Licht und Salz

Licht und Salz

5. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 09. Februar 2014
Lesungen: Jes 58,7-10 – 1 Kor 2,1-5 – Mt 5,13-16
Liturgie (hier)

Die Predigt anhören: durch Klicken auf das kleine Dreieck links im schwarzen Balken am Ende des Textes

Als Priester mitten unter den Gläubigen in der Kirchenbank sitzen und das Evangelium hören – nicht vortragen, ist selten. Aus gesundheitlichen Gründen ist mir das seit Wochen so zugefallen. Zuhören ist etwas anderes als zusprechen.

Normalerweise bereiten sich die Prediger am Schreibtisch zuhause vor. Sie lesen allein die biblischen Texte und machen sich dazu ihre Gedanken, die sie dann vortragen. Beim Zuhören aber entstehen ganz andere Eindrücke. Man ist beim heutigen Evangelium z.B. ja unmittelbar betroffen. Die Worte Jesu: „Ihr seid das Licht der Welt – Ihr seid das Salz der Erde“! meinen ja mich in der Kirchenbank, meinen uns.

Bin ich Licht – Salz? Licht der Welt – Salz der Erde?

 

Ich habe da meine Zweifel. Vielleicht bin ich für den einen oder anderen Mitmenschen mal so was wie ein freundli­cher Lichtblick, ein Hoffnungsschimmer, ein Grund zur Freude; vielleicht bin ich für irgend jemanden mal so was wie das Salz in der Suppe, die aufmunternde Würze, die dem Le­ben wieder Geschmack verleiht.

Aber: Licht der Welt – Salz der Erde!

Wie wir es auch drehen und wenden: im Klartext steht es da: wir sind es!

Irgendwie rührt mich das immer peinlich an. Denn ich weiß sehr wohl, wie wenig ich diesen Anspruch erfüllen kann. Ich bin schon eher ein Irrlicht, manchmal sogar eine Zumutung für meine Mitmenschen. Hat Jesus da nicht maßlos übertrieben? Ist das nicht ein wenig viel, was er uns da zuspricht und zu­mutet?

Was fangen wir also mit dem Wort Jesu an? Sollen wir es einfach zurückgeben wie eine unbestellte Post – mit dem Vermerk: zurück an den Absender? Oder sollen uns befragen lassen, warum nicht zutrifft, was Jesus uns zusagt?

Versuchen wir eine Auseinandersetzung. Zwei Gründe können das Unbehagen erklären.

Wir sind deshalb nicht Licht der Welt, weil wir meinen, wir müßten das Licht aus uns selbst heraus sein – und das ist falsch.

Und wir sind deshalb nicht Salz der Erde, weil wir ver­gessen haben, wie man das Leben würzen könnte.

Ein Vergleich aus der Weltraumfahrt hilft weiter. Die Astronauten sehen unsere Erde im Weltall wie einen riesigen leuchtenden Stern im Dunkel des Alls. Aber sie wissen, daß das Licht dieser leuchtenden Erdkugel nicht von ihr selbst kommt, sondern daß es von der Sonne aufgenom­menes und wieder abgestrahltes Licht ist.

So wäre das auch bei uns Christen. Wir haben das Licht nicht aus uns selbst, sondern Christus ist das Licht, das wir empfangen, um es wieder abzustrahlen – wie die Erde das Licht von der Sonne empfängt und wieder abstrahlt.

Je mehr wir vom „lumen christi“ – wie wir in der Osternacht singen – in uns aufnehmen, umso mehr kön­nen wir es auf die Welt und die Mitmenschen abstrah­len. Also könnte es daran liegen, daß wir zu wenig unter der Sonne Gottes stehen, zu selten das Licht Christi in uns aufnehmen.

Zum Zweiten: Wir sind vergeßlich. Wir verlernen schnell, wie man das Leben würzt. Deshalb brauchen wir Erinnerung und Ermahnung, wie sie in den Lesungen der hl. Schrift enthalten sind. Wie man das Leben würzt – und wie wir dann selber zu einer Würze werden für unsere Welt, Salz der Erde, das ist ei­gentlich ganz einfach.

Die Bedienungsanleitung, wenn man so sagen darf, fin­det sich auch im Text der heutigen Lesung. Man sollte ein­fach tun, was da steht.  „Brich dem Hungrigen dein Brot. Kümmere dich um Ob­dachlose, entzieh dich deinen Verwandten nicht (d.h. heißt einfach auch: sei kein Eigenbrötler!), Ver­leumde niemanden, Zeig nicht mit dem Finger auf deine Mitmenschen – kurz gesagt: sei einfach ein guter Mensch! So ist das.

Dann, so die Verheißung des Propheten: dann wird dein Licht hereinbrechen. Dann wird Dein Leben leuchtende Farbe bekommen, Würze und Geschmack, was die Mitmenschen spüren werden.

Das erste hängt mit dem zweiten zusammen. Von Chri­stus, der Sonne, kommt uns das Licht. Von ihm kommt die würzende Lebensfreude und Hoffnung, weil er in vollkommener Weise die Liebe vorgelebt hat.

Suchen wir ihn und machen wir es ihm nach: dann stimmt es vielleicht doch: Dann sind wir Licht der Welt – und Salz der Erde. Wer mit Christen zusammenkommt, sollte mindestens so etwas wie Lebensfreude spüren. Papst Franziskus nannte sein erstes Rundschreiben einfach „Evangelii Gaudium“ – Die Freude am Evangelium. „Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte“, hat der Philosoph Friedrich Nietzsche kritisch vermerkt. Wie recht er hatte!

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

 

Print Friendly, PDF & Email