Himmelfahrt – Weltflucht oder Weltzuwendung?

Himmelfahrt – Weltflucht oder Weltzuwendung?

Hochfest Christi Himmelfahrt  – Lesejahr A – 29. Mai 2014
Lesungen: Apg 1,1-11 – Eph 1,17-23 – Mt 28,16-20
Liturgie (hier)

Zum Anhören der Predigt bitte am Ende des Textes auf das kleine Dreieck am linken Balkenende klicken

Erinnern Sie sich noch an die erste Katechismusfrage: Wozu sind wir auf Erden? Die Antwort war: „Wir sind dazu auf Erden, dass wir den Willen Gottes tun und dadurch in den Himmel kommen“. Himmel, was ist das eigentlich? Heute, am Tag Christi Himmelfahrt, bietet sich die Gelegenheit, darüber einmal kurz nachzudenken.

Von Angelus Silesius stammen die Verse „Der Himmel senket sich, er kommt und wird zur Erden; wann steigt die Erd‘ empor und wird zum Himmel werden?“

Wer vom Himmel redet, verwendet unbewusst das alte Weltbild. Er teilt die Welt in drei Stockwerke ein, in Himmel, Erde und Unterwelt. Demnach ist also Jesus in das obere Stockwerk hinaufgefahren, dorthin, woher er gekommen war und wohin wir ihm folgen sollen.  Es geht also aufwärts, aber wo genau hin? Jesus beantwortete die Frage des Pilatus, ob er ein König sei, nicht vollständig. Er sagte nämlich nur:  „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“. Wir wüssten aber gern Genaueres. Wo ist denn nun dieses Reich zu finden,  wo ist der Himmel, wenn das alte Weltbild nicht mehr gilt? (vgl. Joh 18,33-36)

 

Zum Stichwort Himmel malt Jesus nur Bilder: Bilder von einer Hochzeit, von einem Samenkorn im Acker, vom Sauerteig, von einer kostbaren Perle. Solche Bilder lassen viele Deutungen zu.

Mit den Jüngern schauen wir also doch zunächst nach oben, wenn wir Gott vermissen. Auch wir erwarten den Messias von oben. Schließlich haben die Jünger ihren Herrn dorthin entschwinden sehen. Mag diese Welt ein Jammertal sein, die Hoffnung auf ein besseres Jenseits, in das wir himmelwärts hinaufkommen, läßt uns viel ertragen. Beim Katholikentag hier in Regensburg wird es viele Gebetstreffen geben, die diesem Denken und Fühlen entsprechen. Löse dich von dieser Welt und hoffe auf Rettung im Himmel droben! Wir beten ja auch zum „Vater im Himmel“ und sind nach der Himmelfahrt Jesu dankbar, dass wir ihn als Anwalt und Fürsprecher beim Vater haben.

Doch diese Hoffnung könnte trügerisch sein. Denn kein abgehobener Messias löst unsere Probleme. Weder unsere Alltagssorgen noch die Krisen in der Ukraine, in Syrien, in Israel oder in den afrikanischen Ländern. Wer auf dem Weg in seine Zukunft nur nach oben blickt, wird bald aus allen Wolken fallen.

Die Bibel ist kein Atlas von einem weit entfernten Gottesreich. Im Gegenteil. Sie holt alle, die auf die Frage nach Gott abheben wollen, auf den Boden zurück: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“ Die Straßenkarten zum Himmel weisen bergab.

Gewiß, Gottes Reich ist nicht von dieser Welt. Es wäre so vergänglich wie die Herrschaft der Pharaonen oder anderer großer Reiche. Aber es beginnt in dieser Welt, wie ein Samenkorn im Acker oder ein Sauerteig in der Schüssel. Und seine Ortsangabe sind Jesu Abschiedsworte: „Geht in alle Welt und lehrt und tauft.“ Das ist die Bewegung Gottes – von oben nach unten.

Diese Bewegung hat die Kirche hervorgebracht. Jetzt soll das Evangelium in allen Kulturen Wurzeln schlagen. „Geht“, sagt Jesus. Aber er sagt auch: „Ich bleibe bei Euch alle Tage“. Das ist das Geheimnis, das uns bewegt. Er bleibt. Mitten unter uns. „Schaut nicht hinauf, der Herr ist hier bei uns „. Das war ein Lied, das wir vor Jahren oft in der Studentengemeinde gesungen haben.

Gottes Reich fällt also nicht einfach vom Himmel, es wächst auch nicht einfach von unten. Es kommt von innen. „Nicht ich lebe“, sagt Paulus,  „sondern Christus lebt in mir“. Das Himmelreich beginnt dort, wo wir die Konsequenzen aus einer solchen Ortsangabe ziehen. Wo wir an den Bildern weiter malen, die Jesus begonnen hat. Bilder der Hoffnung. Die sind keineswegs abstrakt. Auch in unseren Tagen gibt es sie.

Wenn z.B. Ordensleute in den Krisengebieten dieser Erde trotz tödlicher Gefahren aushalten, wie der niederländische Jesuit Frans van der Lugt. 50 Jahre war er im Orient tätig und engagierte sich in Hilfsprojekten in der umkämpften Stadt Homs in Syrien. Anfang April wurde er hinterhältig erschossen.

  • Oder wenn solche Menschen mit ihrem Engagement zu einem Lebenszeichen für Verzweifelte werden, deren Schicksal längst keinen Reporter mehr interessiert.
  • Oder wenn Christen Zeugnis dafür ablegen, dass die Mächte die­ser Welt ihre Grenzen haben.
  • Oder wenn sich im Gräuel der ethnischen Kämpfe in Afrika Christen trotzdem mit Muslimen treffen, um sich gemeinsam daran zu erinnern, dass der eine und wahre Gott ein Gott des Friedens und der Versöhnung ist.
  • Oder wenn Christen ihre Grenzen und Türen öffnen für Menschen auf der Flucht.

Mit all diesen Schritten wird der Himmel erfahrbar, beginnt sich auch unser Auftrag in der Welt zu erfüllen. Dies sind ermutigende Kirchenbilder, die uns bewegen, weil sie davon erzählen, daß der Gekreuzigte lebt. In aller Welt begegnen Menschen so dem auferstandenen und in den Himmel aufgefahrenen Christus. „Denn siehe. Das Reich ist mitten unter euch“, sagte Jesus (Lk 1,21).

So sollten auch wir Zeugen dafür werden, daß der Geist Gottes das Antlitz der Erde erneuern will. „Was steht Ihr da und schaut zum Himmel!“ Die Himmel­fahrt beginnt damit, daß wir den Abstieg wagen – so wie es uns Papst Franziskus vorlebt, nämlich dorthin, wo die Menschen uns brauchen.

 

Geistliche Gedanken aus der Pfarrei St. Bonifaz (hier)

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