Ein ganz neuer Anfang

Ein ganz neuer Anfang

3. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 26. Januar 2014
Lesungen: Jes 8,23b-9,3 – 1 Kor 1, 10-13.17 – Mt 4,12-23
Liturgie  (hier)

Am Ende des Textes besteht die Möglichkeit, die Predigt anzuhören – durch Klicken auf das kleine Dreieck links im schwarzen Balken

Wann wechselt jemand seinen Beruf, seinen Wohnort? Wenn er sich verbessern kann, wenn er z.B. in einem anderen Beruf mehr verdient, oder anderswo bessere Arbeits- und Le­bensbedingungen findet.

Aber so ohne weiteres gibt man seinen Beruf nicht auf. Immer noch gelten die alten Regeln: „Schuster, bleib bei deinen Leisten!“ oder: „Bleib im Land und nähr` dich redlich!“.

All das kann einem in den Sinn kommen, wenn man das heutige Evangelium hört: Simon und sein Bruder Andreas und ein anderes Brüderpaar (Jakobus und Johannes) geben eines Tages ihren Beruf als Fischer auf, verlassen ihren Arbeitsplatz, den See Gennesaret und gehen mit Jesus in andere Gegenden.

Sie müssen Gründe gehabt haben, Gründe, die ein besseres Leben versprachen, ein sinnvolleres Leben vielleicht – was wissen wir genau?

 

Doch: wir wissen einiges. Wenn wir dem Evangelisten Matthäus trauen, dann lag es an der Person des Jesus von Nazareth. Es ist ihnen ein Licht aufgegangen, daß man eigentlich so leben müsse wie dieser Jesus.

Sie kannten ja auch die Licht-Vision des Propheten. Dem Volk, das im Dunkeln lebt, geht ein helles Licht auf. Über denen, die im Land der Finsternis woh­nen, strahlt ein Licht (vgl. Jes 9,1).  Das „Land der Fin­sternis“ war eben jenes Galiläa, wo Jesus zum ersten Mal öffent­lich auftrat. Galiläa war zur Zeit des Propheten von assyrischen Truppen besetzt, eine notvolle und dunkle Zeit war das für diese ärmliche Nordregion Palästinas.

Matthäus sieht die Vision des Propheten erfüllt: mit dem Auftreten Jesu endet diese ungute Zeit. Eine neue, helle Zeit bricht an. Jesus kündet sie selbst an – in Wort und Tat: „Das Himmelreich ist nahe“, sagt er. Hört es und nehmt es zur Kenntnis – und stellt euch entsprechend darauf ein.

Wir können mit diesem Satz immer noch nicht viel anfangen, obwohl wir ihn schon oft gehört haben. Was soll das denn heißen?: Das Himmelreich, das Reich Gottes, ist nahe?

Die Geschichte kann uns vielleicht weiterhelfen. Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Hitler verstand sich als missionarischer Herrscher, der ein neues Reich gründen wollte, gar ein tausendjähriges. Wie wir erfahren mußten, war es eine einzige Katastrophe.  Bis heute sind noch nicht alle Wunden des 2. Weltkrieges verheilt. Immer noch werden z.B. Blindgänger gefunden und müssen entschärft werden. Die jeweils Herrschenden bestimmen also, wie es in einem Land und Herrschaftsgebiet zugeht. Andere Herrscher – andere Reiche – andere Verhältnisse.

Nun wollte Jesus kein politischer Führer sein. Er wurde leider so mißverstan­den. Erst bei seinem Prozeß vor Pilatus konnte er richtigstellen: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Aber alle Zeitgenossen haben erlebt, wie sein Auftreten und seine programmatische Ankündigung „Das Reich Gottes ist nahe“ in die damalige Zeit hineinwirkte.  Die Verhältnisse änderten sich – vorrangig in den Herzen der Menschen und in ihren Einstellungen zum Leben. Bei den Fischern am See von Galiläa war das offenkundig.

Vielleicht verstehen wir jetzt, was das Wort Jesu bedeuten kann: „Das Reich Gottes ist nahe“. Gott ist es nicht gleichgültig, wie es uns Menschen geht. Er bietet vielmehr seine Liebe an – allen, die im Dunkeln sitzen und auf Veränderungen hoffen. Deshalb schickt er sogar seinen Sohn in diese Welt, den Boten seiner Liebe.

Wieso wissen wir das? – Weil die Art und Weise, wie  Jesus mit den Armen und Kranken, mit den Zöllnern und Sündern umging, untrügliche Zeichen einer großen, einer göttlichen Liebe waren. Da sind den Leuten die Augen auf­gegangen und sie haben gespürt: so ein Mensch muß mehr sein als nur ein Mensch. Er muß der Gesandte Gottes selbst sein, der Messias, wie sie ihn nannten. Und wenn das so ist, dann kann man sein Leben in seiner Nähe nur verbessern. Da lohnt sich sogar ein Berufswechsel. Da lohnt es sich, alles liegen und stehen zu lassen und ihm nachzufolgen.

Menschenfischer sollten die Fischer werden. Sie sollten auch andere Menschen auf den neuen Lebensstil aufmerksam machen. Das war so und wirkte wie ein Schneeballsystem: man hat diesen neuen Lebensstil einfach im Reden und Tun weitergetragen und bald waren es neben den zwölf von Jesus Erwählten eine ganze Reihe von Frauen und Männern, die Jesus nachfolgten. Und viel später wur­den es noch mehr, über die Grenzen Palästinas hinaus. Und weil Paulus im ganzen Mittelmeerraum Missionsreisen unternahm, waren es bald in vielen wichtigen Städten der damaligen Welt kleine Gruppen, die alle von diesem neuen Lebensstil erfaßt wurden. Das waren die Keimzellen, aus denen die ersten Christengemeinden, die Kirche entstand.

Auch den heutigen Christengemeinden ist das Wort Jesu zugesagt: Das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt! – Auch auf unsere Ohren trifft die Botschaft von der Liebe Gottes – wie ein Licht im Dunkel. Heute könnte das heißen, daß wir uns wieder einmal an das Gute erinnern, das wir in unserem bisherigen Leben schon erfahren haben. Heute könnte das heißen: Gott sagt sich uns erneut zu. Haben wir nicht erst vor vier Wochen das Geburtsfest Christi ge­feiert und uns an die Menschwerdung Gottes erinnert?

Der große Gott wendet sich uns Menschen zu und möchte seinen Einfluß unter uns geltend machen, ein Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens möchte er aufrichten.

Niemand ändert seine Lebensgewohnheiten, seinen Beruf oder seinen Wohnort, wenn er sich nicht verbessern kann, haben wir am Anfang gesagt. Aufgrund der Zusage Gottes können wir unser Leben verbessern. Wir sollten also überlegen, was wir verändern, was wir aufgeben und was wir neu erwerben wollen.

Eigentlich ist es sehr einfach: lernen müssen wir das Gute zu tun – und aufgeben müssen wir, das Böse zu tun. Das Gute ist immer ein Gehen in Richtung des Lichts, das Böse ein Gehen in Richtung der Finsternis. Gottes Licht ist – trotz unserer Dunkelheiten – mitten unter uns aufgegangen. Wir haben eine Chance, unser Leben zu verbessern. Nutzen wir sie – mit Gottes Hilfe.

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

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