Der Glaube an die Auferstehung nimmt seinen Anfang am Grab

Der Glaube an die Auferstehung nimmt seinen Anfang am Grab

Ostern – Hochfest der Auferstehung – Lesejahr A – 20. April 2014
Lesungen und Liturgie (hier)

Zum Anhören der Osterpredigt am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken

 

Vor einiger Zeit schenkte jemand einen kleinen Topf mit Erde. Dass Weizenkörner eingesät waren, konnte man nicht sehen. Jetzt sind sie aufgegangen. Dieses aufkeimende Leben aus sterbenden Weizenkörnern lässt mich immer wieder staunen und erinnert mich an das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12,24). Jesus wollte uns damit eine Verstehenshilfe geben für sein  Sterben und seine Auferstehung. Wir brauchen solche Bilder, damit unser angefochtener Glaube Bestand hat. Denn die Ereignisse, die unser Leben prägen, sprechen eher eine andere Sprache – die Sprache des Todes.

Wer gestern Abend die Osternachtsliturgie mitfeiern konnte, hat erlebt, wie die Osterkerze in die dunkle Kirche hereingetragen wurde. An ihr wurden dann die mitgebrachten Kerzen angezündet und so wurde es immer heller im Raum bis zur Festbeleuchtung beim großen Lobpreis des Gloria. Man muß nicht lange grübeln, um zu erkennen, dass auch dieses Bild eine Verstehenshilfe ist für den Auferstandenen ist. Die  Dunkelheit ist ein Bild des Todes, wie umgekehrt das Licht ein Bild für göttliches Leben ist.

Johannes spielt mit ähnlichen Bildern. „Als es noch dunkel war“, schreibt er in seinem Osterevangelium, kam Maria von Magdala zum Grab. In einem Grab ist normalerweise die Verwesung am Werk. Das wissen wir. Deshalb meiden manche Menschen den Gang zum Friedhof. Bei dem Grab, von dem das Osterevangelium spricht, ist das aber anders. Maria Magdalena, in Trauer wie gefangen von der Erfahrung, dass ein Toter unwiederbringlich tot ist, meint, man habe den Leichnam Jesu weggenommen. Und die beiden Jünger, die zum Grab laufen (siehe Bild), werden wohl der gleichen Meinung gewesen sein. Aber als sie dann im Felsengrab standen, wurde von dem einen gesagt, dass er sah und glaubte. Hier ging von einem Grab nicht Verzweiflung aus, sondern Glaube, nicht Dunkelheit, sondern Licht.

Wir erinnern uns, was wir in den zurückliegenden Tagen bedacht haben. Man muss zuerst durch den Karfreitag hindurch. Der österliche Glaube wäre nur eine Illusion, wenn er nicht aus diesem dunklen Grund unseres Daseins aufgehen würde.

Was sagt uns der Karfreitag? Er sagt, dass auf Golgata einer gestorben ist und dass man ihn begraben hat. Und was sagt Ostern? Es sagt, dass es bei diesem Gestorbenen und Begrabenen anders war als bei den anderen. Denn er ist auferstanden. Und zwar nicht wie manche meinen, dass er wieder in dieses irdische Leben zurückkehrte, um später noch einmal zu sterben. Nein, Christus ist auferstanden zum ewigen Leben, er ist auferstanden in ein neues Leben hinein, in eine neue Welt hinein, in die unvergängliche Welt Gottes hinein.

Unsere Erfahrung sagt uns zunächst etwas anderes. Wir fühlen und denken wie Maria Magdalena, wenn wir mit dem Sterben eines lieben Menschen konfrontiert werden. Angesichts des Todes stehen wir vor dem größten Rätsel unseres Daseins – und wir begehren zu Recht auf. Nicht nur der Schmerz und den fortschreitenden Abbau des Leibes, sondern auch, ja noch mehr, die Furcht vor dem immerwährenden Erlöschen bedrängt unser Denken. Und deshalb übergehen und verdrängen wir den Tod, wo immer nur möglich, den eigenen Tod und den Tod unserer Mitmenschen.

Dennoch urteilen wir in unserem Herzen richtig, wenn wir die völlige Zerstörung und unseren endgültigen Untergang instinktiv ablehnen. Der Keim der Ewigkeit in uns lässt sich ja nicht auf bloße Materie zurückführen und wehrt sich deshalb gegen den Tod. Auf diese Urahnung des Menschen antwortet der Glaube an die Auferstehung. Durch Christus und in Christus wird das Rätsel von Schmerz und Tod hell. Er ist auferstanden, hat durch seinen Tod den Tod vernichtet und uns das Leben geschenkt.

Der Theologe Klaus Berger unterscheidet wissenschaftlich beweisbare Tatsachen und sog. mystische Tatsachen. Und dann fragt er: sind diese deshalb nicht wahr? Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die kein noch so gescheiter Verstand ergründen kann, obwohl sie wahr sind. Das Osterereignis zählt dazu.

Wir Christen leben in zwei Welten. Die eine erfahren wir mit unseren Sinnen, die andere ist uns nur im Glauben zugänglich. Aber beide Welten sind wirklich. Als den Aposteln der Auferstandene erschienen ist, waren sie in jene Welt eingetaucht, welche die Bibel die „neue Schöpfung“ nennt. Petrus kann deshalb bezeugen: „Gott hat ihn am dritten Tag auferweckt“ – wir haben seine Rede in der 1. Lesung gehört. Dieses Zeugnis ist das Zeugnis der Kirche geblieben bis in unsere Tage hinein. Und es sollte wieder ein lebendiges Zeugnis werden! „Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen“, so hat Friedrich Nietzsche gespottet, und er hat mit seinem Spott ins Schwarze getroffen.

Viel zu wenig sind wir österliche Menschen! Wir müssen es wieder werden. Die 2. Lesung läßt erahnen, was den österlichen Menschen kennzeichnen würde: „Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische“. Wir müssen also durch unser Leben Zeugnis dafür ablegen, dass es noch eine ganz andere Welt gibt als diese Welt hienieden.

In der Zeit unserer Pilgerschaft gehen wir durch manche Dunkelheiten hindurch – oft lange ohne eine griffige Antwort. Wir sehen oft nur, dass alles sinnlos, verschleiert und rätselhaft ist.

Wann haben wir den Mut, auch nach dem Unsichtbaren Ausschau zu halten, nach dem, was nicht so einfach vor Augen liegt, sondern wo wir hineingehen müssen in eine manchmal recht dunkle Höhle – wie in ein Grab, um das Verborgene zu lüften!

In dem geschenkten Blumentopf war nur Erde zu sehen, sonst nichts. Als die Zeit reif war, brachte die Erde neues Leben hervor.

Wer den Blick auf den Karfreitag meidet, wer sich mit Sterben und Tod nicht befasst und nicht zu den Gräber der Verstorbenen geht, kann auch die Auferstehung nicht erfahren. Vergessen wir nicht: der Osterglaube entstand am Grab – in den Herzen der Maria Magdalena und der Jünger Petrus und Johannes.

Über Johannes sagt das Evangelium ein schönes Wort: „der zuerst an das Grab gekommen war, ging hinein: er sah und glaubte“.  Der Apostel Johannes und alle Freunde Jesu mögen uns Osteraugen schenken, damit auch wir sehen und glauben.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

 

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