noch etwas anderes geben, eine andere Macht – von Gott her, von einem Gott, der sich der Men­schen erbarmt und deshalb selber Mensch wird, um seinen Geschöpfen nahe zu sein. Wenn Gott ein Kind wird, dann hat er eine neue Art des Regierens vor. Darüber muß man nachdenken. Das geht so schnell nicht in den Kopf. Herr­schen ohne die gewohnten Symbole der Macht? Regie­ren ohne Polizei und Staatsanwalt? Wer wird es begreifen?

Matthäus erzählt, wie Herodes sein Problem gelöst hat. Enttäuscht von den Weisen, die auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurückkehren und in wachsender Angst um sei­nen Thron greift er nach einer sicheren Lösung. Er läßt alle Neugeborenen im Umkreis von Bethlehem kurzerhand umbringen. Eine grausame Tat, nur weil er nicht von seiner Macht lassen kann und zutiefst im Inne­ren seine Machtloskeit spürt. Es ist unbestritten: gerade diejenigen, die sich minderwertig fühlen und Angst haben, greifen oft zur Gewalt, um ihre Minderwertig­keitsgefühle zu bewältigen. Gott aber war dem Herodes längt zuvorgekommen und hatte die junge Familie aus Bethlehem wegziehen lassen. Für einige Jahre blieben sie im südlich gele­genen Ägypten, vor den Häschern des Herodes sicher.

Das Verhalten des Herodes und das Verhalten der drei Weisen stehen im krassen Widerspruch zueinander und enthalten eine wichtige Lehre:

  • Der Mensch, der wie Herodes seine Macht krampfhaft und ängstlich festhält, wird sie verlieren. Wer über andere herrschen will, ohne ih­nen gleichzeitig wie ein guter Hirte zu dienen, verdirbt sein Menschsein und schadet denen, die ihm anvertraut sind.
  • Der Mensch aber, der sich demütig auf die Suche macht und – obwohl er schon wer ist – immer noch weiß, daß er doch nur be­grenzte Möglichkeiten hat, daß es noch einen Größeren und Stärkeren gibt, nämlich den le­bendigen Gott – dieser Mensch, der sich noch niederbeugen kann, der anbeten kann und als Zeichen der Verehrung etwas von sich hergibt, sei es Gold, Weihrauch oder Myrrhe, der wird reich be­schenkt, erfährt Frieden und kann froh seinen Weg gehen.

Herodes kann für uns kein Vorbild sein. Er verlor das Maß und wurde zum Unmenschen. Die drei suchenden Weisen sind für uns Vorbilder: aufbrechen und suchen, Gottes erhabene Größe aner­kennen und das, was man hat, auch wenn es wenig ist, aus der Hand geben, das bringt einen Zugewinn an Leben, an Friede und Freude.

Die Erzählung der Drei Weisen hat sich im Lauf der Jahrhunderte immer wieder verändert. Nach der Entdeckung Afrikas – das weiß man heute – wurde einer der Drei schwarz angemalt. Unser Blick sollte so auch auf den schwarzen Erdteil gelenkt werden. Nicht nur uns Europäern, sondern allen Völkern ist das Heil verheißen. Und wer weiß: vielleicht werden wir eines Tages (nach einem Südamerikaner Franziskus) auch einen schwarzen Papst begrüßen, damit wir stolzen und reichen Europäer gedemütigt werden und unsere Brüder und Schwestern im Süden nicht ver­gessen. Seit das Kind von Bethlehem erschienen ist, können wir nicht mehr nur natio­nal denken. Wir müs­sen weltweit denken. Die drei Könige repräsentieren die ganze Welt, die weißen, die farbigen Rassen und Nationen. Je­sus Christus, der Mensch gewordene Sohn Gottes, ist aller Völker Herr. Das ist Grund genug, sich zu verneigen und anzubeten.

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

Print Friendly, PDF & Email