Vom gelingenden Leben

6. Sonntag im Jahreskreis – Lesejahr A – 16. Februar 2014
Lesungen: Sir 15,15-20 / 1 Kor 2,6-10 / Mt 5,17-37
Liturgie (hier)

Die Predigt anhören: durch Klicken auf das kleine Dreieck links im schwarzen Balken am Ende des Textes

 

Wer einen Computer kauft, erhält auch eine Bedienungsanleitung. Diese ist oft umfangreich und manchmal schwer verständlich. “Sie können sofort loslegen” ist ein leeres Versprechen der Werbung.  Ohne Unterstützung durch einen Fachmann oder einen Freund, der sich auskennt, kommt man nicht zurecht.

Anleitungen gibt es nun nicht nur zur Handhabung von Geräten, sondern auch für ein gutes und gelingendes Leben. Sie wollen zeigen, wie man das Leben richtig handhaben kann. Irgendjemand weiß, wie es geht und gibt seine Erkenntnisse weiter. In zahlreichen Vorträgen und Seminaren, in Zeitschriftartikeln und Büchern, werden uns heute Anweisungen für ein gutes Leben dargeboten.

In der Hl. Schrift finden wir Vergleichbares: Anleitungen für ein gutes Leben unter den Augen Gottes. Aus dem Buch Jesus Sirach, einer Sammlung von Weisheitssprüchen, haben wir heute gelesen, dass Gott den Menschen deshalb seine Gebote und Vorschriften gegeben hat. Wenn der Mensch will, kann er sich danach richten – zu seinen Gunsten! Er kann wählen – zwischen Leben und Tod. Was er begehrt, wird ihm zuteil.

Und im Evangelium erinnert Jesus in einer breit angelegten Unterweisung an das, was zu den Alten gesagt worden ist. Die Leute sollten es eigentlich wissen, wie das Leben geht. Dann aber fügt Jesus etwas Erstaunliches hinzu: „Ich aber sage euch“. Und was dann folgt, ist nicht nur eine Auslegung und Vertiefung der alten Weisungen, sondern auch eine Radikalisierung.

Jetzt sitzen wir da und sind gefragt, wie wir damit umgehen sollen. Umgehen können wir die Worte Jesu so einfach nicht. Wir müssen uns fragen, warum er die alten Lebensregeln neu auslegt.

Wir wissen, dass man mit Gesetzen und Vorschriften auch Schindluder treiben kann. Das erschreckende Beispiel ist die Rechtfertigung der Verurteilung Jesu: „Wir haben ein Gesetz – und nach diesem Gesetz muss er – nämlich Jesus von Nazareth – sterben“ (Joh 19,7). Die Begründung wird nach dem Johannesevangelium gleich mitgeliefert: „… weil er sich als Sohn Gottes ausgegeben hat.“ Für die Juden war es undenkbar, dass Gott in Jesus von Nazareth als der verheißene Messias erschienen war. Ein Mensch kann kein Gott sein. So etwas stand nicht im Gesetz.

Gesetze und Gebote sind wie Wegweiser. Sie sollen Orientierung bieten, können aber nicht in allen Lebenssituationen ein-zu-eins angewendet werden. Wer einem Gesetz einfach blind folgt und nicht überlegt, was der tiefere Sinn ist, kann sich sogar verirren.

„Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“, schreibt Paulus an die Korinther. (2 Kor 3,6). Also haben wir nach dem Geist der Gebote zu fragen.

An einer Passage der Rede Jesu kann man das zeigen. Jesus sagt: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten. Wer jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein“. Damit bekräftigt er, was immer schon gegolten hat: das Leben ist unantastbar. Die Ausrede des Brudermörders Kain „Bin ich denn der Hüter meines Bruders“ (Gen 4,9) gilt nicht. Dann aber fährt Jesus weiter: „Ich aber sage euch: Jeder, der seinen Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein.“ (Mt 5, 22)

Wie ist das zu verstehen? In den Augen Jesu muss das Leben des Menschen nicht nur absolut geschützt werden, ihm muss vielmehr mit größtem Respekt begegnet werden. Jedes abfällige Daherreden über die Mitmenschen ist zu unterlassen. Es verletzt die von Gott geschenkte Würde des Menschen, der nach dem Bild und Gleichnis Gottes erschaffen ist. „Denn so spricht der Herr der Heere: Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an“ (Sach 2,12).

Der Mensch steht unter der unbegreiflichen Liebe und Sorge Gottes. Eigentlich müssten wir uns vor jedem Menschen verneigen. Manchmal denke ich, ob nicht die Asiaten mit ihren freundlichen Verneigungen ein besseres Gespür für die Würde des Menschen haben als wir Europäer. Weiß ich denn, wem ich wirklich begegne, wenn ich einen Mitmenschen begegne?

Wer das erschreckende Wort Jesu: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Mt 25,40), wirklich ernst nimmt, wird es künftig unterlassen, vorschnell über andere daherzureden oder über sie ein Urteil zu fällen. Das ist nicht unsere Aufgabe. „Richtet nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder seinen Lohn von Gott erhalten“, schreibt Paulus an die Korinther (1 Kor 4,5).

Wir haben zu Beginn von Bedienungsanleitungen gesprochen. Wenn wir die Weisungen der Hl. Schrift und ihre Vertiefung durch das Beispiel Jesu ernst nehmen, können wir vielleicht von einer „Dienst-Anleitung“ sprechen. Jesu Lebensweisheit und -weisung kann in wenigen Worten zusammengefasst werden:

  • Im Schlusswort des heutigen Evangelium: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein: alles andere stammt vom Bösen“ (Mt. 5,37)
  • In Jesu Hinweis nach der Fußwaschung im Abendmahlssaal: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13,15)
  • Und nicht zuletzt im einfachen Rat seiner Mutter bei der Hochzeit zu Kana. „Was er euch sagt, das tut“ (Joh 2,5).

Christsein ist nicht mehr und nicht weniger als sich danach auszurichten.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

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