Taufe – mehr als nur ein Ritual

Fest der Taufe des Herrn – Lesejahr A – 12. Januar 2014
Lesungen: Jes 42, 5a.1-4,6-7 / Apg 10,34-38 / Mt 3,13-17
Liturgie  (hier)

Am Ende des Textes besteht die Möglichkeit, die Predigt anzuhören – durch Klicken auf das kleine Dreieck links im schwarzen Balken

Mit dem Fest der Taufe Jesu endet heute die Liturgie des Weihnachtsfestkreises. Nach den Kindheitsgeschichten, die nur die Evangelisten Lukas und Matthäus aufgeschrieben haben, wissen wir wenig über das Leben Jesu in Nazareth bis zu seinem öffentlichen Auftreten. Seine Taufe im Jordan kann als Beginn seines öffentlichen Wirkens gesehen werden.

Auch wenn wir keine persönliche Erinnerung an unsere eigene Taufe haben können, ist es gut, wieder einmal über den Sinn der Taufe nachzudenken. Es fällt nämlich auf, dass viele Eltern für ihr Kind die Taufe erbitten, obwohl sie oft keine Bindung mehr an die Kirche haben. Manche sind selber nicht getauft oder aus der Kirche ausgetreten oder sie leben unverheiratet zusammen; aber das Tauffest möchten sie nicht missen. Immerhin steht dieses Sakrament am Anfang der Christwerdung und Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche. Was bewegt die Eltern, die Taufe ihres Neugeborenen trotzdem feiern zu wollen?

In den Vorbereitungsgesprächen kann vieles geklärt und neu bewertet werden. Man kann z.B. die Taufe als eine „Liebeserklärung Gottes an den Menschen“ verstehen. Wir stellen unsere Kinder unter den besonderen Schutz Gottes. Gottes Weg zu uns geht über Jesus. Jesus solidarisiert sich mit uns. Er reiht sich in die Schar der Sünder ein, die Johannes der Täufer zur Umkehr und Buße eingeladen und dann getauft hat. Manchmal fragen sich die Menschen auch, warum Jesus eigentlich getauft wurde. Wieso musste er dieses Reinigungsritual erbitten, wo er doch der Sohn Gottes und ohne Sünde war?

So dachte wohl auch Johannes, der Jesus kannte – er war ja mit ihm verwandt und teilte mit ihm die Messiaserwartung. Beide waren Mitglieder einer religiösen Erneuerungsbewegung im Judenland. Johannes glaubte daran, dass dieser Jesus der Gesandte Gottes ist, der Heilige Israels, der Messias, der in einer besonderen Nähe zu Gott steht. Und deshalb zögerte er, ihn zu taufen. Jesus aber zerstreute seine Bedenken. Er wollte zeigen, dass er in seiner Menschwerdung wirklich ganz hinab gestiegen ist „in das Reich des Todes“, wie wir im Credo beten. Er wollte nahe bei uns Menschen sein – in allem uns gleich. Er wollte auch mit uns die Situation der Schuld und der Sünde teilen und sich in die Schar der Bußfertigen einreihen.

Jesus solidarisiert sich deshalb im Laufe seines Lebens auch öffentlich mit den Sündern, isst und trinkt mit ihnen, sucht ihre Nähe. Das ist ein wichtiges Signal für uns. Es bedeutet: auch im Zustand der Gottesferne, ist Gott in Jesus noch nahe, bleibt er in der „Bereitschaft der Rettung“.

Er vermag uns herauszuholen aus Schuld und Sünde, dem eigentlichen „Reich des Todes“. Er kann uns in das Reich Gottes, der Liebe und des Friedens hineinführen. Jesus will zeigen: ich bin Euch ganz nahe!

Die Taufe Jesu ist ein besonderer Vorgang. Denn es wird gleichzeitig offenbar, wer dieser Jesus von Nazareth wirklich ist. Nämlich der, von dem der Prophet Jesaja in bedeutsamen Worten gesprochen hat. Der Erwählte Gottes ist mit dem Hl. Geist ausgestattet und zu einer besonderen Sendung berufen. Er soll die Menschen in die gleiche Nähe zu Gott führen, die ihm selber eigen ist. Ausgeschlossen wird niemand, der sich nicht selbst ausschließt.

Dieser Erwählte Gottes wird seine Aufgabe auf ungewöhnliche Weise angehen. Er wird nicht lärmen und schreien, wie sonst die Weltverbesserer und Besserwisser, sondern er wird bescheiden auftreten, den glimmenden Docht nicht löschen, das geknickte Rohr nicht zerbrechen.

Gibt es eine bessere Liebeserklärung als die, dass einer sagt: hab keine Angst, deine Armut und Schwachheit stört mich nicht. Ich halte zu dir, was immer geschieht, wie immer du aussiehst, wie auch immer du daherkommst. Mit meiner Liebe kannst du rechnen.

Petrus hat es begriffen. In seiner Rede, die uns in der Apostelgeschichte überliefert wurde, erinnert er seine Zuhörer an das, was geschehen ist – mit Jesus von Nazareth nach seiner Taufe im Jordan. Er zog umher, tat Gutes und heilte alle, die in der Gewalt des Teufels waren. Denn Gott war mit ihm.

Eine einfache und zugleich deutliche Botschaft. Wo Gott ist, hat die Macht des Bösen ausgedient. Wo Gott wirkt, sind die Mächte und Gewalten hilflos und entmachtet. Mit dem Auftreten Jesu wurde der endgültige Sieg Gottes über die Mächte der Finsternis besiegelt. Fortan brauchen die Menschen keine Angst mehr zu haben. Sie sind in Sicherheit, weil sie in der Obhut Gottes selbst stehen.

Vielleicht ist es gerade diese stille Botschaft, die von der Taufe ausgeht und die Menschen in einer gefährdeten Zeit wie der unsrigen dazu bewegt, das Beste für ihre Kinder zu tun.

An unsere Taufe erinnern wir uns jedes Mal, wenn wir beim Betreten der Kirche das Weihwasser nehmen. So können wir die Erinnerung wach halten:

  • Gott hat uns in der Taufe seine Liebe geschenkt. Er sagt uns unwiderruflich und jeden Tag neu: ich halte zu Dir. Ich habe dich bei deiner Hand gefasst. Mein bist Du. Ich binde mich an Dich. Zeuge und Garant dafür ist Jesus Christus, der zu Dir, zu allen Menschen, kommt – ohne Ansehen der Person.
  • Die Stimme vom Himmel: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“, gilt auch uns. Wir sind gemeint, weil Jesus unser Bruder geworden ist.

Wenn das so ist, dann stehen wir wirklich in einem neuen Ansehen, dann sind wir wer. Weil Gott uns anschaut, haben wir Ansehen. Wir heißen und sind Kinder Gottes. Welche Konsequenzen das für unser Leben haben könnte – nicht auszudenken. Wir müssen es aber immer wieder neu bedenken: Deshalb versammeln wir uns ja jeden Sonntag zur Gedächtnisfeier – Jahr für Jahr, solange Gott uns die Zeit dafür schenkt.

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

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