Palmsonntag – Heilige Woche

Palmsonntag – Heilige Woche

Kurzpredigt am Palmsonntag – Lesejahr A – 13. April 2014
Lesungen und Liturgie (hier)

Zum Anhören der Kurzpredigt bitte am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken

Ein Wechselbad der Gefühle lösen die biblischen Texten zu Beginn der Heiligen Woche aus. Vom öffentlichen Jubel beim Einzug Jesu in Jerusalem zur einsamen Verlassenheit am Ölberg, vom «Hosianna» zum «Kreuzige ihn». Die frohe Gewissheit der Pilger in Jerusalem, dass der Messias nun doch gekommen sei, wird verdunkelt durch den Umschwung der Ereignisse: Verrat und Verhaftung Jesu, das Weglaufen der engsten Freunde, die Erfahrung totaler Ohnmacht gegenüber der religiösen Führung und der römischen Besatzungmacht und die Kreuzigung. Schließlich der Jubel über den Sieg des Lebens.

Auch im privaten Leben werden wir manchmal hin und her gerissen von widersprüchlichen Stimmungen: Geburt ist Anlaß zur Freude,  Tod Anlas zur Trauer. Festliche Tage und Trauerzeiten wechseln ab. Wo ist da der rote Faden, wo der Sinn von allem?

Die Ereignisse bringen uns aus dem Gleichgewicht, wenn wir keinen festen Stand haben, wenn wir uns selbst nicht treu bleiben können, weil wir nicht wissen, wer wir sind.

Jesus konnte durch alle Höhen und Tiefen gehen, weil er wusste, wer er war: Nicht der König, der allen Prunk und Reichtum dieser Welt nötig hatte, nicht der selbstherrliche Richter, der Judas erst vernichten muss, bevor dieser ihn verraten konnte, nicht der Gotteslästerer, der die Todesstrafe der Kreuzigung verdient hätte – und auch nicht der Tote, der im Grab des Vergessens liegen blieb. – All dies war Jesus nicht.  Er war in allem Geschehen immer der Gleiche: der geliebte Sohn des himmlischen Vaters.

Wenn in unserem Leben die Mächte des Schicksals wüten, dann gilt auch uns das Wort des Apostels Paulus: „Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist“ (Röm 8,39). Wir sind und bleiben die geliebten Kinder des Vaters. Im Buch Nehemia steht der bedenkenswerte Satz: “Seid nicht traurig und weint nicht! Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Neh 8,10). Und beim Propheten Micha lesen wir – leider sehr selten – den wichtigen Hinweis: „Wer ist ein Gott wie du, der du Schuld verzeihst und dem Rest deines Volkes das Unrecht vergibst? Gott hält nicht für immer fest an seinem Zorn; denn er liebt es, gnädig zu sein.“ (Micha 7,18)

In der Stille der kommenden Tage lassen sich solche Worte vernehmen und im Herzen bewahren – und sie werden ihre heilende und stärkende Wirkung nicht verfehlen. Mit dem vorübergehenden Ausstieg aus den Beschäftigungen und einer Zeit der Besinnung sollten wir also in die Heilige Woche gehen. Das tut uns und der Welt gut. Unser Heil und das Heil der Welt stehen auf dem Spiel.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

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